Rauchen aufhören nach 30 Jahren: Lohnt es sich noch?
Ja, es lohnt sich: Wer mit 50 aufhört, gewinnt laut Langzeitstudie im Schnitt etwa 6 Lebensjahre, mit 60 etwa 3. Der Stopp nach Jahrzehnten hat aber eigene Hürden.
Die kurze Antwort
Ja, es lohnt sich, auch nach 30 oder 40 Jahren. Die bekannteste Langzeitstudie dazu begleitete britische Ärzte über 50 Jahre (Doll u. a. 2004): Wer mit 60 aufhörte, gewann im Durchschnitt etwa 3 Lebensjahre, mit 50 etwa 6, mit 40 etwa 9 Jahre. Eine große Untersuchung mit über 200.000 Erwachsenen in den USA (Jha u. a. 2013) kam zu ähnlichen Zahlen: Wer zwischen 45 und 54 aufhörte, gewann etwa 6 Jahre, wer zwischen 55 und 64 aufhörte, etwa 4 Jahre. Der Körper beginnt sich schon in den ersten Tagen zu erholen, unabhängig davon, wie lange Sie geraucht haben.
Was sich nach dem Rauchstopp noch verbessert
- Herz und Gefäße: Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sinkt in den ersten Jahren deutlich, auch bei langjährigen Raucherinnen und Rauchern. Siehe Was passiert im Körper, wenn man aufhört zu rauchen?
- Lunge: Verlorene Lungenfunktion kommt nicht zurück, aber der weitere Abbau verlangsamt sich auf das Tempo von Nichtrauchern. Husten und Atemnot bessern sich oft innerhalb von Wochen bis Monaten.
- Krebsrisiko: Es sinkt mit jedem rauchfreien Jahr, erreicht aber nicht ganz das Niveau von Menschen, die nie geraucht haben. Deshalb lohnt sich ein früher Stopp mehr als ein später, und ein später mehr als keiner.
- Alltag: Geruch, Geschmack, Kondition, Zähne, Haut und Geld. Wer 30 Jahre lang eine Schachtel am Tag geraucht hat, hat dafür grob gerechnet mehr als 50.000 Euro ausgegeben.
Warum der Stopp nach Jahrzehnten anders ist
Nach 30 Jahren ist die Zigarette an Hunderte Alltagsmomente gekoppelt: der Kaffee, das Telefonat, die Pause, der Feierabend. Das Nikotinverlangen selbst ist nach einigen Wochen weitgehend vorbei, die Gewohnheit nicht. Viele langjährige Raucherinnen und Raucher berichten deshalb, dass die ersten Wochen leichter waren als erwartet und die Monate danach schwerer, weil bestimmte Situationen immer wieder an die Zigarette erinnern. Siehe Wie lange dauert das Rauchverlangen? und Wie lange dauert es, eine Gewohnheit zu ändern?
Dazu kommt oft die Erfahrung gescheiterter Versuche. Das ist normal: Die meisten Menschen brauchen mehrere Anläufe, bis der Rauchstopp hält. Jeder Versuch ist Übung, kein Beweis, dass es nicht geht. Siehe Warum schaffe ich den Rauchstopp nicht?
Was langjährigen Rauchern besonders hilft
- Ärztliche Begleitung: Nikotinersatz (Pflaster, Kaugummi) erhöht die Erfolgschancen laut Cochrane um etwa die Hälfte, verschreibungspflichtige Wirkstoffe wie Vareniclin verdoppeln sie etwa. Die Hausarztpraxis kann auch Lunge und Herz-Kreislauf prüfen.
- Auslöser einzeln angehen: Nicht alles auf einmal ändern, sondern die drei stärksten Zigaretten des Tages ersetzen. Siehe Kaffee ohne Zigarette und Zigarette nach dem Essen abgewöhnen.
- Mit der Gewichtssorge umgehen: Viele nehmen nach dem Stopp einige Kilo zu. Das Gesundheitsrisiko dieser Kilos ist deutlich kleiner als das des Rauchens. Siehe Rauchen aufhören ohne zuzunehmen.
- Stimmung im Blick behalten: Gereiztheit und gedrückte Stimmung in den ersten Wochen sind Teil des Entzugs. Siehe Gereizt nach dem Rauchstopp und Traurigkeit nach dem Rauchstopp.
- Entspannung als Ersatz: Die Zigarette war oft die einzige feste Pause am Tag. Regelmäßige Entspannung, etwa mit einer Audio-Hypnose, kann helfen, eine neue Pause ohne Zigarette aufzubauen. Siehe Hilft Hypnose beim Rauchen aufhören?
Das Audio-Hypnose-Programm Rauchen aufhören richtet sich an Erwachsene, die ihren Rauchstopp mit regelmäßiger Entspannung begleiten möchten. Online im Browser.
Häufige Fragen
Lohnt es sich, nach 30 Jahren mit dem Rauchen aufzuhören?
Ja. In einer 50-jährigen Langzeitstudie gewannen Männer, die mit 50 aufhörten, im Durchschnitt etwa 6 Lebensjahre, mit 60 noch etwa 3 Jahre. Herz-Kreislauf-Risiken sinken schon in den ersten Jahren nach dem Stopp.
Erholt sich die Lunge nach 30 Jahren Rauchen noch?
Verlorene Lungenfunktion kommt nicht zurück, aber der weitere Abbau verlangsamt sich nach dem Stopp auf das normale Tempo. Husten und Atemnot bessern sich oft innerhalb von Wochen bis Monaten. Bei anhaltender Atemnot bitte ärztlich abklären lassen.
Warum fällt der Rauchstopp nach so vielen Jahren so schwer?
Weil die Zigarette an Hunderte Alltagsmomente gekoppelt ist. Das Nikotinverlangen ist nach einigen Wochen meist vorbei, die Gewohnheit braucht länger. Ärztliche Begleitung und das gezielte Ersetzen der stärksten Auslöser helfen.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Doll, Peto, Boreham & Sutherland (2004): Mortality in relation to smoking: 50 years' observations on male British doctors, BMJ 328(7455), 1519
- Jha u. a. (2013): 21st-century hazards of smoking and benefits of cessation in the United States, New England Journal of Medicine 368(4), 341-350
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wenden Sie sich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).