Gewichtszunahme: Wechseljahre oder Schilddrüse?
Die Beschwerden überschneiden sich, und beides kann gleichzeitig vorliegen. Ein einfacher Bluttest bringt Klarheit, die Gewohnheiten bleiben trotzdem ein eigenes Thema.
Die kurze Antwort
Beides ist möglich, und beides kann gleichzeitig vorliegen. Wechseljahre und eine Schilddrüsenunterfunktion machen sich mit ähnlichen Beschwerden bemerkbar: Müdigkeit, wenig Antrieb, trockene Haut und mehr Gewicht. Sicherheit bringt nur ein Bluttest. Der TSH-Wert ist dafür der erste Schritt und in jeder Hausarztpraxis möglich.
Warum die Verwechslung so leicht passiert
Laut einer Übersicht in The Lancet gehören Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung, eine veränderte Stimme und trockene Haut zu den häufigsten Beschwerden einer Unterfunktion. Einige davon erleben Frauen auch in den Wechseljahren. Wer um die 50 müde ist und zunimmt, schreibt das schnell den Hormonen zu, und eine Schilddrüsenstörung bleibt unentdeckt. Umgekehrt geht längst nicht jede Müdigkeit in diesem Alter auf die Schilddrüse zurück.
Hinweise, die eher auf die Schilddrüse deuten
- ständiges Frieren, auch wenn andere es warm finden
- neu aufgetretene Verstopfung
- eine heisere oder veränderte Stimme
- auffällige Trägheit, die sich durch Schlaf nicht bessert
Hinweise, die eher zu den Wechseljahren passen
- Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen
- unregelmäßige oder ausbleibende Regelblutungen
- Fett, das sich sichtbar an den Bauch verlagert
Eindeutig ist keine dieser Listen. Sie helfen vor allem dabei, das Gespräch in der Praxis vorzubereiten.
Wie die Abklärung abläuft
Zuerst wird der TSH-Wert bestimmt. Ist er erhöht, sieht die hausärztliche DEGAM-Leitlinie vor, ihn zu kontrollieren und zusätzlich das freie T4 zu messen, bevor über eine Behandlung entschieden wird. Ein einzelner, leicht erhöhter Wert ist noch keine Diagnose.
Sinnvoll ist, zum Termin eine kurze Notiz mitzubringen: seit wann die Beschwerden bestehen, wie sich Gewicht und Zyklus verändert haben und welche Medikamente eingenommen werden. Auch Schilddrüsenerkrankungen in der Familie sind ein wichtiger Hinweis.
Die Wechseljahre werden vor allem anhand von Alter, Blutungsmuster und Beschwerden erkannt. Bleibt die Regel bei Frauen über 45 zwölf Monate aus, ist die Postmenopause nach der S3-Leitlinie wahrscheinlich. Hormonwerte können in unklaren Fällen ergänzend helfen.
Und wenn es die Schilddrüse ist?
Eine Unterfunktion wird in der Regel mit dem Schilddrüsenhormon Levothyroxin behandelt. Die Kilos verschwinden dadurch nicht automatisch, denn Muskelschwund, Bewegungsmangel und Wechseljahre wirken weiter. Die Lancet-Übersicht beschreibt außerdem, dass ein Teil der Behandelten trotz guter Laborwerte weiter Beschwerden hat.
Was unabhängig von der Ursache hilft
Krafttraining, Eiweiß zu jeder Mahlzeit, ausreichend Schlaf und ein ehrlicher Blick auf die eigenen Essgewohnheiten. Ein Ess- und Bewegungstagebuch über zwei Wochen zeigt oft mehr als jeder gute Vorsatz. Hypnose kann begleitend unterstützen, Gewohnheiten wie Naschen aus Erschöpfung zu verändern. Eine ärztliche Abklärung oder Schilddrüsenbehandlung ersetzt sie nicht.
Das Audio-Hypnose-Programm Abnehmen 50 plus setzt an eingeübten Essgewohnheiten an und ersetzt keine Schilddrüsen- oder Wechseljahresdiagnostik. Es begleitet Bewegung und ärztliche Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Kann eine Schilddrüsenunterfunktion in den Wechseljahren beginnen?
Eine Unterfunktion kann in jedem Lebensalter auftreten, also auch in den Wechseljahren. Weil sich die Beschwerden ähneln, lohnt bei anhaltender Müdigkeit und Gewichtszunahme ein TSH-Test.
Wie viel Gewicht macht eine Schilddrüsenunterfunktion?
Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Gewichtszunahme gehört zu den typischen Beschwerden, doch in dieser Lebensphase wirken meist zusätzlich Alter, Bewegungsmangel und Wechseljahre mit.
Welche Praxis ist die richtige Anlaufstelle?
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, die den TSH-Wert bestimmen kann. Für Wechseljahresbeschwerden ist die gynäkologische Praxis zuständig, bei auffälligen Schilddrüsenbefunden gegebenenfalls eine endokrinologische.
Nimmt man mit Schilddrüsentabletten wieder ab?
Nicht automatisch. Die Behandlung gleicht den Hormonmangel aus, Bewegung, Muskelmasse und Essgewohnheiten bleiben aber eigene Baustellen.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Chaker et al. (2017): Hypothyroidism, The Lancet 390(10101)
- DEGAM: S2k-Leitlinie Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, AWMF 053-046
- DGGG u.a.: S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, Diagnostik und Interventionen, AWMF 015-062
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).