Warum nehme ich ab 50 zu, obwohl ich nicht mehr esse?
Meist ist es nicht der Stoffwechsel, sondern die Summe kleiner Verschiebungen. Dazu kommen Ursachen, die oft übersehen werden, von Medikamenten bis zur Schilddrüse.
Die kurze Antwort
Wer ab 50 zunimmt, obwohl sich scheinbar nichts geändert hat, erlebt meist die Summe kleiner Verschiebungen: etwas weniger Muskeln, weniger Bewegung im Alltag, unruhigerer Schlaf, bei Frauen die Wechseljahre. Dazu kommen Ursachen, die oft übersehen werden, etwa Medikamente oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Ein „eingeschlafener Stoffwechsel“ ist dagegen selten die Erklärung.
Der Stoffwechsel ist nicht der Hauptgrund
Eine große Auswertung um Herman Pontzer in der Fachzeitschrift Science fand, dass der Energieverbrauch zwischen 20 und 60 Jahren, bezogen auf die Körperzusammensetzung, weitgehend stabil bleibt. Was sich ändert, ist vor allem das, was rund um den Stoffwechsel passiert. Ausführlich erklärt das der Ratgeber zum Abnehmen ab 40.
Die leisen Ursachen ab 50
Weniger Bewegung, ohne es zu merken
Knie oder Rücken melden sich, die Kinder brauchen keine Fahrdienste mehr, viele kleine Wege fallen weg. Das Essen bleibt gleich, der Verbrauch sinkt.
Schwindende Muskeln
Ohne Training nimmt die Muskelmasse mit den Jahren ab. Muskeln verbrauchen Energie und helfen, den Blutzucker stabil zu halten.
Hormone
Bei Frauen verlagert sich Fett rund um die Wechseljahre eher an den Bauch. Bei Männern sinkt das Testosteron langsam, was den Muskelabbau begünstigen kann.
Schlaf und Belastung
Nächtliches Aufwachen, Schnarchen, Sorgen um Eltern oder Beruf: Wer müde ist, isst häufiger zwischendurch und bewegt sich weniger.
Alte Gewohnheiten
Das Glas Wein am Abend, die Süßigkeit nach dem Essen: Gewohnheiten, die mit 35 kaum ins Gewicht fielen, summieren sich, wenn der Verbrauch gleichzeitig leicht sinkt. Oft wird zudem eher aus Müdigkeit oder als Belohnung gegessen als aus Hunger.
Medikamente als unterschätzte Ursache
Ab 50 nehmen viele Menschen dauerhaft Medikamente ein. Eine Übersichtsarbeit von Juan Pablo Domecq und Kollegen mit 257 Studien fand für mehrere häufige Wirkstoffe eine Gewichtszunahme, darunter die Antidepressiva Amitriptylin und Mirtazapin, einige Diabetesmittel und das Nervenschmerzmittel Gabapentin. Wer seit dem Beginn einer neuen Behandlung zunimmt, sollte das ärztlich ansprechen. Medikamente nie eigenmächtig absetzen.
Die Schilddrüse prüfen lassen
Eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine häufige Erkrankung. Laut einer Übersicht in The Lancet gehören Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, trockene Haut und Gewichtszunahme zu den typischen Beschwerden. Ein einfacher Bluttest auf den TSH-Wert bringt Klarheit.
Was jetzt hilft
- Alltagsbewegung bewusst zurückholen: Treppe, Fahrrad, ein kurzer Gang nach dem Essen
- Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche
- Gewohnheiten beobachten: Wann wird gegessen, ohne hungrig zu sein?
- Schlaf ernst nehmen und lautes Schnarchen mit Atemaussetzern abklären lassen
Hypnose kann begleitend unterstützen, eingeschliffene Gewohnheiten wie das Naschen am Abend bewusster zu verändern. Ein bestimmter Gewichtsverlust lässt sich damit nicht versprechen.
Das Audio-Hypnose-Programm Abnehmen 50 plus setzt an jahrzehntelang eingeübten Gewohnheiten an, begleitend zu Bewegung und ärztlicher Abklärung möglicher Ursachen wie der Schilddrüse. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Ist es normal, ab 50 zuzunehmen?
Eine Zunahme ist in diesem Alter häufig, zwangsläufig ist sie nicht. Meist wirken mehrere kleine Veränderungen zusammen, die sich zu einem guten Teil beeinflussen lassen.
Welche Medikamente können zu Gewichtszunahme führen?
In einer großen Übersichtsarbeit zeigte sich unter anderem bei einigen Antidepressiva, bestimmten Diabetesmitteln und Gabapentin eine Gewichtszunahme. Ob ein Wechsel infrage kommt, gehört in die ärztliche Sprechstunde.
Wann ist eine Gewichtszunahme ein Fall für die Arztpraxis?
Wenn das Gewicht ohne erkennbaren Grund deutlich steigt, zusammen mit Müdigkeit, Frieren oder Schwellungen, oder kurz nach dem Beginn eines neuen Medikaments. Auch starkes Schnarchen mit Atemaussetzern ist ein Grund für eine Abklärung.
Hilft weniger essen ab 50 überhaupt noch?
Ja, eine maßvolle Reduktion wirkt auch in diesem Alter. Wichtig ist, genug Eiweiß zu essen und Krafttraining einzubauen, damit beim Abnehmen nicht vor allem Muskeln verloren gehen.
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Quellen (Auswahl)
- Pontzer et al. (2021): Daily energy expenditure through the human life course, Science 373(6556)
- Domecq et al. (2015): Drugs commonly associated with weight change: a systematic review and meta-analysis, The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 100(2)
- Chaker et al. (2017): Hypothyroidism, The Lancet 390(10101)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).