Depressiver Partner zieht mich runter: Wie schütze ich mich?
Sie wollen helfen und werden selbst immer müder. Warum sich depressive Stimmung überträgt und wie Sie stabil bleiben, ohne die Beziehung aufzugeben.
Die kurze Antwort
Dass ein depressiver Partner einen mit herunterzieht, ist kein Einbilden. Studien zeigen, dass sich depressive Stimmung in engen Beziehungen übertragen kann, eine Übersichtsarbeit von Thomas Joiner und David Katz spricht von einer Ansteckung depressiver Symptome. Partner tragen dazu oft die Last des Alltags allein. Das bedeutet nicht, dass Sie gehen müssen. Es bedeutet, dass Sie Ihre eigene Stabilität aktiv schützen müssen, damit Sie nicht selbst krank werden.
Warum es Sie so mitnimmt
Stimmung überträgt sich
Wer eng zusammenlebt, gleicht sich emotional an. Dauernde Hoffnungslosigkeit, Gereiztheit und Rückzug färben auf den Partner ab.
Alles bleibt an Ihnen hängen
Haushalt, Kinder, Finanzen, soziale Kontakte: Was der depressive Partner nicht mehr schafft, übernehmen Sie. Erschöpfung ist die Folge.
Ohnmacht
Sie versuchen zu helfen, aber nichts scheint zu wirken. Dieses Gefühl ist eine der größten Belastungen für Angehörige.
Eigene Bedürfnisse verschwinden
Nähe, Gespräche, Freude: Vieles fehlt, und Sie stellen Ihre Wünsche zurück, oft mit schlechtem Gewissen, wenn Sie doch einmal an sich denken.
Wie Sie sich schützen, ohne zu gehen
- Verantwortung trennen: Sie können unterstützen, aber Sie können die Depression nicht heilen. Die Behandlung ist Aufgabe von Fachleuten.
- Eigene Inseln behalten: Freunde, Sport, Hobbys und Zeit allein sind kein Verrat, sondern Voraussetzung, um durchzuhalten.
- Aufgaben verteilen: Familie, Freunde oder Haushaltshilfe einbeziehen, statt alles selbst zu tragen.
- Ehrlich sprechen: In ruhigen Momenten sagen, wie es Ihnen geht, ohne Vorwurf. „Ich mache mir Sorgen und bin erschöpft.“
- Eigene Hilfe holen: Angehörigengruppen, Beratungsstellen oder eine eigene Psychotherapie entlasten. Viele Praxen bieten auch Angehörigengespräche an.
Warnzeichen bei Ihnen selbst
Wenn Sie schlecht schlafen, sich dauerhaft erschöpft fühlen, keine Freude mehr spüren oder sich zurückziehen, sind das Zeichen, dass Sie selbst Unterstützung brauchen. Im Deutschland-Barometer Depression gaben viele Betroffene an, dass ihre Partnerschaft unter der Erkrankung gelitten hat. Für Partner ist es keine Schwäche, Hilfe zu suchen, sondern Fürsorge, auch für die Beziehung. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Depressiver Partner zieht sich zurück.
Bei Suizidgedanken, bei Ihnen oder Ihrem Partner, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143. Im Notfall 112.
Das Audio-Hypnose-Programm Selbstachtsamkeit hilft Angehörigen, zur Ruhe zu kommen, eigene Grenzen zu spüren und neue Kraft zu sammeln. Es ersetzt keine Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Kann ein depressiver Partner einen runterziehen?
Ja. Studien zeigen, dass sich depressive Stimmung in engen Beziehungen übertragen kann. Dazu kommt die Last, vieles allein zu tragen. Partner sollten ihre eigene Stabilität deshalb aktiv schützen.
Wie schütze ich mich, wenn mein Partner depressiv ist?
Verantwortung für die Behandlung bei Fachleuten lassen, eigene Freiräume behalten, Aufgaben verteilen, ehrlich über die eigene Belastung sprechen und sich selbst Unterstützung holen.
Ist es egoistisch, an mich zu denken, wenn mein Partner depressiv ist?
Nein. Wer selbst ausbrennt, kann nicht mehr unterstützen. Eigene Erholung ist eine Voraussetzung dafür, die schwere Zeit gemeinsam durchzustehen.
Wann sollte ich als Partner selbst Hilfe suchen?
Wenn Sie dauerhaft erschöpft sind, schlecht schlafen, keine Freude mehr spüren oder sich zurückziehen. Angehörigengruppen, Beratungsstellen und Psychotherapie bieten Unterstützung.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Joiner & Katz (1999): Contagion of depressive symptoms and mood: meta-analytic review and explanations from cognitive, behavioral, and interpersonal viewpoints, Clinical Psychology: Science and Practice 6(2)
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe (2018): Deutschland-Barometer Depression: Depression in der Partnerschaft
- BÄK, KBV, AWMF: Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.2
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).