Warum bleibt bei Magersucht die Periode aus?
Das Ausbleiben der Regelblutung ist kein Nebenschauplatz, sondern ein Signal für einen Energiemangel, der den ganzen Körper betrifft – besonders die Knochen.
Warum die Periode ausbleibt
Das Ausbleiben der Regelblutung gehört zu den häufigsten körperlichen Folgen einer Magersucht. Der Fachbegriff lautet funktionelle hypothalamische Amenorrhoe – funktionell, weil kein Organ geschädigt ist, sondern eine Steuerung heruntergefahren wird.
Was im Körper passiert
Der Körper spart an der Fortpflanzung
Bei anhaltendem Energiemangel priorisiert der Organismus: Herz, Gehirn und Atmung werden versorgt, weniger überlebenswichtige Funktionen zurückgefahren. Die Fortpflanzungsfähigkeit gehört zu den ersten, die abgeschaltet werden.
Konkret drosselt der Hypothalamus die pulsatile Ausschüttung des Steuerhormons GnRH. In der Folge sinken LH und FSH, die Eierstöcke werden nicht mehr angeregt, der Östrogenspiegel fällt – und die Regelblutung bleibt aus.
Nicht nur eine Frage des Gewichts
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass allein das Untergewicht die Ursache sei. Entscheidend ist die Energiebilanz: Wer sehr viel Sport treibt und zu wenig isst, kann die Periode auch bei normalem Gewicht verlieren.
Deshalb tritt das Phänomen ebenso bei Ausdauersportlerinnen ohne Essstörung auf. Auch psychische Belastung kann über dieselbe Achse wirken.
Warum das ernst zu nehmen ist
Knochendichte
Östrogen schützt die Knochen. Fehlt es über längere Zeit, sinkt die Knochendichte – und das in einem Lebensabschnitt, in dem eigentlich die maximale Knochenmasse aufgebaut wird. Ein Teil dieses Verlusts kann dauerhaft bleiben, selbst nach vollständiger Genesung. Osteoporose bereits in jungen Jahren ist eine reale Folge.
Weitere Auswirkungen
Der Energiemangel betrifft auch Herz-Kreislauf-System, Muskulatur und Konzentrationsfähigkeit. Das Ausbleiben der Periode ist dabei ein sichtbares Signal für einen Zustand, der den ganzen Körper betrifft.
Wann die Periode zurückkommt
In der Regel kehrt sie zurück, wenn Gewicht und Energiebilanz ausreichend wiederhergestellt sind. Das dauert oft Monate über das Erreichen des Zielgewichts hinaus – der Körper braucht Zeit, bis er die Situation als sicher einstuft.
Wichtig: Die Rückkehr der Periode ist ein Zeichen der Erholung, aber kein Beweis, dass die Erkrankung überwunden ist. Und ihr Ausbleiben bei normalem Gewicht bedeutet nicht, dass es keine Essstörung gibt.
Die Pille erzeugt eine künstliche Blutung und verdeckt damit das Signal. Sie behandelt die Ursache nicht und schützt die Knochen nach heutigem Kenntnisstand nicht ausreichend.
Was hilft
Magersucht ist eine schwere Erkrankung mit erheblichen körperlichen Risiken. Sie gehört in fachliche Behandlung – Psychotherapie, ärztliche Begleitung, Ernährungstherapie. Die Leitlinie empfiehlt störungsspezifische Psychotherapie als Kern der Behandlung.
Je früher begonnen wird, desto besser die Aussichten. Erste Anlaufstellen: Hausarzt, Kinder- und Jugendmediziner, spezialisierte Ambulanzen. Kostenfrei und anonym berät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter 0221 892031.
Wo Entspannungsverfahren ansetzen – und wo nicht
Bei Magersucht sind Entspannungsverfahren keine Behandlung und dürfen eine Therapie nicht ersetzen oder verzögern. Die Erkrankung hat unter psychischen Erkrankungen eine der höchsten Sterblichkeitsraten. Ergänzend zu einer laufenden fachlichen Behandlung – und nur so – können Entspannungsverfahren bei Anspannung und Grübeln unterstützen.
Magersucht gehört in fachliche Behandlung. Das Audio-Hypnose-Programm kann eine laufende Therapie ergänzen – bei Anspannung und Grübeln. Es ersetzt keine Behandlung und darf sie nicht verzögern. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).