Keine Lust auf Sex in den Wechseljahren: Ursachen und was Paaren hilft
Die Lust ist leiser geworden, Sex fühlt sich anders an, und beide fragen sich, was los ist. Was in den Wechseljahren im Körper passiert, warum die Beziehung mitspielt und wann eine gynäkologische Beratung hilft.
Die kurze Antwort
Weniger Lust auf Sex in den Wechseljahren ist häufig und hat meist mehrere Gründe zugleich: hormonelle Veränderungen, körperliche Beschwerden wie Scheidentrockenheit oder Schmerzen, Schlafmangel, Stimmung und die Lage der Beziehung. Ein Zeichen fehlender Liebe ist es in der Regel nicht. Sinnvoll sind eine gynäkologische Beratung, weil sich manche körperliche Ursachen behandeln lassen, und ein offenes Gespräch im Paar.
Was sich in dieser Phase verändert
In der amerikanischen SWAN-Studie (Avis und Kolleginnen, 2017) wurden 1.390 Frauen über bis zu 14,5 Jahre begleitet. Die sexuelle Funktion blieb lange stabil und begann etwa 20 Monate vor der letzten Regelblutung zu sinken. Ab etwa einem Jahr danach ging sie langsamer weiter zurück. Scheidentrockenheit, depressive Beschwerden oder Angst erklärten diesen Rückgang in der Studie nicht.
Körperliche Ursachen ernst nehmen
Mit dem sinkenden Östrogenspiegel verändern sich die Schleimhäute im Genital- und Harnbereich. Zwei Fachgesellschaften fassen das als urogenitales Menopausensyndrom zusammen (Portman und Gass, 2014). Dazu gehören Trockenheit, Brennen, zu wenig Feuchtigkeit beim Sex, Schmerzen und Harndrang. Wer beim Sex Schmerzen erwartet, hat verständlicherweise weniger Lust.
Hier lohnt sich ein Termin in der gynäkologischen Praxis. Je nach Befund kommen Gleitmittel, Feuchtigkeitspräparate oder eine örtliche Behandlung infrage. Auch Schlafprobleme durch Hitzewallungen oder Medikamente können mitspielen.
Die Beziehung spielt mit
In einer australischen Langzeitstudie von Dennerstein und Kollegen (2005) mit 438 Frauen zwischen 45 und 55 Jahren hingen Lust und sexuelles Erleben stärker von der bisherigen Sexualität und den Gefühlen für den Partner ab als von den Hormonwerten. Schmerzen beim Sex hingen dagegen eng mit dem Östrogenspiegel zusammen. Körper und Beziehung brauchen also beide Aufmerksamkeit.
Was dem Paar hilft
Offen sprechen, ohne Schuld
Für die Frau ist es oft entlastend, Veränderungen benennen zu dürfen, ohne sich zu rechtfertigen. Für den Partner hilft das Wissen, dass die fehlende Lust selten gegen ihn gerichtet ist.
Nähe neu gestalten
Zärtlichkeit ohne Erwartung, mehr Zeit für Erregung und Pausen bei Schmerzen nehmen Druck. Sex muss nicht wie früher sein, um gut zu sein.
Begleitbeschwerden mitbehandeln
Schlechter Schlaf, Erschöpfung oder Stimmungstiefs dämpfen die Lust zusätzlich. Auch sie gehören in die Beratung.
Abgrenzung
Ist die Lust schon länger und unabhängig von den Wechseljahren abgeflaut, hilft der Ratgeber Keine Lust auf Sex in langer Beziehung. Um Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und Ängste in dieser Lebensphase geht es unter Wechseljahre und Psyche. Blutungen nach dem Sex oder nach der Menopause sollten immer gynäkologisch abgeklärt werden.
Das Audio-Programm für die Wechseljahre richtet sich an Frauen in dieser Lebensphase und kann begleitend helfen, Anspannung und innerer Unruhe ruhiger zu begegnen: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Es ist auch im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten, etwa zusammen mit Stress, Schlafstörungen und Selbstwertgefühl, die auch Partnern für die eigene Belastung offenstehen. Begleitend gedacht, kein Ersatz für gynäkologische Beratung oder Behandlung.
Häufige Fragen
Meine Frau hat in den Wechseljahren keine Lust mehr: Liegt es an mir?
Meist nicht allein. Hormone, Schmerzen beim Sex, Schlafmangel und Stimmung spielen oft eine große Rolle. Gleichzeitig prägen die Gefühle in der Beziehung die Lust mit, deshalb ist ein ruhiges Gespräch ohne Vorwurf ein guter Anfang.
Kommt die Lust nach den Wechseljahren zurück?
Das ist sehr unterschiedlich. In einer großen Langzeitstudie sank die sexuelle Funktion im Mittel rund um die letzte Regelblutung und danach langsamer weiter, dahinter stehen aber sehr verschiedene Verläufe. Werden körperliche Beschwerden wie Trockenheit behandelt, kann Sex wieder angenehmer werden.
Was hilft, wenn Sex in den Wechseljahren wehtut?
Schmerzen beim Sex sind ein Grund für einen Termin in der gynäkologischen Praxis und nichts, was man aushalten muss. Je nach Ursache kommen Gleitmittel, Feuchtigkeitspräparate oder eine örtliche Behandlung infrage. Bis dahin hilft es, auf schmerzhafte Praktiken zu verzichten und mehr Zeit für Erregung einzuplanen.
Helfen Hormone gegen die fehlende Lust in den Wechseljahren?
Hormone können körperliche Beschwerden lindern, die die Lust dämpfen, etwa Trockenheit oder Hitzewallungen. Die Lust selbst hängt laut Studien aber stark auch von Beziehung und bisheriger Sexualität ab. Ob eine Hormonbehandlung passt, ist eine individuelle Entscheidung mit der gynäkologischen Praxis.
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Quellen (Auswahl)
- Avis et al. (2017): Change in sexual functioning over the menopausal transition: results from the Study of Womens Health Across the Nation, Menopause 24(4) Quelle lesen →
- Dennerstein, Lehert & Burger (2005): The relative effects of hormones and relationship factors on sexual function of women through the natural menopausal transition, Fertility and Sterility 84(1) Quelle lesen →
- Portman & Gass (2014): Genitourinary syndrome of menopause: new terminology for vulvovaginal atrophy, Menopause 21(10) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).