Kopfschmerzen durch Stress: Woran Sie sie erkennen und was hilft
Ein Druck wie ein Band um den Kopf, und das immer dann, wenn es viel wird? Viele kennen Kopfschmerzen durch Stress. Woran Sie sie erkennen, was wirklich hilft und wann Sie besser ärztlich nachfragen.
Kopfschmerzen durch Stress: Die kurze Antwort
Kopfschmerzen durch Stress sind meist Spannungskopfschmerzen: ein drückender, beidseitiger Schmerz, leicht bis mittelstark, der bei Alltagsbewegung nicht schlimmer wird (Internationale Kopfschmerzgesellschaft, 2018). Stress gehört bei Spannungskopfschmerz und Migräne zu den häufigsten Auslösern. Am besten helfen regelmäßige Pausen, Bewegung, ein erlerntes Entspannungsverfahren, genug Schlaf und regelmäßige Mahlzeiten. Schmerzmittel sollten Sie nicht zu oft nehmen.
Woran Sie Stress-Kopfschmerzen erkennen
Die internationale Kopfschmerzklassifikation beschreibt den Spannungskopfschmerz so: Er dauert 30 Minuten bis sieben Tage und hat mindestens zwei dieser vier Merkmale (Internationale Kopfschmerzgesellschaft, 2018):
- beidseitig, oft wie ein Band um den Kopf oder ein Druck auf Stirn und Schläfen
- drückend oder beengend, nicht pulsierend
- leicht bis mittelstark
- nicht verstärkt durch Alltagsaktivität wie Gehen oder Treppensteigen
Übelkeit gehört nicht dazu. Pochender, einseitiger Schmerz mit Übelkeit, der bei Bewegung schlimmer wird, spricht eher für Migräne. Früher wurde der Spannungskopfschmerz auch „Stresskopfschmerz“ genannt.
Stress und Kopfschmerzen: der Zusammenhang
In einer Befragung von Menschen mit Migräne oder Spannungskopfschmerz gehörten Stress und Anspannung in beiden Gruppen zu den häufigsten Auslösern, zusammen mit unregelmäßigem Essen, Müdigkeit und Schlafmangel (Spierings und Kollegen, 2001). In einer großen Studie mit 1.207 Menschen mit Migräne stand Stress mit 79,7 Prozent an der Spitze der genannten Auslöser (Kelman, 2007). Unter Druck spannen viele unbemerkt Nacken, Schultern und Kiefer an. Mehr dazu unter Nackenverspannung durch Stress: Was hilft?
Kopfschmerzen bei Stress oder erst danach?
Manche bekommen ihre Kopfschmerzen nicht mitten im Stress, sondern wenn er nachlässt, etwa am ersten Urlaubstag oder am Wochenende. Für Migräne gibt es dazu eine kleine Tagebuchstudie mit 17 Teilnehmenden: Wenn der Stress von einem Abend zum nächsten nachließ, stieg die Wahrscheinlichkeit einer Attacke in den folgenden Stunden (Lipton und Kollegen, 2014). Für Spannungskopfschmerzen ist dieser Zusammenhang nicht gut untersucht. Wenn Ihre Kopfschmerzen eher abends kommen, hilft der Beitrag Kopfschmerzen abends schlimmer: Warum?
Was bei Kopfschmerzen durch Stress hilft
- Pausen einplanen: Stehen Sie regelmäßig auf, lockern Sie Schultern und Kiefer, schauen Sie vom Bildschirm weg.
- Bewegen: Ausdauerbewegung wie zügiges Gehen oder Radfahren baut Anspannung ab.
- Entspannung lernen: Progressive Muskelentspannung oder Biofeedback. Eine Auswertung von 94 Studien fand für Biofeedback bei Spannungskopfschmerz und Migräne mittlere bis große Effekte, vor allem auf die Zahl der Kopfschmerztage. Die Effekte blieben über eine Nachbeobachtung von im Mittel 14 Monaten stabil (Nestoriuc und Kollegen, 2008).
- Schlaf, Essen und Trinken: Regelmäßig schlafen, keine Mahlzeiten auslassen, genug trinken.
- Kopfschmerztagebuch führen: So erkennen Sie, wann und wodurch die Schmerzen kommen.
Wie Spannungskopfschmerzen allgemein behandelt werden, lesen Sie unter Was hilft bei Spannungskopfschmerzen? Wenn der Stress überhandnimmt, hilft der Beitrag Warum stresst mich alles?
Vorsicht mit Schmerzmitteln
Wer zu oft Schmerzmittel nimmt, kann dadurch selbst häufiger Kopfschmerzen bekommen. Die internationale Klassifikation spricht von einem Kopfschmerz durch Übergebrauch, wenn Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat auftreten und über mehr als drei Monate einfache Schmerzmittel an 15 oder mehr Tagen oder Triptane oder Kombinationspräparate an 10 oder mehr Tagen im Monat eingenommen wurden (Internationale Kopfschmerzgesellschaft, 2018). Wenn Sie so oft zu Tabletten greifen, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Rufen Sie sofort den Notruf 112 bei plötzlich einsetzenden, heftigsten Kopfschmerzen, bei Kopfschmerzen mit Fieber und steifem Nacken oder mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen oder Verwirrtheit. Ärztlich abklären lassen sollten Sie auch Kopfschmerzen, die im höheren Alter neu beginnen, sich in ihrem Muster deutlich verändern, ständig zunehmen oder nach einer Kopfverletzung auftreten.
Wo ein Audio-Programm ergänzen kann
Wenn Stress der Auslöser ist, kann regelmäßige Entspannung helfen, die Anspannung früher abzufangen, bevor sie im Kopf ankommt. Das Audio-Hypnose-Programm bei Kopfschmerzen läuft online im Browser, ist als Begleitung gedacht und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Was Studien zur Hypnose bei Kopfschmerzen sagen, lesen Sie unter Hilft Hypnose bei Kopfschmerzen?
Wenn Stress Ihre Kopfschmerzen auslöst, kann regelmäßige Entspannung helfen, die Anspannung früher abzufangen. Das Audio-Hypnose-Programm bei Kopfschmerzen kann Sie dabei begleiten. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Einzeln oder im Jahresabo, online im Browser.
Häufige Fragen
Kann Stress Kopfschmerzen auslösen?
Ja. Stress gehört bei Spannungskopfschmerz und Migräne zu den häufigsten Auslösern. In einer großen Studie mit Menschen mit Migräne war Stress der am häufigsten genannte Auslöser. Unter Druck spannen viele zudem Nacken, Schultern und Kiefer an.
Wie fühlen sich Kopfschmerzen bei Stress an?
Meist drückend oder beengend, auf beiden Seiten des Kopfes, leicht bis mittelstark, oft wie ein Band um den Kopf. Sie werden bei Bewegung nicht schlimmer, und Übelkeit gehört nicht dazu. Das sind die typischen Merkmale des Spannungskopfschmerzes.
Was hilft gegen Kopfschmerzen durch Stress?
Regelmäßige Pausen, Bewegung, ein erlerntes Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder Biofeedback, genug Schlaf und regelmäßiges Essen und Trinken. Für Biofeedback zeigt eine Auswertung von 94 Studien mittlere bis große Effekte auf die Zahl der Kopfschmerztage.
Wie oft darf ich bei Stress Kopfschmerztabletten nehmen?
Nicht zu oft. Wer über mehr als drei Monate einfache Schmerzmittel an 15 oder mehr Tagen oder Triptane oder Kombinationspräparate an 10 oder mehr Tagen im Monat nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Übergebrauch. Sprechen Sie dann mit Ihrer Hausarztpraxis.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Headache Classification Committee of the International Headache Society (2018): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition, Cephalalgia 38(1), 1-211 Quelle lesen →
- Spierings, Ranke & Honkoop (2001): Precipitating and aggravating factors of migraine versus tension-type headache, Headache 41(6), 554-558 Quelle lesen →
- Kelman (2007): The triggers or precipitants of the acute migraine attack, Cephalalgia 27(5), 394-402 Quelle lesen →
- Lipton, Buse, Hall, Tennen, Defreitas et al. (2014): Reduction in perceived stress as a migraine trigger: testing the "let-down headache" hypothesis, Neurology 82(16), 1395-1401 Quelle lesen →
- Nestoriuc, Martin, Rief & Andrasik (2008): Biofeedback treatment for headache disorders: a comprehensive efficacy review, Applied Psychophysiology and Biofeedback 33(3), 125-140 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wenden Sie sich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).