Warum habe ich Aggressionen?
Wenn Kleinigkeiten zum Ausbruch führen und man sich hinterher selbst nicht versteht, steckt fast immer etwas anderes dahinter. Die häufigsten Ursachen lassen sich erkennen, und verändern.
Wut ist normal, Aggression ist ein Signal
Ärger gehört zu den Grundgefühlen. Er zeigt, dass eine Grenze verletzt oder ein Ziel blockiert wurde. Problematisch wird es, wenn die Wut häufiger, stärker oder schneller kommt als früher, wenn Kleinigkeiten zum Ausbruch führen und man sich hinterher selbst nicht versteht.
Dann lohnt sich die Frage nach dem Warum. Denn hinter anhaltender Aggression steckt fast immer etwas anderes.
Die häufigsten Ursachen
Blockierte Ziele und Überforderung
Die klassische Frustrations-Aggressions-Forschung, später von Leonard Berkowitz weiterentwickelt, zeigt: Aggression entsteht besonders dann, wenn Ziele blockiert werden und die Situation als unangenehm erlebt wird. Wer dauerhaft überlastet ist, erlebt viele solcher Blockaden am Tag, und der Geduldsfaden wird kürzer.
Zu wenig Schlaf
In einer Studie von Zlatan Krizan und Garrett Hisler reagierten Teilnehmende nach verkürztem Schlaf deutlich ärgerlicher auf unangenehme Reize. Schlafmangel schwächt die Fähigkeit, Gefühle zu regulieren.
Hunger
„Hangry“ ist mehr als ein Scherz. Forschende um Jennifer MacCormack fanden, dass Hunger vor allem dann in Ärger umschlägt, wenn die Situation ohnehin negativ ist und man den körperlichen Zustand nicht als Hunger erkennt.
Verdeckte Depression
Besonders bei Männern zeigt sich eine Depression nicht immer als Traurigkeit, sondern auch als Reizbarkeit, Wutausbrüche oder riskantes Verhalten. Eine große US-Studie fand, dass die Häufigkeit von Depressionen bei Männern und Frauen ähnlicher wird, wenn solche Symptome mitgezählt werden.
Körperliche Faktoren
Alkohol senkt die Hemmschwelle. Hormonelle Umstellungen, etwa in den Wechseljahren, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Schmerzen können die Reizbarkeit erhöhen. Wer eine deutliche Veränderung an sich bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen.
Gelernte Muster
Wer als Kind erlebt hat, dass Konflikte laut ausgetragen werden, greift unter Druck eher auf dieses Muster zurück. Das ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung, und ein Ansatzpunkt.
Was hilft
Die Vorzeichen erkennen
Wut kündigt sich im Körper an: Hitze, Anspannung im Kiefer, schneller Puls. Wer diese Zeichen früh bemerkt, gewinnt Zeit, bevor er reagiert.
Die Auszeit
Den Raum verlassen, mit dem Satz „Ich brauche zehn Minuten, dann reden wir weiter“. Das ist kein Rückzug, sondern verhindert, dass etwas gesagt oder getan wird, das sich nicht zurücknehmen lässt.
Die Grundlast senken
Ausreichend Schlaf, regelmäßiges Essen und Bewegung senken das Grundniveau der Anspannung. Entspannungsverfahren wie Hypnose können dabei helfen.
Professionelle Unterstützung
Kognitive Verhaltenstherapie ist bei Problemen mit Ärger und Aggression gut untersucht. Eine Meta-Analyse fand deutliche Verbesserungen gegenüber unbehandelten Vergleichsgruppen.
Wenn Aggression in Gewalt umschlägt oder jemand Angst vor Ihnen hat, ist professionelle Hilfe dringend. Beratungsstellen für gewaltfreies Handeln unterstützen Menschen, die ihr eigenes Verhalten ändern wollen. Betroffene von Gewalt erreichen das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr unter 116 016.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Aggressionen unterstützt dabei, innere Anspannung abzubauen und gelassener zu reagieren, begleitend, nicht als Ersatz für Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Aggressionen → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).