Warum ist Bulimie so gefährlich?
Menschen mit Bulimie sind meist normalgewichtig, deshalb bleibt die Erkrankung oft jahrelang unentdeckt. Ihre Folgen für Herz, Zähne und Psyche sind trotzdem ernst. Und sie ist gut behandelbar.
Eine Krankheit, die man oft nicht sieht
Menschen mit Bulimie sind meist normalgewichtig. Die Essanfälle und das anschließende Erbrechen, Hungern oder übermäßige Sport finden im Verborgenen statt. Genau deshalb wird die Erkrankung häufig über Jahre nicht erkannt, und ihre Gefahren werden unterschätzt, auch von den Betroffenen selbst.
Was im Körper passiert
Gestörter Mineralhaushalt
Häufiges Erbrechen und der Missbrauch von Abführ- oder Entwässerungsmitteln entziehen dem Körper Mineralstoffe, vor allem Kalium. Ein ausgeprägter Kaliummangel kann gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Das Tückische: Er macht sich oft erst spät durch Schwäche, Muskelkrämpfe oder Herzstolpern bemerkbar.
Zähne und Mund
Die Magensäure greift beim Erbrechen den Zahnschmelz an, vor allem an den Innenseiten der Zähne. Die Zähne werden empfindlich und können dauerhaft geschädigt werden. Häufig schwellen auch die Speicheldrüsen an, was das Gesicht rundlicher wirken lässt.
Speiseröhre und Magen
Wiederholtes Erbrechen reizt die Speiseröhre und kann zu Entzündungen und Einrissen der Schleimhaut führen. Blut im Erbrochenen ist ein Warnsignal, das sofort ärztlich abgeklärt werden muss.
Der ganze Körper
Dazu kommen Kreislaufprobleme, Zyklusstörungen, Verdauungsbeschwerden und Erschöpfung. Eine Metaanalyse von 36 Studien fand bei Bulimie ein fast doppelt so hohes Sterberisiko wie in der Allgemeinbevölkerung.
Die seelische Seite
Bulimie geht oft mit Scham, Heimlichkeit und dem Gefühl einher, die Kontrolle zu verlieren. Depressionen, Angststörungen und selbstverletzendes Verhalten treten häufig gemeinsam mit ihr auf, und das Suizidrisiko ist erhöht. Der Kreislauf aus strengem Diäthalten, Essanfall und Gegenmaßnahme hält sich dabei selbst am Leben: Je strenger die Regeln, desto wahrscheinlicher der nächste Anfall.
Bulimie ist behandelbar
Die S3-Leitlinie zu Essstörungen empfiehlt als Behandlung erster Wahl eine Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie. Sie zielt darauf, regelmäßiges Essen aufzubauen, den Kreislauf aus Diät und Anfall zu durchbrechen und die Gefühle zu bearbeiten, die hinter den Essanfällen stehen. Viele Betroffene erreichen damit eine deutliche Besserung oder vollständige Genesung.
Ein erster Schritt kann ein anonymes Gespräch sein: Das Infotelefon Essstörungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit ist unter 0221 89 20 31 erreichbar. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, mit innerer Anspannung umzugehen, die Essanfällen oft vorausgeht, ausschließlich begleitend zu einer ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Bulimie unterstützt dabei, mit der Anspannung umzugehen, die Essanfällen oft vorausgeht, ausschließlich begleitend zu ärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Warum nehmen Menschen mit Bulimie oft nicht ab?
Erbrechen entfernt nur einen Teil der aufgenommenen Kalorien, Abführmittel so gut wie keine. Zudem folgen auf Phasen strengen Hungerns oft neue Essanfälle. Die meisten Betroffenen sind deshalb normalgewichtig.
Woran erkennt man Bulimie?
Hinweise können häufige Toilettengänge direkt nach dem Essen, verschwindende Lebensmittel, geschwollene Speicheldrüsen, Zahnschäden und ein starker Fokus auf Gewicht und Figur sein. Da viele Betroffene normalgewichtig sind, ist die Erkrankung von außen oft schwer zu erkennen.
Welche Schäden durch Bulimie sind bleibend?
Zahnschäden durch Magensäure sind häufig dauerhaft. Viele andere Folgen, etwa der gestörte Mineralhaushalt, bilden sich mit einer erfolgreichen Behandlung zurück. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser.
Wie kann ich als Angehöriger helfen?
Ein ruhiges Gespräch ohne Vorwürfe, in dem Sie Ihre Sorge in Ich-Botschaften schildern, ist ein guter Anfang. Drängen Sie nicht auf Kontrolle beim Essen, sondern ermutigen Sie zu professioneller Hilfe. Beratungsstellen unterstützen auch Angehörige.
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Quellen (Auswahl)
- DGPM/DGPPN u.a.: S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen, AWMF 051-026
- Arcelus et al. (2011): Mortality rates in patients with anorexia nervosa and other eating disorders: a meta-analysis of 36 studies, Archives of General Psychiatry 68(7)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).