Warum kann man sich bei Depression schlecht konzentrieren?
Seiten lesen, ohne etwas zu behalten, bei Gesprächen den Faden verlieren: Viele Menschen mit Depression kennen das. Die Konzentrationsprobleme sind real, messbar und gut erklärbar.
Konzentrationsprobleme gehören zur Depression
Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit sind kein Nebeneffekt, sondern eines der Symptome, anhand derer eine Depression diagnostiziert wird. So steht es in den Diagnosekriterien, auf die sich die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression stützt. Viele Betroffene erleben es so: Lesen strengt an, Gespräche rauschen vorbei, einfache Entscheidungen dauern ewig. Das kann Beruf, Studium und Alltag deutlich erschweren.
Was dahintersteckt
Messbare Einschränkungen
Eine Metaanalyse von Rock und Kollegen fasste Studien mit standardisierten Tests zusammen. Menschen mit Depression schnitten bei Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutiven Funktionen, also dem Planen und Steuern des eigenen Denkens, im Mittel moderat schlechter ab als Gesunde. Es handelt sich also weder um Einbildung noch um fehlenden Willen.
Grübeln bindet Kapazität
Kreisende Gedanken über Probleme, Fehler und Sorgen beanspruchen Aufmerksamkeit, die dann für anderes fehlt. In Experimenten von Sonja Lyubomirsky berichteten niedergeschlagene Studierende, die zuvor gegrübelt hatten, über Konzentrationsschwierigkeiten und störende Gedanken beim Lernen. Sie brauchten länger und verstanden Lernstoff schlechter als Teilnehmende, die sich vorher abgelenkt hatten.
Schlaf, Antrieb und Erschöpfung
Schlafstörungen und Antriebslosigkeit gehören ebenfalls zur Depression und verstärken die Konzentrationsprobleme. Wer schlecht schläft und sich zu allem zwingen muss, hat weniger geistige Reserven.
Bessert sich das wieder?
Mit der Behandlung der Depression bessert sich bei vielen auch die Konzentration. Die Metaanalyse fand allerdings, dass Einschränkungen bei Aufmerksamkeit und Planungsfähigkeit teils auch nach Abklingen der Stimmungssymptome bestehen bleiben. Das spricht dafür, sie in der Behandlung gezielt anzusprechen und Geduld mit sich zu haben.
Was im Alltag hilft
- kleine Einheiten: 15 bis 20 Minuten konzentriert arbeiten, dann eine kurze Pause
- Aufschreiben: Listen und Notizen entlasten den Kopf
- eine Sache zur Zeit: das Handy aus dem Raum, nur ein Fenster offen
- Grübeln unterbrechen: Bewegung, ein Gespräch oder eine Aufgabe mit den Händen lenken ab
- Erwartungen anpassen: In akuten Phasen ist weniger Leistung normal und kein persönliches Versagen
Hilfe holen
Eine Depression ist gut behandelbar, mit Psychotherapie, Medikamenten oder beidem. Deutliche Gedächtnis- und Denkstörungen, die neu auftreten, sollten ärztlich abgeklärt werden, um körperliche Ursachen auszuschließen.
Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143. Im Notfall den Notruf 112 wählen.
Hypnose zur Entspannung kann begleitend helfen, innere Anspannung zu lösen, als Ergänzung und nicht als Ersatz für eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Eine direkte Verbesserung der Konzentration bei Depression ist für sie nicht belegt.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Depressionen setzt auf Entlastung und Tiefenentspannung, als begleitender Baustein neben ärztlicher oder psychotherapeutischer Behandlung und nicht als Ersatz. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Depressionen → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).