Schwache Erektion: Was Sie selbst tun können und wann Sie zum Arzt sollten
Die Erektion wird nicht mehr richtig hart oder lässt mittendrin nach: Für viele Männer ist das beunruhigend und schwer anzusprechen. Wann eine schwache Erektion normal ist, was dahinterstecken kann und welche Schritte jetzt sinnvoll sind.
Schwache Erektion: Die kurze Antwort
Was Sie bei einer schwachen Erektion tun sollten, hängt davon ab, wie oft sie vorkommt: Gelegentlich ist eine schwache Erektion normal, etwa bei Müdigkeit oder Stress. Ist die Erektion über Monate bei den meisten Versuchen zu schwach, lassen Sie die Ursache ärztlich abklären, weil Gefäßprobleme, Diabetes oder Bluthochdruck dahinterstecken können, die auch Herz und Kreislauf betreffen. Selbst tun können Sie viel: sich mehr bewegen, bei Übergewicht abnehmen, mit dem Rauchen aufhören und den Leistungsdruck senken.
Was eine „schwache“ Erektion bedeutet
Gemeint ist meist, dass das Glied nicht ganz hart wird oder die Erektion während des Sex nachlässt. Fachleute sprechen von einer Erektionsstörung, wenn es anhaltend nicht gelingt, eine für befriedigenden Sex ausreichende Erektion zu bekommen und zu halten (Salonia und Kollegen, 2025). Das Diagnosehandbuch DSM-5 wird genauer: Die Probleme bestehen seit etwa sechs Monaten und treten bei fast allen Gelegenheiten auf, also in etwa 75 bis 100 Prozent der Fälle (American Psychiatric Association, 2013).
Wie häufig das ist
In einer großen Bevölkerungsstudie in den USA hatten 52 Prozent der Männer zwischen 40 und 70 Jahren leichte, mittlere oder vollständige Erektionsprobleme. Der Anteil mit vollständigen Problemen stieg zwischen 40 und 70 Jahren von 5 auf 15 Prozent (Feldman und Kollegen, 1994). Was sich mit dem Alter ändert, lesen Sie unter Erektionsprobleme mit 50: Ursachen, Abklärung und was hilft.
Körperliche und seelische Ursachen
Körperlich: Eine Erektion braucht gut durchblutete Gefäße, intakte Nerven und ausreichend Hormone. In der genannten Studie hingen Erektionsprobleme auch unabhängig vom Alter mit Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, den dazugehörigen Medikamenten und einem niedrigen HDL-Cholesterin zusammen. Rauchen ging bei Männern mit Herzerkrankung oder Bluthochdruck mit einer höheren Wahrscheinlichkeit vollständiger Erektionsprobleme einher (Feldman und Kollegen, 1994). Auch ein Testosteronmangel kann beteiligt sein.
Seelisch: Ärger und depressive Verstimmung hingen in derselben Studie ebenfalls mit Erektionsproblemen zusammen. Auch Leistungsdruck und Stress können eine Rolle spielen. Oft verstärken sich Körper und Kopf gegenseitig: Ein schwacher Moment führt zu Sorge, die Sorge zu Anspannung und die Anspannung zur nächsten schwachen Erektion. Wie Sie diesen Kreislauf durchbrechen, lesen Sie unter Erektionsprobleme durch die Psyche: Was hilft?
Ein mögliches Warnzeichen für Herz und Gefäße
Eine schwache Erektion kann früh auf Probleme mit den Gefäßen hinweisen, bevor das Herz Beschwerden macht. In einer Studie mit über 9.000 Männern ab 55 Jahren hatten Männer mit neu aufgetretenen Erektionsproblemen in den folgenden Jahren ein um etwa ein Viertel höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse, auch nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren. Das lag in einer ähnlichen Größenordnung wie das Risiko durch Rauchen oder Herzinfarkte in der Familie (Thompson und Kollegen, 2005). Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie bezeichnet Erektionsprobleme deshalb als mögliches Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Salonia und Kollegen, 2025).
Was beim Arzt passiert
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder eine urologische Praxis. Dort werden Sie nach Ihrer Gesundheit, Ihren Medikamenten und Ihrem Sexleben gefragt und körperlich untersucht. Die Leitlinie empfiehlt außerdem Laborwerte: Blutzucker und Blutfette, wenn sie im letzten Jahr nicht bestimmt wurden, und Testosteron aus einer Blutprobe am Morgen (Salonia und Kollegen, 2025).
Zur Behandlung rät die Leitlinie, Lebensstil und Risikofaktoren vor oder gleichzeitig mit jeder weiteren Behandlung anzugehen. Als erste medikamentöse Wahl gelten sogenannte PDE-5-Hemmer. Sie sind verschreibungspflichtig und gehören in ärztliche Hände, besonders wenn Sie Herz- oder Blutdruckmedikamente nehmen. Die Leitlinie empfiehlt außerdem, körperliche und psychosexuelle Behandlung zu verbinden und die Partnerin oder den Partner, wo sinnvoll, einzubeziehen (Salonia und Kollegen, 2025).
Was Sie selbst tun können
Was den Gefäßen guttut, kann auch der Erektion helfen: regelmäßige Ausdauerbewegung, Abnehmen bei Übergewicht, ein Rauchstopp und Beckenbodentraining. Was Studien dazu zeigen und wie viel Bewegung nötig ist, lesen Sie unter Potenz steigern: Was wirklich hilft? Wie die Übungen für den Beckenboden gehen, erklärt Beckenbodentraining für Männer: Hilft es bei Erektionsproblemen?
Genauso wichtig ist das Gespräch. Viele Männer ziehen sich zurück und vermeiden Nähe, aus Angst, wieder zu versagen. Sagen Sie Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner offen, was los ist. Das nimmt Druck, und Zärtlichkeit ohne das Ziel Geschlechtsverkehr kann wieder Sicherheit geben.
Wenn Sie Brustschmerzen, Druck in der Brust oder Atemnot haben, besonders bei Anstrengung oder beim Sex, rufen Sie sofort den Notruf 112.
Wo ein Audio-Programm ergänzen kann
Viele Männer kennen den Kreislauf aus einem schlechten Erlebnis, Erwartungsangst und neuem Druck. Eine regelmäßige Übung kann helfen, ruhiger in intime Situationen zu gehen und den Leistungsdruck zu verringern. Das Audio-Hypnose-Programm bei Erektionsstörungen läuft online im Browser, ist als Begleitung gedacht und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Was Studien zur Hypnose bei Erektionsproblemen sagen, lesen Sie unter Hilft Hypnose bei Erektionsstörungen?
Aus einer schwachen Erektion wird schnell ein Kreislauf aus Sorge und Druck. Das Audio-Hypnose-Programm bei Erektionsstörungen kann Sie dabei begleiten, ruhiger in intime Situationen zu gehen und den Leistungsdruck zu verringern. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Einzeln oder im Jahresabo, online im Browser.
Häufige Fragen
Was tun bei schwacher Erektion?
Gelegentlich ist eine schwache Erektion normal. Hält sie über Monate bei den meisten Versuchen an, lassen Sie die Ursache in der Hausarzt- oder Urologiepraxis abklären, denn Gefäßprobleme, Diabetes oder Bluthochdruck können dahinterstecken. Selbst helfen können Bewegung, Abnehmen bei Übergewicht, ein Rauchstopp, Beckenbodentraining und ein offenes Gespräch mit der Partnerin oder dem Partner.
Ist eine schwache Erektion normal?
Gelegentlich ja, etwa bei Müdigkeit oder Stress. Von einer Erektionsstörung sprechen Fachleute erst, wenn die Probleme anhalten. Das Diagnosehandbuch DSM-5 nennt etwa sechs Monate und fast alle Gelegenheiten, also etwa 75 bis 100 Prozent.
Kann eine schwache Erektion ein Warnzeichen sein?
Ja. Erektionsprobleme können früh auf Gefäßprobleme hinweisen. In einer großen Studie hatten Männer ab 55 Jahren mit neu aufgetretenen Erektionsproblemen danach ein um etwa ein Viertel höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse. Lassen Sie anhaltende Probleme deshalb ärztlich abklären.
Welcher Arzt hilft bei schwacher Erektion?
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder eine urologische Praxis. Dort geht es um Vorgeschichte, Medikamente und eine körperliche Untersuchung, dazu empfiehlt die europäische Urologie-Leitlinie Blutzucker, Blutfette und Testosteron aus einer Morgenprobe. Medikamente wie PDE-5-Hemmer sind verschreibungspflichtig.
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Quellen (Auswahl)
- Salonia, Boeri, Capogrosso, Corona, Dinkelman-Smith et al. (2025): EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Pocket Guidelines (Limited text update March 2025), European Association of Urology Quelle lesen →
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition (DSM-5), Erectile Disorder, American Psychiatric Publishing Quelle lesen →
- Feldman, Goldstein, Hatzichristou, Krane & McKinlay (1994): Impotence and its medical and psychosocial correlates: results of the Massachusetts Male Aging Study, Journal of Urology 151(1), 54-61 Quelle lesen →
- Thompson, Tangen, Goodman, Probstfield, Moinpour & Coltman (2005): Erectile dysfunction and subsequent cardiovascular disease, JAMA 294(23), 2996-3002 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wenden Sie sich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).