Konzentrationsprobleme im Homeoffice: Was hilft?
Konzentrationsprobleme im Homeoffice liegen selten an fehlender Disziplin. Meist sind es Unterbrechungen und fehlende Struktur, und beides lässt sich gezielt verändern.
Die kurze Antwort
Im Homeoffice fehlt vieles, was im Büro den Tag ordnet: feste Zeiten, ein Ort nur für die Arbeit, der Austausch mit dem Team. Dafür kommen neue Störungen hinzu, vom Haushalt bis zu ständigen Chatnachrichten. Das Problem liegt also meist nicht an der eigenen Konzentrationsfähigkeit, sondern an Unterbrechungen und fehlender Struktur. Beides lässt sich verändern.
Warum Unterbrechungen so viel kosten
Die Arbeitsforscherin Sophie Leroy untersuchte, was passiert, wenn man von einer Aufgabe zur nächsten wechselt. Ein Teil der Aufmerksamkeit bleibt bei der vorherigen Aufgabe hängen. Leroy nannte das „Aufmerksamkeitsrest“. Besonders deutlich war er, wenn die erste Aufgabe noch nicht abgeschlossen war, und die Leistung bei der neuen Aufgabe litt darunter.
Eine Studie um die Informatikerin Gloria Mark zeigte eine weitere Seite: Wer unterbrochen wurde, arbeitete zwar schneller, empfand aber mehr Stress, Zeitdruck und Frustration. Die Qualität der Arbeit blieb gleich, den Preis zahlten die Beschäftigten mit ihrer Belastung.
Was das Homeoffice zusätzlich erschwert
Eine italienische Studie mit gut 200 Beschäftigten aus der Zeit der Corona-Pandemie fand zwei besonders belastende Faktoren: Konflikte zwischen Familie und Arbeit sowie das Gefühl sozialer Isolation. Beide gingen mit geringerer Produktivität und mehr Stress einher. Ein ablenkendes Umfeld zu Hause minderte vor allem das Engagement bei der Arbeit. Hilfreich waren dagegen Freiraum bei der Arbeitsgestaltung und die Fähigkeit, sich selbst zu steuern.
Was konkret hilft
Feste Blöcke für konzentrierte Arbeit
Anspruchsvolle Aufgaben in feste Zeitfenster legen, in denen Chat, Mail und Telefon stumm sind. Nachrichten danach gesammelt beantworten. Viele Programme erlauben, Benachrichtigungen für eine Weile zu pausieren.
Vor dem Wechsel kurz notieren
Lässt sich eine Unterbrechung nicht vermeiden, hilft eine kurze Notiz: Wo stehe ich, was ist der nächste Schritt? Die offene Aufgabe muss dann nicht im Kopf gehalten werden.
Ein eigener Arbeitsplatz
Auch eine kleine Ecke, die nur zum Arbeiten dient, erleichtert das Umschalten. Der Esstisch mit dem Wäschekorb daneben lädt zu Unterbrechungen ein.
Absprachen im Haushalt
Mit Partner oder Familie klären, wann man nicht gestört werden möchte, etwa durch ein Zeichen an der Tür.
Kontakt bewusst einplanen
Kurze Abstimmungen oder eine virtuelle Kaffeepause wirken der Isolation entgegen. Das ist mehr als Geselligkeit: In der italienischen Studie hing Isolation von allen untersuchten Faktoren am stärksten mit Stress zusammen.
Wann mehr dahintersteckt
Halten Konzentrationsprobleme auch an freien Tagen an oder kommen Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Schlafstörungen hinzu, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, die innere Unruhe zu senken, die das Fokussieren erschwert.
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Warum kann ich mich zu Hause schlechter konzentrieren als im Büro?
Zu Hause fehlen oft feste Zeiten und ein klar abgegrenzter Arbeitsplatz, dafür kommen Haushalt, Familie und digitale Nachrichten als Störquellen hinzu. Jede Unterbrechung kostet Aufmerksamkeit, die nicht sofort zurückkehrt.
Was ist Aufmerksamkeitsrest?
Der Begriff stammt von der Forscherin Sophie Leroy. Er beschreibt, dass nach einem Aufgabenwechsel ein Teil der Gedanken bei der vorherigen Aufgabe bleibt, besonders wenn sie unerledigt ist. Die Leistung bei der neuen Aufgabe sinkt dadurch.
Hilft Multitasking, im Homeoffice mehr zu schaffen?
Meist nicht. Ständige Wechsel zwischen Aufgaben und Nachrichten erhöhen den Aufmerksamkeitsrest. Studien zeigen zudem, dass Unterbrochene mehr Stress und Zeitdruck empfinden, auch wenn sie schneller arbeiten.
Wann sollten Konzentrationsprobleme ärztlich abgeklärt werden?
Wenn sie über Wochen anhalten, auch in der Freizeit auftreten oder mit Erschöpfung, Schlafstörungen oder gedrückter Stimmung einhergehen. Dahinter können etwa Schlafmangel, eine Depression oder körperliche Ursachen stecken.
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Quellen (Auswahl)
- Leroy (2009): Why is it so hard to do my work? The challenge of attention residue when switching between work tasks, Organizational Behavior and Human Decision Processes 109(2)
- Mark, Gudith & Klocke (2008): The cost of interrupted work: more speed and stress, Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI 2008)
- Galanti et al. (2021): Work from home during the COVID-19 outbreak: the impact on employees’ remote work productivity, engagement, and stress, Journal of Occupational and Environmental Medicine 63(7)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).