Warum können Narzissten nicht lieben?
Narzissten verlieben sich oft intensiv. Schwer fällt ihnen die Liebe, die den anderen wirklich meint. Warum das so ist.
Die kurze Antwort
Menschen mit ausgeprägt narzisstischen Zügen können sich verlieben, oft sogar sehr intensiv. Schwer fällt ihnen aber eine reife, gegenseitige Liebe, die auf Einfühlung, Verbindlichkeit und dem Interesse am anderen beruht. Die Forschung zeigt: Narzissmus ist vor allem mit einem spielerischen Liebesstil verbunden, bei dem der Partner eher als Quelle von Bewunderung dient als als eigenständiger Mensch.
Was die Forschung zeigt
Eine viel zitierte Studie von Keith Campbell, Craig Foster und Eli Finkel untersuchte, wie Narzissmus und Liebe zusammenhängen. Narzissmus ging vor allem mit einem spielerischen Liebesstil einher: wenig Verbindlichkeit, Interesse an Alternativen, Beziehungen als Spiel. Die Partner bestätigten diese Beschreibung. Menschen mit gesundem Selbstwert dagegen zeigten eher leidenschaftliche, verbindliche Liebe.
Warum reife Liebe schwerfällt
Fehlende Einfühlung
Mangelndes Einfühlungsvermögen gehört zu den Kriterien der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Wer sich schwer in andere hineinversetzen kann, nimmt deren Bedürfnisse kaum wahr.
Der Partner als Spiegel
Ein Partner wird oft gewählt, weil er bewundert, gut aussieht oder Ansehen bringt. Solange er diese Rolle erfüllt, wird er idealisiert. Zeigt er eigene Bedürfnisse oder Schwächen, kann das Bild schnell kippen.
Ein zerbrechliches Selbstbild
Hinter der nach außen großen Selbstsicherheit liegt häufig ein verletzliches Selbstwertgefühl. Echte Nähe würde bedeuten, sich verletzlich zu zeigen, und genau das wird vermieden.
Liebe unter Bedingungen
Zuwendung gibt es oft nur, wenn der andere sich anpasst, bewundert und keine Kritik übt. Für Partner fühlt sich das an, als müssten sie sich Liebe ständig verdienen. Viele zweifeln mit der Zeit an der eigenen Wahrnehmung.
Wichtig zur Einordnung
Narzissmus ist ein Spektrum. Nicht jeder selbstbewusste oder egoistische Mensch hat eine Persönlichkeitsstörung, und eine Diagnose können nur Fachleute stellen. Viele Menschen mit narzisstischen Zügen leiden selbst unter Leere und Beziehungsproblemen. Mit Psychotherapie ist Veränderung möglich, auch wenn sie Zeit braucht.
Was Partnern hilft
- Das Muster erkennen: Wer weiß, dass Idealisierung und Abwertung zum Muster gehören, nimmt Kritik weniger als Wahrheit über sich.
- Eigene Bedürfnisse ernst nehmen: Eine Beziehung, in der man ständig um Zuwendung kämpft, ist auf Dauer zermürbend.
- Selbstwert stärken: Freundschaften, eigene Ziele und Entspannungsverfahren wie Hypnose helfen, unabhängiger von der Bestätigung des anderen zu werden.
- Unterstützung holen: Beratungsstellen und Psychotherapie helfen, die eigene Lage klar zu sehen und Entscheidungen zu treffen.
Bei Bedrohung oder Gewalt hilft das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen rund um die Uhr unter 116 016.
Das Audio-Hypnose-Programm für ein stärkeres Selbstwertgefühl setzt auf Entspannung, Selbstannahme und innere Sicherheit. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Können Narzissten wirklich lieben?
Sie können sich verlieben, oft intensiv. Eine reife, gegenseitige Liebe mit Einfühlung und Verbindlichkeit fällt ihnen aber schwer. Die Forschung verbindet Narzissmus vor allem mit einem spielerischen Liebesstil.
Warum idealisieren Narzissten ihre Partner erst und werten sie dann ab?
Der Partner dient oft als Quelle von Bewunderung und Ansehen. Solange er diese Rolle erfüllt, wird er idealisiert. Zeigt er eigene Bedürfnisse oder übt Kritik, kann das Bild schnell kippen.
Leiden Narzissten selbst?
Viele ja. Hinter der äußeren Selbstsicherheit liegt häufig ein verletzliches Selbstwertgefühl, verbunden mit Leere und wiederkehrenden Beziehungsproblemen.
Kann man mit einem Narzissten eine glückliche Beziehung führen?
Das ist schwer, wenn der andere keine Verantwortung übernimmt. Mit Therapie ist Veränderung möglich, braucht aber Zeit. Wichtig ist, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen nicht aus dem Blick zu verlieren.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Campbell, Foster & Finkel (2002): Does self-love lead to love for others? A story of narcissistic game playing, Journal of Personality and Social Psychology 83(2)
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).