Sind Erektionsprobleme mit 60 normal?
Häufig, ja. Hinzunehmen, nein. Erektionsprobleme haben mit 60 fast immer erkennbare Ursachen, sie können ein frühes Warnzeichen für das Herz sein, und viele lassen sich gut behandeln.
Häufig, aber kein Schicksal
Erektionsprobleme werden mit dem Alter häufiger. In der bekannten Massachusetts-Männerstudie berichtete gut die Hälfte der Männer zwischen 40 und 70 Jahren von Erektionsstörungen in irgendeinem Ausmaß, und der Anteil stieg mit jedem Lebensjahrzehnt. Mit 60 ist man also in großer Gesellschaft.
Häufig heißt aber nicht normal im Sinne von „hinzunehmen“. Erektionsprobleme haben in diesem Alter fast immer erkennbare Ursachen, und viele davon lassen sich behandeln.
Was mit 60 dahinterstecken kann
Die Blutgefäße
Eine Erektion ist vor allem ein Durchblutungsvorgang. Die Gefäße im Penis sind sehr fein und zeigen Veränderungen oft früher als die Herzkranzgefäße. Eine große Studie im Fachblatt JAMA fand bei Männern ab 55 mit Erektionsstörungen ein erhöhtes Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Ereignisse, in einer ähnlichen Größenordnung wie beim Rauchen. Erektionsprobleme können deshalb ein frühes Warnsignal sein.
Stoffwechsel und Blutdruck
Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Übergewicht gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren. Auch Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum schaden den Gefäßen.
Medikamente
Einige Blutdruckmittel, Antidepressiva und andere Medikamente können die Erektion beeinträchtigen. Wichtig: nicht eigenmächtig absetzen, sondern mit der Ärztin oder dem Arzt über Alternativen sprechen.
Hormone
Der Testosteronspiegel sinkt mit dem Alter langsam. Ein deutlicher Mangel kann die Lust und die Erektion beeinflussen und lässt sich über eine Blutuntersuchung feststellen.
Der Kopf
Nach einem einzigen misslungenen Versuch beginnen viele Männer, sich beim nächsten Mal selbst zu beobachten. Diese Versagensangst setzt Stresshormone frei, die eine Erektion zusätzlich erschweren. So wird aus einem körperlichen Anlass schnell ein Kreislauf, in dem die Psyche eine eigene Rolle spielt.
Was hilft
- ärztliche Abklärung: Hausarzt oder Urologe prüfen Herz, Gefäße, Blutzucker, Hormone und Medikamente.
- Lebensstil: Bewegung, Rauchstopp und weniger Alkohol verbessern die Gefäßgesundheit, und damit oft auch die Erektion.
- Beckenbodentraining: gezielte Übungen können die Erektion unterstützen.
- Medikamente: Wirkstoffe, die die Durchblutung fördern, helfen vielen Männern. Sie sind verschreibungspflichtig, weil Wechselwirkungen, etwa mit Herzmedikamenten, geprüft werden müssen.
- Druck herausnehmen: Gespräche mit der Partnerin oder dem Partner und das Ende der Selbstbeobachtung lösen den Kreislauf der Versagensangst.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, die Anspannung und Versagensangst zu verringern, ergänzend zur ärztlichen Abklärung, nicht als Ersatz.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Erektionsstörungen setzt an Anspannung und Versagensangst an, ergänzend zur ärztlichen Abklärung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).