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Rücken · Psyche

Können Rückenschmerzen psychisch sein?

Ja, und vor allem kann die Psyche mitentscheiden, ob Rückenschmerzen wieder gehen oder bleiben. Eingebildet sind sie deshalb nicht.

Stand: Redaktioneller Beitrag · quellenbasiert Redaktionell geprüft
Yellow Flagspsychosoziale Risikofaktoren
96 %Abnutzung bei beschwerdefreien 80-Jährigen
keine Bettruhelaut Leitlinie
NVL KreuzschmerzAWMF nvl-007

Die kurze Antwort

Ja, die Psyche kann Rückenschmerzen mitverursachen und vor allem dazu beitragen, dass sie bleiben. Eingebildet sind sie deshalb nicht: Der Schmerz ist echt. Häufig findet sich keine eindeutige körperliche Ursache, Fachleute sprechen dann von nicht-spezifischen Rückenschmerzen. Bei ihnen wirken Körper, Psyche und Lebensumstände zusammen.

Das biopsychosoziale Modell

Schmerz entsteht nicht nur im Gewebe, er wird im Nervensystem verarbeitet und bewertet. Deshalb betrachtet die Medizin Rückenschmerzen aus drei Richtungen: körperlich (Muskeln, Gelenke, Bandscheiben), psychisch (Stress, Stimmung, Gedanken über den Schmerz) und sozial (Arbeit, Familie, Unterstützung).

Unter Stress spannen sich die Muskeln entlang der Wirbelsäule an, der Schlaf wird oft schlechter und Schmerzen werden stärker empfunden. Wer sich Sorgen um seinen Rücken macht, bewegt sich zudem vorsichtiger und steifer. Kurzfristig ist das eine sinnvolle Schutzreaktion, auf Dauer kann sie den Schmerz verlängern.

Wie wenig ein Bild allein erklärt, zeigt eine Übersichtsarbeit im American Journal of Neuroradiology: Abnutzungszeichen der Bandscheiben fanden sich bei 37 Prozent der beschwerdefreien 20-Jährigen und bei 96 Prozent der beschwerdefreien 80-Jährigen. Ein auffälliges MRT ist also nicht automatisch die Ursache.

Yellow Flags: Wenn die Psyche den Schmerz hält

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz nennt psychosoziale Risikofaktoren, die das Chronischwerden begünstigen, sogenannte Yellow Flags:

  • Niedergeschlagenheit und negativer Stress, besonders im Beruf
  • Katastrophisieren, also das Schlimmste erwarten
  • Angst vor Bewegung und ausgeprägtes Schonverhalten
  • das Gegenteil: Durchhalten um jeden Preis
  • Hilf- und Hoffnungslosigkeit

Hinzu kommen Faktoren am Arbeitsplatz wie wenig Unterstützung, Unzufriedenheit oder Dauerkonflikte. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Spine fand, dass vor allem psychische Belastung und depressive Stimmung das Risiko erhöhen, dass Rückenschmerzen chronisch werden. Was dabei im Nervensystem geschieht, erklärt die Seite Warum werden Schmerzen chronisch?.

Red Flags: sofort abklären

Sofort in die Notaufnahme, notfalls über 112 (Deutschland) oder 144 (Schweiz), bei Taubheit im Genital- und Gesäßbereich, plötzlichen Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang oder zunehmender Schwäche in den Beinen. Zeitnah ärztlich abklären lassen sollte man Rückenschmerzen mit Fieber oder Schüttelfrost, nach einem Unfall oder Sturz, bei Krebs in der Vorgeschichte, ungewolltem Gewichtsverlust oder starken nächtlichen Schmerzen.

Was hilft

Die Leitlinie rät ausdrücklich von Bettruhe ab und empfiehlt, körperliche Aktivitäten so weit wie möglich beizubehalten. Bei chronischen Rückenschmerzen empfiehlt sie kognitive Verhaltenstherapie im Rahmen von Bewegungsprogrammen oder multimodaler Behandlung sowie die progressive Muskelentspannung. Ohne Warnzeichen ist bei akuten Rückenschmerzen keine Bildgebung vorgesehen.

Hypnose wird in der Leitlinie nicht eigens empfohlen. Als Entspannungsverfahren kann sie begleitend helfen, Anspannung und Stress zu senken, nicht als Ersatz für Bewegung und ärztliche Behandlung.

Den Schmerz nicht nur über den Körper angehen

Das Audio-Hypnose-Programm bei chronischen Schmerzen setzt auf Entspannung und einen gelasseneren Umgang mit dem Schmerz, begleitend zu Bewegung und ärztlicher Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.

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Häufige Fragen

Woran erkennt man, dass Rückenschmerzen psychisch mitbedingt sind?

Hinweise sind ein enger Zusammenhang mit Stressphasen, starke Sorgen oder Angst vor Bewegung, Niedergeschlagenheit und Schmerzen, die trotz unauffälliger Befunde bleiben. Eine scharfe Trennung gibt es nicht, meist wirken körperliche und psychische Faktoren zusammen.

Sind psychisch bedingte Rückenschmerzen eingebildet?

Nein. Der Schmerz ist real und wird im Nervensystem verarbeitet, das unter Stress und Angst empfindlicher reagiert. Die Psyche beeinflusst, wie stark Schmerz erlebt wird und ob er chronisch wird.

Brauche ich bei Rückenschmerzen ein MRT?

Bei akuten Rückenschmerzen ohne Warnzeichen meist nicht. Viele Veränderungen im MRT finden sich auch bei Menschen ohne Beschwerden und können unnötig verunsichern. Halten die Schmerzen trotz Behandlung vier bis sechs Wochen an, wird erneut geprüft, ob eine Bildgebung sinnvoll ist.

Soll ich mich bei Rückenschmerzen schonen?

Bettruhe wird ausdrücklich nicht empfohlen. Die Leitlinie rät, alltägliche Aktivitäten so weit wie möglich beizubehalten. Ausgeprägte Angst vor Bewegung gilt sogar als Risikofaktor dafür, dass Schmerzen chronisch werden.

Unibee-Redaktion

Redaktioneller Beitrag auf Basis veröffentlichter Fachliteratur (siehe Quellen). Die genannten Audio-Hypnose-Programme sind methodisch konzipiert von Ingo Michael Simon, Diplom-Pädagoge (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie, Hypnosetherapeut, über 30 Jahre Praxiserfahrung.

Quellen (Auswahl)

  • BÄK, KBV, AWMF (2017): Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, AWMF nvl-007
  • Brinjikji et al. (2015): Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations, American Journal of Neuroradiology 36(4)
  • Pincus et al. (2002): A systematic review of psychological factors as predictors of chronicity/disability in prospective cohorts of low back pain, Spine 27(5)

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).

Ingo Simon
Ingo Simon
Diplom-Pädagoge univ. · Heilpraktiker für Psychotherapie · 30 Jahre Erfahrung
Ingo Simon ist Gründer des Unibee Instituts und Autor von 349 Fachbüchern. Er ist mit eigener Praxis im Saarland und in der Schweiz tätig, seine Audio-Hypnose-Programme sind im gesamten deutschsprachigen Raum erhältlich. Alle Audio-Hypnosen werden von ihm persönlich entwickelt und von einem professionellen deutschen Sprecher eingesprochen.
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