Warum kommen Narzissten immer wieder zurück?
Die Rückkehr fühlt sich oft wie eine Erlösung an. Warum sie selten einen Neuanfang bedeutet und woran man echte Veränderung erkennt.
Die kurze Antwort
Viele Menschen erleben, dass ein narzisstischer Ex-Partner sich Wochen oder Monate nach der Trennung wieder meldet, als wäre nichts gewesen. Häufige Gründe sind das Bedürfnis nach Bestätigung, gekränkter Stolz, Langeweile oder das Ende einer neuen Beziehung. Im Volksmund heißt das „Hoovering“, nach einem Staubsauger, der den anderen zurücksaugt. Es ist kein wissenschaftlicher Begriff, beschreibt aber ein Muster, das viele Betroffene kennen.
Warum sie zurückkommen
Bestätigung
Menschen mit ausgeprägt narzisstischen Zügen brauchen viel Bewunderung. Ein früherer Partner, der sich freut, wieder Kontakt zu haben, liefert diese Bestätigung zuverlässig.
Gekränkter Stolz
Wenn der andere die Trennung beendet hat, wird das oft als Niederlage erlebt. Ihn zurückzugewinnen, stellt das Gefühl von Kontrolle wieder her.
Spiel statt Bindung
Eine Studie von Keith Campbell und Kollegen fand, dass Narzissmus vor allem mit einem spielerischen Liebesstil verbunden ist: Beziehungen werden eher wie ein Spiel geführt, mit wenig Verbindlichkeit und mehreren Optionen. Ein früherer Partner bleibt in diesem Spiel eine Option.
Leere Phasen
Nach dem Ende einer neuen Beziehung oder in einer Phase ohne Bewunderung wird häufig auf bekannte Kontakte zurückgegriffen. Der frühere Partner ist dann vertraut und scheint leicht erreichbar.
Warum es so schwer ist, nicht zurückzugehen
Beziehungen mit Narzissten wechseln oft zwischen Phasen großer Zuwendung und Phasen von Kälte oder Abwertung. Forschung zu Beziehungen mit wiederkehrender Misshandlung zeigt, dass genau dieser Wechsel eine besonders starke emotionale Bindung erzeugen kann, die auch nach der Trennung anhält. Deshalb fühlt sich die Rückkehr des Ex oft wie eine Erlösung an, obwohl man weiß, dass sich wenig geändert hat.
Woran man echte Veränderung erkennt
- Der andere übernimmt konkret Verantwortung, statt nur zu sagen, es tue ihm leid.
- Er ist in Therapie oder arbeitet nachweislich an sich, über Wochen und Monate.
- Er respektiert ein Nein und gibt Zeit, statt Druck zu machen.
Fehlt das, wiederholt sich das alte Muster meist.
Was hilft
- Kontakt begrenzen: Viele Betroffene entscheiden sich für einen Kontaktabbruch, bei gemeinsamen Kindern für knappe, sachliche Kommunikation.
- Die Geschichte aufschreiben: Eine Liste der verletzenden Erlebnisse hilft gegen das verklärte Bild, wenn die Sehnsucht kommt.
- Unterstützung holen: Freunde, Beratung oder Psychotherapie stärken die eigene Entscheidung.
- Die innere Unruhe beruhigen: Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, mit Sehnsucht und Grübeln umzugehen.
Bei Bedrohung oder Gewalt hilft das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen rund um die Uhr unter 116 016.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Liebeskummer setzt auf Tiefenentspannung, Loslassen und neue Zuversicht. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Warum kommen Narzissten immer wieder zurück?
Häufige Gründe sind das Bedürfnis nach Bestätigung, gekränkter Stolz nach der Trennung, Langeweile oder das Ende einer neuen Beziehung. Der frühere Partner bleibt für sie oft eine Option.
Was bedeutet Hoovering?
Hoovering ist ein umgangssprachlicher Begriff dafür, dass ein manipulativer Ex-Partner versucht, den anderen zurückzuholen, oft mit Charme, Versprechen oder Mitleid. Ein wissenschaftlicher Fachbegriff ist es nicht.
Warum fällt es so schwer, nicht zurückzugehen?
Der Wechsel aus großer Zuwendung und Kälte kann eine besonders starke emotionale Bindung erzeugen. Deshalb fühlt sich die Rückkehr des Ex oft wie eine Erlösung an.
Kann sich ein Narzisst ändern?
Veränderung ist möglich, aber selten und braucht meist Therapie und lange Zeit. Echte Veränderung zeigt sich an übernommener Verantwortung und respektierten Grenzen, nicht an Worten.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Campbell, Foster & Finkel (2002): Does self-love lead to love for others? A story of narcissistic game playing, Journal of Personality and Social Psychology 83(2)
- Dutton & Painter (1993): Emotional attachments in abusive relationships: a test of traumatic bonding theory, Violence and Victims 8(2)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).