Warum tut Liebeskummer körperlich weh?
Ein gebrochenes Herz ist mehr als ein Bild. Hirnscans zeigen, dass Zurückweisung in denselben Regionen verarbeitet wird wie körperlicher Schmerz – und dass Liebeskummer dem Entzug ähnelt.
Ein Schmerz, der sich echt anfühlt
Ein Druck auf der Brust, ein Kloß im Hals, Übelkeit, kein Appetit, Schlaflosigkeit. Wer Liebeskummer hat, beschreibt ihn selten nur als traurig. Er tut weh – und zwar so, dass sich viele fragen, ob mit dem Körper etwas nicht stimmt.
Die Sprache hat das längst erfasst: ein gebrochenes Herz, verletzt sein, es zerreißt einen. Die Hirnforschung zeigt, dass diese Bilder mehr sind als Metaphern.
Das Gehirn unterscheidet weniger, als man denkt
In einer vielzitierten Studie untersuchten Naomi Eisenberger und Kollegen Menschen, die in einem Computerspiel sozial ausgeschlossen wurden. Dabei wurde der vordere Gyrus cinguli aktiv – eine Region, die auch an der Verarbeitung körperlicher Schmerzen beteiligt ist.
Ethan Kross und sein Team gingen einen Schritt weiter: Sie zeigten Menschen nach einer ungewollten Trennung Fotos des ehemaligen Partners. Aktiv wurden dabei auch Hirnareale, die für das körperliche Empfinden von Schmerz zuständig sind. Soziale Zurückweisung und körperlicher Schmerz teilen sich offenbar ein Stück weit dieselben Verarbeitungswege.
Entzug statt nur Trauer
Die Anthropologin Helen Fisher untersuchte Menschen, die kurz zuvor verlassen worden waren. Beim Anblick des Ex-Partners zeigte sich Aktivität im Belohnungssystem, in Regionen, die auch bei Verlangen und Sucht beteiligt sind. Das erklärt, warum Liebeskummer so zwanghaft sein kann: das ständige Nachsehen, ob eine Nachricht gekommen ist, das Grübeln, der Drang, Kontakt aufzunehmen.
Stresshormone im Dauerbetrieb
Eine Trennung ist für den Körper eine Stressreaktion. Cortisol und Adrenalin bleiben erhöht. Das erklärt vieles, was Betroffene spüren: Herzklopfen, flacher Schlaf, Magen-Darm-Beschwerden, Verspannungen in Brust und Schultern. Der Appetit sinkt, weil der Körper im Alarmzustand die Verdauung zurückfährt.
In seltenen Fällen kann extremer emotionaler Stress sogar das Herz direkt betreffen. Beim sogenannten Broken-Heart-Syndrom (Takotsubo-Syndrom) ist die Pumpfunktion des Herzmuskels vorübergehend geschwächt, die Beschwerden ähneln einem Herzinfarkt. Bei starken Brustschmerzen oder Atemnot deshalb sofort den Notruf 112 wählen.
Was den Schmerz lindert
Kontakt zu anderen
Wenn soziale Zurückweisung ähnlich wie Schmerz verarbeitet wird, wirkt sozialer Halt wie ein Gegenmittel. Freunde, Familie, Gespräche – auch wenn man sich lieber zurückziehen möchte.
Den Entzug nicht füttern
Alte Nachrichten lesen, Profile ansehen, Fotos durchgehen: All das hält das Belohnungssystem auf den Ex-Partner ausgerichtet. Abstand fällt anfangs schwer, verkürzt aber die Phase des Verlangens.
Den Körper beruhigen
Bewegung baut Stresshormone ab, feste Schlafzeiten stabilisieren. Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, die körperliche Alarmbereitschaft herunterzufahren.
Wenn der Kummer nach Wochen nicht leichter wird, Schlaf und Alltag dauerhaft leiden oder Gedanken an Selbstverletzung auftauchen, ist professionelle Hilfe wichtig. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. In der Schweiz hilft die Dargebotene Hand unter 143.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Liebeskummer unterstützt dabei, zur Ruhe zu kommen und den Blick wieder nach vorn zu richten – begleitend, nicht als Ersatz für Psychotherapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Liebeskummer → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).