Was hilft bei PMS-Stimmungsschwankungen?
Stimmungsschwankungen vor der Periode sind häufig und real, keine Einbildung. Es gibt mehrere Wege, die nachweislich helfen, und eine schwere Form, die in ärztliche Hände gehört.
Real, häufig und behandelbar
Ein paar Tage vor der Periode ist die Zündschnur kürzer, Kleinigkeiten treiben Tränen in die Augen, die Stimmung kippt ohne erkennbaren Grund. Mit Einsetzen der Blutung wird es rasch besser. Dieses Muster ist typisch für prämenstruelle Stimmungsschwankungen. Die Hormonspiegel sind bei Frauen mit PMS nicht anders als bei anderen, manche reagieren aber empfindlicher auf die normalen Schwankungen im Zyklus. Mit Charakterschwäche hat das nichts zu tun.
PMS oder PMDS?
Beim prämenstruellen Syndrom (PMS) stehen körperliche und seelische Beschwerden oft nebeneinander. Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) ist die schwere Form mit ausgeprägten seelischen Symptomen. Sie ist im DSM-5 und in der ICD-11 der WHO als eigene Diagnose geführt. Typisch sind:
- deutliche Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit oder Anspannung
- Beginn in den Tagen vor der Periode, Besserung kurz nach Einsetzen der Blutung
- spürbare Beeinträchtigung in Beruf, Familie oder Partnerschaft
Die britische Fachgesellschaft für Gynäkologie (RCOG) empfiehlt, die Beschwerden über mindestens zwei Zyklen täglich zu notieren, weil die Erinnerung im Nachhinein unzuverlässig ist. Bestehen sie den ganzen Monat und verstärken sich nur vor der Periode, sollte an eine Depression gedacht werden.
Was nachweislich hilft
Bewegung
Eine Metaanalyse von 2020 fand, dass Trainingsprogramme von mindestens acht Wochen PMS-Beschwerden verringerten, auch die seelischen. Die Studien waren allerdings klein und oft fehleranfällig. Da Bewegung kaum Nachteile hat, ist sie trotzdem ein guter erster Schritt.
Kognitive Verhaltenstherapie
Sie setzt an den Gedanken und Reaktionen an, die in den kritischen Tagen die Oberhand gewinnen. Eine Metaanalyse fand Hinweise, dass sie Angst und Niedergeschlagenheit bei PMS lindert, bei geringer Qualität der Studien. Das RCOG empfiehlt, sie bei schwerem PMS routinemäßig in Betracht zu ziehen.
Medikamente bei PMDS
Bei der schweren Form sind Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI gut untersucht. Laut einer Cochrane-Übersicht lindern sie die Beschwerden, auch wenn sie nur in der zweiten Zyklushälfte eingenommen werden. Nebenwirkungen wie Übelkeit und Müdigkeit sind allerdings häufig. Auch bestimmte hormonelle Verhütungsmittel kommen infrage. Beides gehört in gynäkologische oder psychiatrische Hände.
Im Alltag
- die kritischen Tage im Kalender markieren und dort Termine entzerren
- nahestehende Menschen einweihen, das nimmt Druck aus Konflikten
- auf ausreichend Schlaf und regelmäßige Mahlzeiten achten
Wann Hilfe dringend ist
Wer vor der Periode Hoffnungslosigkeit oder Gedanken an den Tod erlebt, sollte sofort Hilfe holen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (Deutschland) oder Dargebotene Hand 143 (Schweiz).
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, in angespannten Tagen besser gegenzusteuern. Für PMS selbst ist ihre Wirkung nicht gut untersucht, eine PMDS-Behandlung ersetzen sie nicht.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Menstruationsbeschwerden unterstützt Entspannung und Gelassenheit in der zweiten Zyklushälfte, begleitend zur gynäkologischen Betreuung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Menstruationsbeschwerden → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich PMS von PMDS?
PMDS ist die schwere Form mit ausgeprägten seelischen Beschwerden wie starker Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit oder Anspannung, die den Alltag deutlich beeinträchtigen. Klarheit bringt ein Symptomtagebuch über mindestens zwei Zyklen.
Helfen Antidepressiva bei PMS?
Bei schwerem PMS und PMDS sind SSRI gut untersucht und wirksam, auch wenn sie nur in der zweiten Zyklushälfte eingenommen werden. Nebenwirkungen wie Übelkeit und Müdigkeit sind häufig, deshalb gehört die Entscheidung in ärztliche Hände.
Kann Sport die Stimmung vor der Periode verbessern?
Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiges Training über mehrere Wochen PMS-Beschwerden lindert, auch die seelischen. Die Studienqualität ist begrenzt, doch Bewegung hat kaum Nachteile.
Warum ist man vor der Periode so gereizt?
Die Beschwerden hängen mit den hormonellen Veränderungen in der zweiten Zyklushälfte zusammen, auf die manche Frauen empfindlicher reagieren. Sie klingen typischerweise wenige Tage nach Einsetzen der Blutung ab.
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Quellen (Auswahl)
- RCOG (2016): Management of Premenstrual Syndrome, Green-top Guideline No. 48, BJOG 124(3)
- Marjoribanks et al. (2013): Selective serotonin reuptake inhibitors for premenstrual syndrome, Cochrane Database of Systematic Reviews, CD001396
- Pearce et al. (2020): Exercise for premenstrual syndrome: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials, BJGP Open 4(3)
- Busse et al. (2009): Psychological intervention for premenstrual syndrome: a meta-analysis of randomized controlled trials, Psychotherapy and Psychosomatics 78(1)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).