Kann Angst Schwindel auslösen?
Ja, und zwar häufig. Angst verändert Atmung, Muskelspannung und die Art, wie das Gehirn Gleichgewichtssignale verarbeitet. Ernste Ursachen sollten vorher ärztlich ausgeschlossen sein.
Die kurze Antwort
Ja, Angst kann Schwindel auslösen, und das kommt häufig vor. Betroffene beschreiben meist kein Drehen wie im Karussell, sondern Benommenheit, ein Schwanken wie auf einem Boot oder das Gefühl, der Boden gebe nach. Der Schwindel ist echt, auch wenn Ohr und Gehirn gesund sind. Bevor er der Psyche zugeordnet wird, gehört neuer Schwindel allerdings ärztlich abgeklärt.
Wie Angst das Gleichgewicht stört
Die Atmung
In Angst atmen viele Menschen schneller und tiefer, oft ohne es zu merken. Dabei wird zu viel Kohlendioxid abgeatmet. Die Folge sind Benommenheit, Leere im Kopf und Kribbeln in Händen oder um den Mund. Mehr dazu unter Atemnot durch die Psyche.
Die Muskelspannung
Wer angespannt ist, steht und geht steifer. Dem Körper fehlen dann die feinen Ausgleichsbewegungen, die sonst unbemerkt für Stabilität sorgen. Der Stand fühlt sich dadurch unsicherer an, gerade weil er zu sehr kontrolliert wird.
Die Aufmerksamkeit
Gleichgewicht läuft normalerweise automatisch. Wer nach einem Schwindelerlebnis ängstlich in den Körper hineinhorcht, bemerkt jede kleine Schwankung. Das verstärkt die Unsicherheit und damit die Angst, ein Kreislauf.
Wenn der Schwindel bleibt: PPPD
Hält ein Schwankschwindel über Monate an, kann ein persistierender postural-perzeptiver Schwindel dahinterstecken, abgekürzt PPPD. Die internationale Bárány-Gesellschaft hat 2017 Kriterien dafür festgelegt: Schwindel, Unsicherheit oder Schwanken an den meisten Tagen über mindestens drei Monate, verstärkt im Stehen, bei Bewegung und bei unruhigen visuellen Reizen wie vollen Supermärkten oder bewegten Bildschirmen.
Oft beginnt PPPD nach einem Auslöser, etwa einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs, einem gutartigen Lagerungsschwindel oder einer Panikattacke. Der Auslöser heilt, doch das Gehirn bleibt im Vorsichtsmodus. PPPD gilt als funktionelle Störung und fasst ältere Begriffe wie den phobischen Schwankschwindel zusammen.
Was hilft
Laut einer Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Practical Neurology lässt sich PPPD gut behandeln: mit gezieltem Gleichgewichtstraining in der Physiotherapie, mit kognitiver Verhaltenstherapie und mit serotonerg wirkenden Medikamenten. Ein wichtiger erster Schritt ist, die Diagnose zu verstehen: Der Schwindel ist real, aber kein Zeichen einer gefährlichen Erkrankung. Wichtig ist, Situationen nicht dauerhaft zu meiden, weil Vermeidung die Unsicherheit festigt.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, die Grundanspannung zu senken, begleitend und nicht als Ersatz für diese Behandlung. Studien zu Hypnose speziell bei PPPD gibt es bisher kaum.
Warnzeichen: sofort abklären
Tritt Schwindel plötzlich zusammen mit Doppelbildern, Sprachstörungen, Lähmungen, Taubheit einer Körperseite, hängendem Mundwinkel, heftigen Kopfschmerzen oder der Unfähigkeit zu stehen auf, kann ein Schlaganfall dahinterstecken: sofort 112 (Deutschland) oder 144 (Schweiz) wählen. Schwindel mit Hörverlust oder Ohrgeräusch, mit Ohnmacht, Brustschmerz oder Herzstolpern gehört ebenfalls zeitnah in ärztliche Hände.
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Wie fühlt sich Schwindel durch Angst an?
Meist nicht wie Drehen, sondern wie Benommenheit, Schwanken oder unsicherer Boden unter den Füßen. Oft tritt er in belebten Umgebungen, im Stehen oder in Stressphasen auf und lässt bei Ablenkung nach.
Ist Schwindel durch Angst gefährlich?
Der Schwindel selbst ist nicht gefährlich, viele Betroffene fühlen sich unsicher, ohne tatsächlich zu stürzen. Gefährlich wäre es, eine körperliche Ursache zu übersehen. Deshalb sollte neuer oder veränderter Schwindel immer ärztlich untersucht werden.
Welcher Arzt ist bei Angstschwindel zuständig?
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Je nach Befund folgen HNO-ärztliche oder neurologische Untersuchungen, bei anhaltendem Schwindel auch spezialisierte Schwindelambulanzen. Ist eine körperliche Ursache ausgeschlossen, kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein.
Geht Schwindel durch Angst wieder weg?
In vielen Fällen ja. Schwindel in einer akuten Angstsituation klingt meist ab, sobald sich Atmung und Anspannung beruhigen. Bei länger anhaltendem Schwindel wie PPPD helfen Gleichgewichtstraining und Verhaltenstherapie oft, auch wenn die Besserung Zeit braucht.
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Quellen (Auswahl)
- Staab et al. (2017): Diagnostic criteria for persistent postural-perceptual dizziness (PPPD): Consensus document of the committee for the Classification of Vestibular Disorders of the Bárány Society, Journal of Vestibular Research 27(4)
- Popkirov, Staab & Stone (2018): Persistent postural-perceptual dizziness (PPPD): a common, characteristic and treatable cause of chronic dizziness, Practical Neurology 18(1)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).