Mobbing am Arbeitsplatz: Was Sie jetzt tun können
Jeden Morgen dieses Ziehen im Magen. Was Mobbing von normalen Konflikten unterscheidet und welche Schritte Ihnen jetzt Halt geben.
Die kurze Antwort
Wenn Sie am Arbeitsplatz über Wochen gezielt ausgegrenzt, abgewertet oder schikaniert werden, sind drei Schritte am wichtigsten: alles genau dokumentieren, sich Verbündete und Unterstützung holen und Ihre Gesundheit schützen. Mobbing ist kein normaler Konflikt, den man einfach aushalten muss. Und es ist nicht Ihre Schuld. Der Arbeitspsychologe Heinz Leymann, der den Begriff geprägt hat, beschrieb Mobbing als feindselige Handlungen, die systematisch und über längere Zeit gegen eine Person gerichtet sind.
Viele Betroffene zweifeln irgendwann an sich selbst: Bin ich zu empfindlich? Bilde ich mir das nur ein? Genau diese Unsicherheit macht Mobbing so zermürbend. Ihre Wahrnehmung verdient es, ernst genommen zu werden.
Woran Sie Mobbing erkennen
Ein einzelner Streit oder ein schlechter Tag mit der Chefin ist noch kein Mobbing. Typisch ist ein Muster, das sich wiederholt:
- Informationen werden vorenthalten, Sie werden zu Besprechungen nicht mehr eingeladen.
- Gerüchte, Spott oder abwertende Bemerkungen, oft vor anderen.
- Ihre Arbeit wird ständig kritisiert, sinnlose oder unlösbare Aufgaben häufen sich.
- Gespräche verstummen, sobald Sie den Raum betreten.
Was Sie jetzt tun können
1. Ein Mobbing-Tagebuch führen
Notieren Sie jeden Vorfall mit Datum, Uhrzeit, Ort, beteiligten Personen, Zeugen und dem genauen Wortlaut. Bewahren Sie E-Mails und Nachrichten auf. Diese Aufzeichnungen sind später für Gespräche, für den Betriebsrat und gegebenenfalls für rechtliche Schritte entscheidend.
2. Unterstützung im Betrieb suchen
Nach dem Betriebsverfassungsgesetz haben Sie das Recht, sich bei der zuständigen Stelle im Betrieb zu beschweren und dabei ein Mitglied des Betriebsrats hinzuzuziehen. Auch der Betriebsrat selbst kann Ihre Beschwerde entgegennehmen. Je nach Betrieb gibt es außerdem Vertrauenspersonen oder einen betriebsärztlichen Dienst.
3. Nicht allein bleiben
Sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen. Eine Gewerkschaft oder eine Fachanwältin für Arbeitsrecht kann Sie beraten, welche Schritte in Ihrer Lage sinnvoll sind.
4. Ihre Gesundheit schützen
Eine Metaanalyse von Morten Birkeland Nielsen und Ståle Einarsen zeigte, dass Mobbing mit späteren psychischen Beschwerden zusammenhängt. Nehmen Sie Schlafstörungen, Grübeln, Magenschmerzen oder Angst vor dem Weg zur Arbeit ernst und sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin. Eine Krankschreibung ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern manchmal der nötige Abstand.
5. Grenzen setzen, wo es sicher ist
Manchmal hilft es, einer Person ruhig und sachlich zu sagen, welches Verhalten Sie nicht mehr hinnehmen, am besten im Beisein einer Zeugin. Wenn Ihnen das zu riskant erscheint, ist das völlig in Ordnung. Ihr Schutz geht vor. Und ein Wechsel der Abteilung oder des Arbeitgebers ist keine Niederlage, sondern kann eine Entscheidung für Ihre Gesundheit sein.
Wenn es zu viel wird
Wenn Sie sich hoffnungslos fühlen oder an Suizid denken, erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111. Frühe Warnzeichen einer Überlastung beschreibt der Ratgeber Was sind die ersten Anzeichen von Burnout? Begleitend kann Audio-Hypnose helfen, innerlich wieder Halt zu finden, als Ergänzung zu konkreten Schritten, nicht als Ersatz.
Das Audio-Hypnose-Programm Mut zum Widerstand unterstützt Sie dabei, innere Stärke aufzubauen, Grenzen klarer zu vertreten und nach belastenden Tagen zur Ruhe zu kommen. Es ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder rechtliche Beratung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Was tun bei Mobbing am Arbeitsplatz?
Jeden Vorfall mit Datum, Zeugen und Wortlaut dokumentieren, Unterstützung beim Betriebsrat oder einer Vertrauensperson suchen und die eigene Gesundheit ernst nehmen. Rechtlichen Rat geben Gewerkschaften oder Fachanwälte für Arbeitsrecht.
Woran erkenne ich, dass es Mobbing ist?
Typisch sind wiederholte und gezielte Angriffe über längere Zeit: Ausgrenzung, Gerüchte, Spott, ständige Kritik oder sinnlose Aufgaben. Ein einzelner Konflikt ist noch kein Mobbing.
Kann der Betriebsrat bei Mobbing helfen?
Ja. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz können Sie sich im Betrieb beschweren und ein Betriebsratsmitglied hinzuziehen. Der Betriebsrat kann Ihre Beschwerde auch selbst entgegennehmen.
Kann Mobbing krank machen?
Eine Metaanalyse zeigte, dass Mobbing mit späteren psychischen Beschwerden zusammenhängt. Schlafstörungen, Grübeln oder körperliche Beschwerden sollten ärztlich ernst genommen werden.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Leymann (1990): Mobbing and psychological terror at workplaces, Violence and Victims 5(2)
- Nielsen & Einarsen (2012): Outcomes of exposure to workplace bullying: a meta-analytic review, Work & Stress 26(4)
- BetrVG: Betriebsverfassungsgesetz, § 84 und § 85: Beschwerderecht der Arbeitnehmer
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).