Angst, das Kind abzugeben: Wenn Kita, Tagesmutter oder Großeltern schwerfallen
Die Eingewöhnung steht an, und schon beim Gedanken an den Abschied zieht sich der Magen zusammen. Warum auch Mütter und Väter Trennungsangst kennen, was in den ersten Krippentagen passiert und wie der Abschied leichter wird.
Die kurze Antwort
Die Angst, das eigene Kind abzugeben, ob an Kita, Tagesmutter oder Großeltern, ist bei Müttern und Vätern weit verbreitet und meist Ausdruck einer engen Bindung, kein Versagen. Sie zeigt sich oft als Mischung aus Sorge, Traurigkeit und schlechtem Gewissen. Gut vorbereitete, schrittweise Trennungen helfen Eltern und Kind. Wird die Angst so stark, dass jede Trennung unmöglich scheint, ist Unterstützung sinnvoll.
Trennungsangst gibt es auch bei Eltern
In der Forschung heißt dieses Gefühl mütterliche Trennungsangst. Hock und Schirtzinger (1992) beschreiben damit Sorge, Traurigkeit oder Schuldgefühle, die Mütter bei kurzen Trennungen vom Kind erleben. Sie befragten Mütter, als die Kinder 8 Monate, 3,5 und 6 Jahre alt waren. Erst im Alter von 6 Jahren ging starke Trennungsangst mit mehr depressiven Beschwerden und weniger Bewältigungsmöglichkeiten einher. Väter wurden nicht untersucht, viele kennen das Gefühl aber ebenso.
Was bei der Eingewöhnung passiert
Ahnert und Kollegen (2004) begleiteten 70 Kleinkinder im Alter von 15 Monaten beim Start in die Krippe. In den ersten Tagen ohne Mutter stieg das Stresshormon Cortisol in der Stunde nach dem Abschied auf Werte, die 75 bis 100 Prozent über denen zu Hause lagen. Sicher gebundene Kinder weinten in dieser Phase mehr, waren in der Zeit mit Mutter aber deutlich weniger gestresst. Wichtig für Eltern: Die Bindung blieb sicher oder wurde sicher, wenn die Mütter sich mehr Tage für die Eingewöhnung genommen hatten.
Was den Abschied leichter macht
Zeit für die Eingewöhnung einplanen
Viele Kitas arbeiten mit einem Modell, bei dem ein Elternteil in den ersten Tagen dabei bleibt und sich nach und nach zurückzieht. Diese Zeit großzügig im Kalender zu planen, nimmt Druck von allen.
Kurz und klar verabschieden
Ein festes Abschiedsritual und ein ehrliches „Ich hole dich nach dem Mittagessen ab“ geben dem Kind Orientierung. Heimliches Wegschleichen verunsichert eher, langes Zögern an der Tür ebenfalls.
Vertrauen mit der Betreuung aufbauen
Eine kurze Nachricht am Vormittag ist in vielen Einrichtungen möglich. Bei den Großeltern helfen klare Absprachen zu Schlaf, Essen und Medien, damit die eigene Unsicherheit nicht in Kontrolle umschlägt.
Wann mehr dahinterstecken kann
Beherrscht die Angst auch andere Bereiche, etwa als Dauersorge, dass dem Kind etwas zustößt, beschreibt Ständig Angst um mein Kind, wann eine Angststörung dahinterstehen kann. Halten Niedergeschlagenheit, Schlafprobleme oder Panikattacken über Wochen an, sind Hausarztpraxis, Frauenarztpraxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde gute Anlaufstellen. Wie sich der Morgen zwischen Kita und Arbeit entspannter gestalten lässt, steht unter Stress morgens mit Kindern.
Das Audio-Programm bei Angst und innerer Unruhe richtet sich an Erwachsene mit eigener Angst, also auch an Mütter und Väter, denen das Abgeben des Kindes den Atem nimmt. Es kann begleitend helfen, vor dem Abschied ruhiger zu werden und die Unruhe danach besser auszuhalten: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Es ist auch im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten, etwa zusammen mit Stress und Schlafstörungen. Begleitend gedacht, kein Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Häufige Fragen
Ist es normal, dass ich beim Kita-Start mehr leide als mein Kind?
Ja, das erleben viele Eltern. Der Abschied markiert einen Übergang, und Sorge, Traurigkeit und schlechtes Gewissen gehören für viele dazu. Meist lässt das nach, wenn sich zeigt, dass das Kind gut ankommt.
Spürt mein Kind meine Angst bei der Eingewöhnung?
Kleine Kinder orientieren sich stark an der Stimmung ihrer Bezugspersonen. Deshalb hilft es, sich vor dem Abschied innerlich zu sammeln und ruhig, kurz und freundlich zu gehen. Unsicherheit zu fühlen ist kein Fehler, sie muss nur nicht den Abschied bestimmen.
Ich traue den Großeltern nicht zu, gut auf mein Kind aufzupassen: Was tun?
Zuerst lohnt die ehrliche Frage, ob es konkrete Sicherheitsbedenken gibt oder eher ein allgemeines Unbehagen. Konkretes lässt sich offen besprechen, etwa Kindersitz, Medikamente oder Treppen. Gegen das allgemeine Unbehagen helfen kurze, langsam wachsende Zeiträume, in denen Vertrauen entstehen kann.
Wie lange sollte die Eingewöhnung in der Kita dauern?
Das ist von Kind zu Kind verschieden, viele Einrichtungen planen mehrere Wochen ein. In einer Studie mit Krippenkindern blieb die Bindung eher sicher, wenn die Mütter sich mehr Tage für die Eingewöhnung nahmen. Es lohnt also, nicht zu knapp zu planen.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Hock & Schirtzinger (1992): Maternal separation anxiety: its developmental course and relation to maternal mental health, Child Development 63(1) Quelle lesen →
- Ahnert, Gunnar, Lamb & Barthel (2004): Transition to child care: associations with infant-mother attachment, infant negative emotion, and cortisol elevations, Child Development 75(3) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).