Abnehmen mit Bluthochdruck-Tabletten: Was Betablocker mit dem Gewicht zu tun haben
Die Tabletten senken den Blutdruck, aber die Waage bewegt sich nicht, oder sogar in die falsche Richtung. Was Betablocker und andere Mittel mit dem Gewicht zu tun haben, was Abnehmen für die Werte bedeutet und warum die Dosis Sache der Praxis bleibt.
Die kurze Antwort
Abnehmen ist auch mit Blutdrucktabletten möglich und bei Übergewicht ausdrücklich sinnvoll. Bei Betablockern zeigen Studien im Mittel eine leichte Gewichtszunahme von rund einem Kilogramm, vor allem in den ersten Monaten der Einnahme. Wichtig ist: die Dosis nie selbst verändern und keine Tabletten eigenmächtig absetzen. Sinkt der Blutdruck durch das Abnehmen, passt die Hausärztin oder der Hausarzt die Behandlung an.
Betablocker und Gewicht
Sharma und Kollegen (2001) werteten acht randomisierte Studien mit mindestens sechs Monaten Dauer aus. Am Ende lag das Gewicht unter Betablockern im Median um 1,2 Kilogramm höher als in den Vergleichsgruppen. Die Zunahme fiel vor allem in die ersten Monate, danach nahmen die Teilnehmenden nicht stärker zu als die anderen. In der GEMINI-Studie mit 1.106 Menschen mit Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck nahmen Teilnehmende unter Metoprolol in fünf Monaten im Mittel 1,19 Kilogramm zu, unter Carvedilol dagegen nicht nennenswert (Messerli und Kollegen, 2007). Nicht jeder Betablocker wirkt also gleich.
Welche Rolle Betablocker heute spielen
Laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Hypertonie (2023) gehören ACE-Hemmer, Sartane, Kalziumkanalblocker und bestimmte Entwässerungsmittel zu den Mitteln der ersten Wahl. Betablocker kommen vor allem dann infrage, wenn eine Begleiterkrankung wie eine Herzschwäche dafür spricht. Wer seit einem neuen Mittel zunimmt, spricht das in der Praxis an. Oft gibt es Alternativen, bei manchen Herzerkrankungen ist der Betablocker aber besonders wichtig. Plötzlich absetzen sollte man ihn nie.
Was Abnehmen für den Blutdruck bedeutet
In einer Meta-Analyse von Neter und Kollegen (2003) über 25 randomisierte Studien sank der obere Blutdruckwert pro abgenommenem Kilogramm im Mittel um etwa 1 mmHg. Bei Menschen, die bereits Blutdruckmittel nahmen, sank der untere Wert sogar stärker als bei Unbehandelten. Die Leitlinie rät Menschen mit Übergewicht deshalb zum Abnehmen, auch weil Lebensstiländerungen helfen können, Zahl und Dosis der Medikamente gering zu halten.
Wenn der Blutdruck sinkt
Hier liegt eine Falle. Wer deutlich abnimmt und die Tabletten unverändert weiter einnimmt, kann zu niedrige Werte bekommen. Hinweise sind Schwindel beim Aufstehen, Benommenheit, ungewohnte Müdigkeit oder Schwarzwerden vor Augen. Dann nicht selbst die Dosis senken, sondern zu Hause regelmäßig messen, die Werte notieren und mit der Praxis besprechen. Nach jeder Änderung der Therapie empfiehlt die Leitlinie eine Kontrolle nach vier bis sechs Wochen.
Praktisch abnehmen mit Blutdruckmitteln
Weniger Salz passt gut zum Abnehmen, denn die Leitlinie empfiehlt ohnehin weniger als 6 Gramm Kochsalz am Tag, und salzreiche Fertigprodukte sind oft auch kalorienreich. Unter Betablockern steigt der Puls bei Belastung weniger an, deshalb eignet sich das eigene Anstrengungsgefühl besser als eine Pulsuhr. Ein neues Trainingsprogramm vorher mit der Praxis abzustimmen, ist sinnvoll. Ob Anspannung bei den Werten mitspielt, beschreibt Bluthochdruck durch Stress, was Entspannung realistisch bringt, Kann Entspannung den Blutdruck senken?. Sehr hohe Werte mit Brustschmerz, Atemnot, Seh- oder Sprachstörungen sind ein Notfall: 112, in der Schweiz 144.
Wer mit Blutdrucktabletten abnehmen möchte und dabei Unterstützung für neue Essgewohnheiten sucht, kann das Audio-Programm Abnehmen bei Bluthochdruck begleitend nutzen. Es ersetzt keine Blutdruckbehandlung, und die Medikamente bleiben so, wie die Praxis sie festlegt. Es besteht aus aufeinander aufbauenden Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Es ist auch im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten, etwa zusammen mit Stress und Schlafstörungen. Begleitend gedacht, kein Ersatz für ärztliche Behandlung oder Ernährungsberatung.
Häufige Fragen
Kann man mit Betablockern überhaupt abnehmen?
Ja. In Studien lag das Gewicht unter Betablockern im Mittel nur etwa ein Kilogramm höher, vor allem durch eine Zunahme in den ersten Monaten. Ernährung und Bewegung wirken weiterhin, und ob ein anderes Mittel infrage kommt, entscheidet die behandelnde Praxis.
Darf ich meine Blutdrucktabletten reduzieren, wenn ich abgenommen habe?
Nicht auf eigene Faust. Sinnvoll ist, regelmäßig zu Hause zu messen und das Protokoll mit in die Praxis zu nehmen, dort wird über eine Anpassung entschieden. Betablocker sollten zudem nie plötzlich abgesetzt werden.
Mir ist seit dem Abnehmen oft schwindelig: Liegt das an den Tabletten?
Das ist möglich, wenn der Blutdruck durch das geringere Gewicht gesunken ist und die Dosis gleich geblieben ist. Messen, ausreichend trinken und langsam aufstehen hilft fürs Erste, die Praxis sollte aber zeitnah Bescheid wissen. Nach einem Sturz oder einer Ohnmacht ist sofort ärztliche Hilfe nötig.
Ich habe seit den Blutdrucktabletten dicke Knöchel: Ist das Gewichtszunahme?
Geschwollene Knöchel sind meist Wasser im Gewebe und kein Fett. Sie können als Nebenwirkung mancher Blutdruckmittel auftreten, etwa bestimmter Kalziumkanalblocker, aber auch andere Ursachen haben. Das gehört in die Praxis, die Tablette bitte nicht selbst absetzen.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Sharma et al. (2001): Hypothesis: beta-adrenergic receptor blockers and weight gain: a systematic analysis, Hypertension 37(2) Quelle lesen →
- Messerli et al. (2007): Body weight changes with beta-blocker use: results from GEMINI, The American Journal of Medicine 120(7) Quelle lesen →
- Neter et al. (2003): Influence of weight reduction on blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials, Hypertension 42(5) Quelle lesen →
- BÄK, KBV, AWMF (2023): Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0, AWMF nvl-009 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).