Warum hassen Narzissten dich, lassen aber nicht los?
Abwertung und Festhalten wirken widersprüchlich, folgen aber oft derselben Logik. Wichtiger als das Verhalten des anderen zu verstehen, ist es, die eigenen Grenzen zu schützen.
Die kurze Antwort
Abwertung und Festhalten wirken widersprüchlich, folgen aber oft derselben Logik: Es geht weniger um die andere Person als um Kontrolle und das eigene Selbstbild. Wer kritisiert, sich zurückzieht oder geht, kränkt dieses Selbstbild, darauf folgen Feindseligkeit und zugleich der Versuch, die Verbindung zu halten. Für die betroffene Person ist vor allem wichtig, die eigenen Grenzen zu schützen, statt das Verhalten des anderen entschlüsseln zu wollen.
Keine Ferndiagnose
„Narzisst“ ist im Alltag zum Sammelbegriff geworden. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung kann nur eine Fachperson feststellen. Für die eigene Lage ist das zweitrangig: Ob eine Diagnose vorliegt oder nicht, verletzendes Verhalten bleibt verletzend.
Warum Abwertung und Festhalten zusammengehören
Zwei Seiten von Narzissmus
Die Persönlichkeitsforschung unterscheidet zwei Seiten: das Streben nach Bewunderung und die Rivalität. Die erste macht Menschen anfangs charmant und anziehend. Die zweite schützt ein verletzliches Selbstbild, indem andere herabgesetzt werden. Studien zu Partnerschaften zeigen, dass vor allem die rivalisierende Seite mit Problemen in längeren Beziehungen verbunden ist. So kann dieselbe Person erst umwerben und später abwerten.
Kränkung statt Hass
Was sich wie Hass anfühlt, ist oft eine Antwort auf Kränkung. Kritik, eigene Wünsche oder Rückzug zeigen, dass die Bewunderung nachlässt. Das trifft das Selbstbild, und die Reaktion ist Abwertung.
Kontrolle behalten
Gleichzeitig ist jemand, der erreichbar bleibt, eine verlässliche Quelle für Aufmerksamkeit. Nachrichten nach Wochen der Funkstille, Schuldvorwürfe, plötzliche Freundlichkeit: All das hält die Verbindung offen. Warum manche nach der Trennung immer wieder zurückkommen, beschreibt eine eigene Seite.
Warum man selbst schwer loskommt
Der Wechsel aus Kälte und Zuwendung bindet. Jede freundliche Geste nach einer Phase der Abwertung wirkt wie Erleichterung und nährt die Hoffnung, dass es wieder wie am Anfang wird. Forschung zu belastenden Beziehungen zeigt, dass gerade dieser Wechsel eine besonders starke Bindung erzeugen kann. Das ist kein Zeichen von Schwäche.
Grenzen setzen
- Kontakt so weit verringern, wie es möglich ist, bei gemeinsamen Kindern auf sachliche, schriftliche Absprachen beschränken
- nicht rechtfertigen und nicht diskutieren, kurze, ruhige Antworten genügen
- Nachrichten nicht sofort beantworten, sondern mit Abstand
- vertraute Menschen einweihen, die die Lage von außen sehen
- Beleidigungen, Drohungen oder Nachstellungen dokumentieren
Wann Hilfe nötig ist
Bei Drohungen, Stalking oder Gewalt hilft die Polizei unter 110, Frauen erreichen das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr unter 116 016. In seelischen Krisen ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 da, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143. Eine Psychotherapie kann helfen, sich zu lösen und den Selbstwert wieder aufzubauen. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend unterstützen, ersetzen aber keine Behandlung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Liebeskummer unterstützt dabei, nach einer belastenden Beziehung zur Ruhe zu kommen und Abstand zu gewinnen, begleitend und nicht als Ersatz für Beratung oder Psychotherapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Warum meldet sich jemand, der mich abwertet, immer wieder?
Oft geht es um Kontrolle und Bestätigung, nicht um echte Versöhnung. Eine erreichbare Person liefert Aufmerksamkeit und das Gefühl, noch Einfluss zu haben. Ein Wechsel aus Abwertung und plötzlicher Freundlichkeit ist ein Grund, achtsam zu bleiben.
Ist das wirklich Hass?
Meist nicht im eigentlichen Sinn. Häufig steckt eine Kränkung dahinter, auf die mit Abwertung reagiert wird. Für die eigene Entscheidung ist das aber zweitrangig, denn verletzendes Verhalten muss niemand hinnehmen.
Hilft ein Kontaktabbruch?
Wo es möglich ist, schafft ein klarer Kontaktabbruch Abstand und Ruhe. Bei gemeinsamen Kindern oder beruflichen Verbindungen ist ein knapper, sachlicher Kontakt oft der realistischere Weg. Bei Drohungen sollte Unterstützung gesucht werden.
Warum komme ich selbst nicht los?
Der Wechsel aus Zuwendung und Kälte kann eine besonders starke emotionale Bindung erzeugen. Das ist eine verbreitete Erfahrung und kein persönliches Versagen. Abstand, vertraute Menschen und bei Bedarf Psychotherapie helfen beim Lösen.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Back et al. (2013): Narcissistic admiration and rivalry: disentangling the bright and dark sides of narcissism, Journal of Personality and Social Psychology 105(6)
- Wurst et al. (2017): Narcissism and romantic relationships: the differential impact of narcissistic admiration and rivalry, Journal of Personality and Social Psychology 112(2)
- Dutton & Painter (1993): Emotional attachments in abusive relationships: a test of traumatic bonding theory, Violence and Victims 8(2)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).