Warum haben Kinder Aggressionen?
Wenn das eigene Kind haut oder beißt, erschrecken viele Eltern. Meist ist das ein normaler Entwicklungsschritt, den Kinder mit Begleitung meistern. Manche brauchen mehr Unterstützung.
Aggression gehört zur Entwicklung
Hauen, beißen, treten: Was Eltern erschreckt, ist in den ersten Lebensjahren weit verbreitet. Studien zeigen, dass mit etwa 17 Monaten die große Mehrheit der Kinder gegenüber Geschwistern, Gleichaltrigen oder Erwachsenen körperlich aggressiv ist. Die meisten lernen bis zur Einschulung, andere Wege zu finden. Aggression ist also zunächst kein Zeichen einer Störung, sondern ein Verhalten, das Kinder erst regulieren lernen.
Warum Kinder aggressiv reagieren
Gefühle sind größer als die Worte
Kleine Kinder erleben Wut, Frust und Eifersucht mit voller Wucht, können sie aber noch nicht in Worte fassen. Der Körper handelt, bevor die Selbstkontrolle greift.
Frustration
Ein Nein, ein weggenommenes Spielzeug, ein Plan, der nicht klappt: Frust ist ein typischer Auslöser. Müde oder hungrige Kinder reagieren zudem oft schneller gereizt.
Emotionsregulation reift langsam
Impulse zu steuern, lernen Kinder über Jahre, vor allem durch Vorbilder: durch Erwachsene, die ruhig bleiben, Gefühle benennen und klare Grenzen setzen.
Belastungen
Streit in der Familie, ein neues Geschwisterkind, Überforderung in Kita oder Schule, aber auch Ängste können sich in Aggression zeigen. Auch Schwierigkeiten wie ADHS gehen häufiger mit aggressivem Verhalten einher und sollten dann fachlich abgeklärt werden.
Was Eltern helfen kann
- ruhig bleiben und klar stoppen: „Ich lasse nicht zu, dass du haust.“
- das Gefühl benennen: „Du bist wütend, weil du weiterspielen wolltest.“
- nach der Beruhigung Alternativen üben: „Stopp“ sagen, stampfen, Hilfe holen
- erwünschtes Verhalten bemerken und loben
Harte Strafen sind keine Lösung: Studien verbinden feindseliges, strafendes Erziehungsverhalten mit dauerhaft höherer Aggression bei Kindern. Wer selbst laut wird oder zuschlägt, zeigt dem Kind genau das Verhalten, das es ablegen soll. In Deutschland haben Kinder zudem ein gesetzlich verankertes Recht auf gewaltfreie Erziehung.
Wann Hilfe sinnvoll ist
Bei einer Minderheit bleibt aggressives Verhalten häufig und stabil. In einer kanadischen Langzeitstudie mit über 10.000 Kindern galt das für etwa jedes sechste Kind. Fachlicher Rat ist sinnvoll, wenn:
- die Aggression nach dem Kindergartenalter nicht abnimmt oder sogar zunimmt
- andere verletzt, Tiere gequält oder Dinge gezielt zerstört werden
- Kita oder Schule wiederholt Probleme melden
- die Familie sich im Dauerkonflikt erschöpft
Erste Anlaufstellen sind die Kinderarztpraxis und Erziehungsberatungsstellen, bei ausgeprägten Problemen die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die S3-Leitlinie zu Störungen des Sozialverhaltens empfiehlt für Eltern von Kindern zwischen drei und zwölf Jahren mit deutlich oppositionell-aggressivem Verhalten ein Elterntraining.
Anonyme Beratung bietet das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550, in der Schweiz der Elternnotruf rund um die Uhr unter 0848 35 45 55.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Aggressionen richtet sich an Jugendliche und Erwachsene, die ihre eigene Wut besser steuern möchten, etwa Eltern, die in Konflikten ruhiger bleiben wollen. Für Kinder ist es nicht gedacht, hier helfen Kinderarztpraxis, Erziehungsberatung oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Aggressionen → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).