Warum habe ich keine Lust auf Sex?
Fehlende Lust ist das häufigste sexuelle Problem überhaupt. Sie hat fast immer mehrere Gründe, und nicht jede Lust muss spontan entstehen.
Häufig, und fast immer mit mehreren Gründen
Fehlende Lust hat meist mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken: Stress und Erschöpfung, Spannungen in der Beziehung, hormonelle Veränderungen, Medikamente oder eine seelische Erkrankung wie eine Depression. Allein ist damit niemand. In der großen britischen Sexualstudie Natsal-3 war mangelndes Interesse an Sex das häufigste sexuelle Problem, angegeben von rund 15 Prozent der Männer und 34 Prozent der Frauen für mindestens drei Monate im vergangenen Jahr.
Die häufigsten Ursachen
Stress und Erschöpfung
Wer dauerhaft unter Druck steht, schlecht schläft oder zwischen Arbeit, Familie und Pflichten kaum durchatmet, hat oft schlicht keine Energie für Nähe. Auch Sorgen um Geld, Gesundheit oder den Arbeitsplatz wirken sich aus. Lust braucht ein Mindestmaß an Entspannung.
Die Beziehung
Ungelöste Konflikte, Kränkungen, fehlende Zärtlichkeit im Alltag oder das Gefühl, nicht gesehen zu werden, dämpfen das Verlangen. Auch Routine und unausgesprochene Erwartungen spielen eine Rolle.
Hormone und Körper
Schwangerschaft, Stillzeit und Wechseljahre verändern das Verlangen, ebenso ein Testosteronmangel. Schmerzen beim Sex, chronische Erkrankungen und regelmäßiger Alkoholkonsum wirken sich ebenfalls aus.
Medikamente
Bestimmte Antidepressiva, einige Blutdruckmittel und andere Präparate können die Lust verringern. Wichtig: nicht eigenmächtig absetzen, sondern ärztlich nach Alternativen fragen.
Depression
Der Verlust von Interesse und Freude gehört zu den Kernzeichen einer Depression. Kommen Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Schlafprobleme hinzu, sollte das fachlich abgeklärt werden. Da manche Antidepressiva die Lust zusätzlich dämpfen können, gehört das Thema offen in die Behandlung.
Lust entsteht nicht immer von selbst
Die kanadische Ärztin Rosemary Basson beschrieb im Jahr 2000, dass sexuelles Verlangen nicht immer spontan auftaucht. Oft entsteht es erst als Antwort: auf Nähe, Berührung und eine Situation, in der man sich wohlfühlt. Ihr Modell wurde für Frauen formuliert. Die Idee dahinter kann trotzdem entlasten: Fehlende spontane Lust bedeutet nicht zwangsläufig, dass kein Verlangen möglich ist.
Praktisch heißt das: Zeit für Zärtlichkeit ohne Erwartung einplanen, Druck herausnehmen und offen darüber sprechen, was sich gut anfühlt. Unterschiedlich starkes Verlangen in einer Partnerschaft ist verbreitet und kein Beweis, dass grundsätzlich etwas nicht stimmt.
Wann eine Abklärung sinnvoll ist
Schwankungen der Lust sind normal. Hausärztlich, gynäkologisch oder urologisch abklären lassen sollte man es, wenn die Unlust plötzlich auftritt, nach einem neuen Medikament beginnt, mit Schmerzen verbunden ist oder deutlich belastet. Auch eine Sexualtherapie oder Paarberatung kann helfen.
Zur Wirkung von Hypnose bei sexueller Unlust gibt es kaum belastbare Studien. Als Entspannungsverfahren kann sie helfen, Stress und Leistungsdruck zu senken, begleitend und nicht als Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei sexueller Unlust setzt auf Entspannung und das Lösen von Leistungsdruck, begleitend zur ärztlichen oder sexualtherapeutischen Abklärung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei sexueller Unlust → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
Ist es normal, keine Lust auf Sex zu haben?
Phasen mit wenig oder keiner Lust sind sehr verbreitet und für sich genommen keine Krankheit. Problematisch wird es erst, wenn die Unlust lange anhält und darunter gelitten wird, ob von einem selbst oder in der Beziehung.
Können Medikamente die Lust auf Sex verringern?
Ja, vor allem bestimmte Antidepressiva, aber auch einige andere Medikamente. Wer einen Zusammenhang vermutet, sollte das Medikament nicht eigenmächtig absetzen, sondern mit der Ärztin oder dem Arzt über Alternativen sprechen.
Was bedeutet responsives Verlangen?
Gemeint ist Lust, die nicht spontan auftaucht, sondern erst als Reaktion auf Nähe, Berührung oder eine angenehme Situation entsteht. Die Ärztin Rosemary Basson hat dieses Modell beschrieben. Es zeigt, dass fehlende spontane Lust nicht bedeutet, dass kein Verlangen möglich ist.
Wann ist wegen fehlender Lust ein Arztbesuch sinnvoll?
Wenn die Unlust plötzlich beginnt, mit Schmerzen verbunden ist, nach einem neuen Medikament auftritt oder zusammen mit Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit besteht. Hormonelle, körperliche und seelische Ursachen lassen sich dann gezielt abklären.
Verwandte Themen
Quellen (Auswahl)
- Basson (2000): The female sexual response: a different model, Journal of Sex & Marital Therapy 26(1)
- Mitchell et al. (2013): Sexual function in Britain: findings from the third National Survey of Sexual Attitudes and Lifestyles (Natsal-3), The Lancet 382(9907)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).