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Warum kann ich keine Komplimente annehmen?

Jemand sagt etwas Nettes, und Sie wehren reflexartig ab. Das hat meist weniger mit Bescheidenheit zu tun als mit dem Bild, das Sie von sich haben.

Stand: Redaktioneller Beitrag · quellenbasiert Redaktionell geprüft

Warum kann ich keine Komplimente annehmen? Die kurze Antwort

Komplimente fallen schwer, wenn sie nicht zum eigenen Selbstbild passen. Wer sich selbst kritisch sieht, erlebt Lob als unpassend, übertrieben oder sogar verdächtig und wehrt es ab, um innere Stimmigkeit zu wahren. Dazu kommen die Sorge, dem Lob gerecht werden zu müssen, und erlernte Bescheidenheit. Annehmen lässt sich üben, am einfachsten mit einem schlichten „Danke“.

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Woran Sie das Muster erkennen

  • Sie spielen das Lob herunter: „Ach, das war doch nichts.“
  • Sie korrigieren es: „Die Haare sehen heute eigentlich furchtbar aus.“
  • Sie geben es sofort zurück: „Du siehst aber auch toll aus.“
  • Sie suchen den Haken: „Was will die Person von mir?“
  • Sie werden rot, verlegen oder wechseln schnell das Thema.
  • Kritik merken Sie sich wochenlang, Lob haben Sie am Abend vergessen.

Gelegentliche Verlegenheit ist normal. Wenn Lob aber regelmäßig Unbehagen auslöst und nicht „ankommt“, steckt meist mehr dahinter als Höflichkeit.

Freunde lachen gemeinsam

Warum Lob sich falsch anfühlen kann

Es passt nicht zum Bild, das Sie von sich haben

Viele Menschen suchen unbewusst Bestätigung für ihr Selbstbild, auch wenn dieses Bild negativ ist. Ein Kompliment, das nicht dazu passt, erzeugt innere Spannung. Abwehren ist der schnellste Weg, diese Spannung loszuwerden. Ein bekanntes Experiment zeigt den Mechanismus: Die Psychologin Joanne Wood und ihr Team ließen Menschen den Satz „Ich bin ein liebenswerter Mensch“ wiederholen. Personen mit hohem Selbstwert ging es danach etwas besser, Personen mit niedrigem Selbstwert dagegen schlechter. Die Forschenden erklären das so: Was zu weit vom eigenen Bild entfernt ist, wird nicht geglaubt und kann die Zweifel sogar verstärken.

Lob schafft Erwartungen

„Das hast du toll gemacht“ kann insgeheim heißen: „Beim nächsten Mal musst du es wieder so gut machen.“ Wer Angst vor Versagen hat, wehrt das Lob ab, um die Fallhöhe klein zu halten.

Das Gefühl, aufzufliegen

Manche Menschen fühlen sich trotz guter Leistungen wie Hochstapler. Jedes Lob verstärkt dann die Sorge, dass andere bald merken könnten, wie wenig man angeblich kann.

Erlernte Bescheidenheit und Misstrauen

Wer gelernt hat, dass man sich nicht wichtig nimmt oder dass Lob oft mit einer Bitte verbunden war, reagiert vorsichtig. In manchen Familien und Kulturen gilt Annehmen sogar als Angeberei.

Warum es sich lohnt, Komplimente anzunehmen

Ein abgewehrtes Kompliment ist für beide Seiten unangenehm: Die andere Person fühlt sich korrigiert, Sie selbst verpassen eine Gelegenheit, ein freundlicheres Bild von sich aufzubauen. Wer Lob dauerhaft abprallen lässt, bestätigt sich immer wieder die eigene Kritik. Mehr zu den Wurzeln eines geringen Selbstwerts lesen Sie unter Minderwertigkeitskomplex: psychische Ursachen.

So lernen Sie, Komplimente anzunehmen

  1. „Danke“ ist eine vollständige Antwort: Sie müssen das Lob weder bestätigen noch begründen. Ein Lächeln und „Danke, das freut mich“ genügen.
  2. Den Reflex bemerken: Achten Sie auf den Moment, in dem Sie relativieren wollen. Atmen Sie einmal aus, bevor Sie antworten.
  3. Nicht sofort zurückgeben: Ein Gegenkompliment aus Verlegenheit wirkt wie ein Ablenken. Wenn Sie etwas Nettes sagen möchten, tun Sie es später.
  4. Die Bedeutung abstrakter fassen: Fragen Sie sich, was das Lob über Sie allgemein aussagt, nicht nur über den einen Moment. In Studien von Denise Marigold und Kollegen fühlten sich Menschen mit niedrigem Selbstwert sicherer in ihrer Beziehung, wenn sie über die weitere Bedeutung eines Kompliments ihres Partners nachdachten.
  5. Lob sammeln: Notieren Sie abends ein Kompliment oder eine positive Rückmeldung des Tages. So geht es nicht so schnell verloren wie bisher.
  6. Klein anfangen: Üben Sie zuerst bei Menschen, denen Sie vertrauen, und bei kleinen Komplimenten.
  7. Das Gegenüber ernst nehmen: Wer ein Kompliment abwehrt, sagt indirekt: „Du irrst dich.“ Die andere Person hat Sie aber so erlebt. Ihre Wahrnehmung darf gelten.

Übungen für den Alltag finden Sie auch unter Selbstwertgefühl stärken: Übungen. Wenn Lob schwer zu ertragen ist, ist es Kritik oft auch, siehe Warum trifft mich Kritik so sehr?

Komplimente vom Partner

Besonders schwer fällt es vielen, Lob vom eigenen Partner anzunehmen. „Das sagst du nur, weil du mich liebst“ ist eine typische Abwehr. Dahinter steckt oft die Sorge, der andere sehe einen nicht richtig und könnte enttäuscht sein, wenn er einen „wirklich“ kennt. Für den Partner fühlt sich die Abwehr an, als würde seine Wahrnehmung nicht zählen. Mit der Zeit loben manche dann seltener, und das bestätigt wiederum das eigene negative Bild.

Hilfreich ist, nach einem Kompliment kurz innezuhalten und zu fragen: „Was genau meinst du damit?“ Das ist keine Abwehr, sondern Neugier. Die Antwort macht das Lob konkreter und damit glaubwürdiger.

Was Sie sich selbst sagen können

Wenn ein Kompliment innerlich nicht ankommt, hilft ein Zwischenschritt. Statt sofort zu denken „Das stimmt nicht“, können Sie sagen: „Diese Person sieht das so, und das darf ich zur Kenntnis nehmen.“ Sie müssen das Lob nicht sofort glauben. Es reicht, es nicht wegzuschieben. Mit der Zeit sammeln sich solche Momente, und das Selbstbild darf sich langsam verschieben. Große Sprünge sind dabei nicht nötig, und wie die Forschung zu positiven Selbstaussagen zeigt, oft sogar eher hinderlich.

Wann Unterstützung sinnvoll ist

Ein brüchiger Selbstwert lässt sich verändern. Wenn das Gefühl, nichts wert zu sein, Ihr Leben stark bestimmt, wenn Sie sich häufig niedergeschlagen, leer oder hoffnungslos fühlen oder sich zurückziehen, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Praxis. Hinter einem anhaltend negativen Selbstbild kann auch eine Depression stehen. Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 (Deutschland), 142 (Österreich) oder 143 (Schweiz).

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Häufige Fragen

Ist es ein Zeichen von geringem Selbstwert, wenn man keine Komplimente annehmen kann?

Häufig ja, aber nicht immer. Auch Bescheidenheitsnormen, Schüchternheit oder schlechte Erfahrungen mit Lob können eine Rolle spielen. Wenn Lob regelmäßig Unbehagen auslöst und nie ankommt, ist ein geringer Selbstwert eine naheliegende Erklärung.

Was sagt man, wenn man ein Kompliment bekommt?

Am einfachsten: „Danke, das freut mich.“ Mehr braucht es nicht. Sie müssen das Lob weder begründen noch relativieren oder sofort zurückgeben.

Warum fühle ich mich bei Komplimenten unwohl?

Weil das Lob nicht zu Ihrem Selbstbild passt und innere Spannung erzeugt. Dazu kommen oft die Sorge, Erwartungen nicht zu erfüllen, und das Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen.

Kann man lernen, Komplimente anzunehmen?

Ja. Hilfreich sind ein schlichtes „Danke“ als feste Antwort, das Bemerken des Abwehrreflexes, das Aufschreiben von Lob und die Frage, was das Kompliment allgemein über Sie aussagt. Mit der Zeit fühlt sich Annehmen weniger fremd an.

Unibee-Redaktion

Von der Unibee-Redaktion auf Basis veröffentlichter Fachliteratur ausgearbeitet (siehe Quellen), mit KI als Werkzeug unterstützt, von Menschen geprüft, verbessert und überarbeitet nach den fachlichen Maßstäben von Ingo Michael Simon. Redaktionelle Verantwortung: Unibee Institut. Die Audio-Hypnose-Programme sind ohne KI entstanden: erarbeitet von Ingo Michael Simon, Diplom-Pädagoge (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie, Hypnosetherapeut, über 30 Jahre Praxiserfahrung, und professionell eingesprochen.

Quellen (Auswahl)

  • Wood, Perunovic & Lee (2009): Positive self-statements: Power for some, peril for others, Psychological Science 20(7), 860-866
  • Marigold, Holmes & Ross (2007): More than words: Reframing compliments from romantic partners fosters security in low self-esteem individuals, Journal of Personality and Social Psychology 92(2), 232-248

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wenden Sie sich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).