Woran erkennt man Magersucht?
Magersucht entwickelt sich meist schleichend, und am Anfang gibt es oft sogar Komplimente. Wer die frühen Zeichen kennt, kann früher handeln, und das verbessert die Aussichten deutlich.
Die kurze Antwort
Magersucht zeigt sich nicht nur am Gewicht. Typisch ist eine Kombination aus deutlichem Gewichtsverlust, stark eingeschränktem Essen und einer anhaltenden Angst, zuzunehmen, obwohl der Körper längst zu dünn ist. Betroffene erleben sich trotz Untergewicht oft als zu dick. Weil die Erkrankung meist schleichend beginnt, fallen die ersten Zeichen häufig eher im Verhalten auf als auf der Waage.
Warnzeichen im Verhalten
- ständige gedankliche Beschäftigung mit Kalorien, Gewicht und Figur
- Verzicht auf Fett und Kohlenhydrate, ganze Lebensmittelgruppen verschwinden vom Teller
- Essrituale: sehr langsames Essen, Kleinschneiden, feste Zeiten, zu denen Essen erlaubt ist
- gemeinsame Mahlzeiten werden gemieden, das Essverhalten wird verheimlicht
- auffällig viel Sport oder ein kaum bremsbarer Drang, sich zu bewegen
- Rückzug von Freundinnen und Freunden, Gereiztheit, gedrückte Stimmung
Körperliche Zeichen
Mit der Zeit werden die Folgen des Hungerns sichtbar. Die Periode bleibt aus oder setzt bei jungen Mädchen gar nicht erst ein. Bei Kindern können Wachstum und Pubertät stocken. Die WHO-Klassifikation ICD-11 nennt für Erwachsene einen Body-Mass-Index unter 18,5 als üblichen Richtwert für deutliches Untergewicht. Ein rascher Verlust von mehr als 20 Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten kann dieses Kriterium ersetzen.
Ein Punkt, der oft übersehen wird
Am Anfang bekommen Betroffene nicht selten Komplimente für die Gewichtsabnahme. Laut der Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie bestärkt diese Anerkennung darin, weiter abzunehmen. Das anfängliche Gefühl von Leichtigkeit und Kontrolle schlägt später oft in Gleichgültigkeit, Reizbarkeit und depressive Stimmung um.
Was Angehörige tun können
- die Sorge ruhig ansprechen und Verständnis für Rückzug und gedrückte Stimmung zeigen, statt über Kalorien zu streiten
- nicht in die Rolle der Therapeutin oder des Therapeuten schlüpfen und die Essstörung nicht bedienen, etwa durch Einkauf nur kalorienarmer Lebensmittel
- bei Minderjährigen einen Arztbesuch notfalls auch gegen Widerstand durchsetzen, besonders bei sehr niedrigem Gewicht
- sich selbst Unterstützung holen, etwa in einer Angehörigengruppe
Wo es Hilfe gibt
Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis und bei Jugendlichen die Kinder- und Jugendarztpraxis. Die S3-Leitlinie betont: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Heilungschancen. In den ersten zehn Jahren nach der Diagnose ist das Sterberisiko etwa zehnfach erhöht, durch körperliche Komplikationen oder Suizid. Das Infotelefon Essstörungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) berät Betroffene und Angehörige vertraulich unter 0221 89 20 31. Bei Suizidgedanken: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, in der Schweiz Dargebotene Hand 143.
Magersucht gehört in fachliche Behandlung. Entspannungsverfahren wie Hypnose sind keine Therapie der Magersucht und kommen ausschließlich begleitend zu einer laufenden Behandlung infrage.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Magersucht ist ausschließlich als Begleitung einer laufenden fachlichen Behandlung gedacht, etwa bei Anspannung und Grübeln. Es ersetzt keine Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Was sind die ersten Anzeichen von Magersucht?
Oft fallen zuerst Veränderungen im Verhalten auf: ständige Beschäftigung mit Kalorien und Figur, Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, Essrituale und sozialer Rückzug. Der Gewichtsverlust wird manchmal erst später deutlich.
Ab welchem Gewicht spricht man von Magersucht?
Die ICD-11 nennt für Erwachsene einen Body-Mass-Index unter 18,5 als üblichen Richtwert, bei Kindern und Jugendlichen gelten Altersperzentilen. Ein rascher Verlust von mehr als 20 Prozent des Gewichts in sechs Monaten kann ebenfalls ausreichen.
Wie spricht man einen Verdacht auf Magersucht an?
Am besten ruhig und in einem geschützten Moment, mit Blick auf die Person statt auf Gewicht und Essen. Vorwürfe und Kontrolle führen meist zu mehr Rückzug. Beratung für Angehörige bietet das BIÖG-Infotelefon unter 0221 89 20 31.
Kann Hypnose bei Magersucht helfen?
Hypnose ist keine Behandlung der Magersucht und darf eine Therapie weder ersetzen noch verzögern. Wenn überhaupt, kommt sie nur begleitend zu einer laufenden fachlichen Behandlung infrage, etwa bei Anspannung.
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Quellen (Auswahl)
- DGPM/DKPM/DGKJP/DGPPN u.a.: S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen, AWMF 051-026, mit Patientenleitlinie
- WHO: ICD-11, 6B80 Anorexia nervosa
- BIÖG: Infotelefon Essstörungen, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).