Bin ich Borderliner? Anzeichen ehrlich prüfen
Die Frage ist ein guter Anfang, beantworten lässt sie sich aber nur gemeinsam mit einer Fachperson. Hier steht, worauf es bei der Einordnung ankommt und wie der Weg zur Diagnostik aussieht.
Die kurze Antwort
Ob eine Borderline-Persönlichkeitsstörung vorliegt, lässt sich nicht online und nicht mit einem Selbsttest klären, sondern nur in einem ausführlichen Gespräch mit einer Fachperson. Selbst prüfen lässt sich, ob bestimmte Muster seit Jahren bestehen, in vielen Lebensbereichen auftreten und deutlich belasten. Einzelne Anzeichen sind sehr verbreitet und machen noch keine Diagnose.
Die neun Kriterien in Alltagssprache
Das Diagnosehandbuch DSM-5 beschreibt neun Merkmale. Für eine Diagnose müssen mindestens fünf davon zutreffen, und zwar seit dem frühen Erwachsenenalter und in ganz unterschiedlichen Situationen.
- Große Angst, verlassen zu werden, und verzweifelte Versuche, das zu verhindern.
- Intensive, instabile Beziehungen, in denen andere mal idealisiert, mal abgewertet werden.
- Ein unsicheres, stark schwankendes Bild davon, wer man ist.
- Impulsives Verhalten, das schaden kann, etwa beim Geldausgeben, Essen, Fahren, bei Sex oder Substanzen.
- Wiederholte Selbstverletzung, Suizidgedanken oder Suizidversuche.
- Stimmungen, die innerhalb von Stunden heftig umschlagen.
- Ein chronisches Gefühl innerer Leere.
- Heftige, schwer zu steuernde Wut.
- Unter Stress kurzzeitig misstrauische Gedanken oder das Gefühl, neben sich zu stehen.
Warum ein Selbsttest nicht reicht
Viele dieser Erfahrungen kennen Menschen aus Krisen, nach Trennungen oder aus der Jugend. Ähnliche Bilder entstehen auch bei Depression, bipolarer Störung, ADHS oder nach Traumatisierung, und manches tritt gemeinsam auf. Kurze Fragebögen wie das McLean-Screening mit zehn Fragen werden genutzt, um zu entscheiden, wer genauer untersucht werden sollte. Sie liefern einen Hinweis, keinen Befund.
Entscheidend ist außerdem, wie stark die Muster das Leben einschränken: in Freundschaften, im Beruf, im Umgang mit sich selbst. Gelegentliche heftige Gefühle allein sind noch kein Hinweis auf eine Störung.
Der Weg zur Diagnostik
Erste Anlaufstellen sind die hausärztliche Praxis, eine psychotherapeutische Sprechstunde oder eine psychiatrische Institutsambulanz. Dort wird in strukturierten Gesprächen geklärt, welche Muster wie lange bestehen und was sonst dahinterstehen kann. Hilfreich sind Notizen vorab: Was passiert in Beziehungen, wie schnell kippt die Stimmung, was hat bisher geholfen?
Eine Diagnose ist kein Urteil
Borderline ist gut behandelbar. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt störungsspezifische Psychotherapie, zum Beispiel die Dialektisch-Behaviorale Therapie. In einer Langzeitstudie über 16 Jahre erreichten die meisten Teilnehmenden eine anhaltende Besserung ihrer Symptome. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, Anspannung zu senken, ersetzen aber keine Therapie.
Wenn es gerade akut ist
Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, oder starkem Drang zur Selbstverletzung ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143. In akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Borderline setzt auf Entspannung und Stabilisierung im Alltag, begleitend zur psychotherapeutischen Behandlung, nicht als Ersatz. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Gibt es einen zuverlässigen Borderline-Test im Internet?
Nein. Online-Fragebögen können Hinweise geben, ob eine genauere Abklärung sinnvoll ist. Eine Diagnose stellt nur eine Fachperson nach ausführlichen Gesprächen.
Kann man Borderline haben, ohne sich selbst zu verletzen?
Ja. Selbstverletzung ist nur eines von neun Merkmalen, und für eine Diagnose reichen fünf. Manche Betroffene leiden vor allem unter Verlassenheitsangst, Leere und Stimmungsschwankungen.
Ab welchem Alter wird Borderline diagnostiziert?
Die Muster beginnen meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. Auch bei Jugendlichen kann eine Diagnose gestellt werden, wenn die Beschwerden anhaltend und ausgeprägt sind.
Geht Borderline wieder weg?
Bei vielen Betroffenen bessern sich die Symptome im Lauf der Jahre deutlich, besonders mit einer passenden Therapie. Eine Langzeitstudie fand bei den meisten Teilnehmenden eine anhaltende Besserung.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition (DSM-5), Borderline Personality Disorder
- DGPPN: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, AWMF 038-015 (2022)
- Zanarini et al. (2003): A screening measure for BPD: the McLean Screening Instrument for Borderline Personality Disorder (MSI-BPD), Journal of Personality Disorders 17(6)
- Zanarini et al. (2012): Attainment and stability of sustained symptomatic remission and recovery among patients with borderline personality disorder: a 16-year prospective follow-up study, American Journal of Psychiatry 169(5)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).