Was tun bei PTBS-Flashbacks?
Ein Geräusch, ein Geruch, und plötzlich ist man wieder mitten im Geschehen. Flashbacks lassen sich im Moment abschwächen, und mit der richtigen Behandlung werden sie bei vielen deutlich seltener.
Wenn die Vergangenheit zur Gegenwart wird
Ein Geräusch, ein Geruch, ein Satz, und plötzlich ist man wieder mitten im Geschehen. Bei einem Flashback wird eine traumatische Erinnerung nicht als Erinnerung erlebt, sondern so, als würde sie jetzt passieren: mit denselben Bildern, Gefühlen und Körperreaktionen. Flashbacks gehören zu den Kernsymptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Warum Flashbacks entstehen
Nach dem Modell von Anke Ehlers und David Clark wird ein Trauma im Gedächtnis anders abgespeichert als gewöhnliche Erlebnisse. Die Erinnerung ist schlecht mit Zeit und Ort verknüpft, ihr fehlt gewissermaßen der Stempel „vorbei“. Gleichzeitig sind Sinneseindrücke aus der Situation stark eingeprägt. Ein ähnlicher Reiz im Alltag kann die Erinnerung deshalb schlagartig aktivieren, oft ohne dass man den Auslöser bewusst bemerkt.
Was im Flashback hilft
Ziel ist, im Hier und Jetzt anzukommen. Fachleute sprechen von Erdungs- oder Grounding-Techniken:
Sich selbst orientieren
Laut oder innerlich sagen: „Das ist eine Erinnerung. Heute ist [Datum]. Ich bin in [Ort]. Ich bin jetzt sicher.“ Das verbindet die Erinnerung mit dem Hier und Jetzt.
Die Sinne nutzen
Fünf Dinge benennen, die man sieht, vier, die man hört, drei, die man spürt. Starke Reize helfen besonders: ein kaltes Getränk, ein Eiswürfel in der Hand, ein intensiver Duft wie Pfefferminzöl.
Den Körper spüren
Die Füße fest auf den Boden drücken, die Sitzfläche unter sich wahrnehmen, bewusst die Hände aneinanderreiben. Langsames Ausatmen beruhigt zusätzlich.
Nach dem Flashback
Flashbacks sind erschöpfend. Danach helfen Ruhe, Wärme und etwas Vertrautes. Hilfreich ist, sich später zu notieren, was vorher passiert ist, so lassen sich Auslöser nach und nach erkennen.
Was dauerhaft hilft
Die deutsche S3-Leitlinie zur Posttraumatischen Belastungsstörung empfiehlt traumafokussierte Psychotherapien, insbesondere traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und EMDR. Sie helfen, das Erlebte so zu verarbeiten, dass es als vergangen abgespeichert wird. Flashbacks werden dadurch bei vielen Betroffenen deutlich seltener oder verschwinden.
Entspannungs- und Stabilisierungsverfahren, auch Hypnose zur Entspannung, können helfen, das Nervensystem zu beruhigen und Sicherheit zu erleben. Die eigentliche Traumaverarbeitung gehört aber in eine traumatherapeutische Behandlung.
Wer akut in einer Krise ist oder Gedanken hat, sich etwas anzutun: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143. Im Notfall den Notruf 112 wählen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Posttraumatischer Belastungsstörung setzt auf Entspannung und Stabilisierung, ausschließlich begleitend zu einer traumatherapeutischen Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Flashback?
Das ist sehr unterschiedlich, von wenigen Sekunden bis zu längeren Phasen. Erdungstechniken können helfen, schneller wieder im Hier und Jetzt anzukommen.
Kann man Flashbacks verhindern?
Nicht vollständig, aber ihre Häufigkeit lässt sich senken. Auslöser zu kennen hilft im Alltag. Dauerhaft wirksam ist vor allem eine traumafokussierte Psychotherapie, die das Erlebte verarbeitet.
Wie kann ich jemandem während eines Flashbacks helfen?
Ruhig sprechen, mit Namen ansprechen, an Ort und Zeit erinnern und nicht ohne Vorwarnung berühren. Fragen, was die Person braucht, und sie nicht drängen, über das Erlebte zu sprechen.
Sind Flashbacks immer ein Zeichen für PTBS?
Nicht zwingend. Belastende Erinnerungen können nach schweren Erlebnissen auch vorübergehend auftreten. Halten sie länger als einige Wochen an und beeinträchtigen den Alltag, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- DeGPT u.a.: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, AWMF 155-001
- Ehlers & Clark (2000): A cognitive model of posttraumatic stress disorder, Behaviour Research and Therapy 38
- Brewin et al. (2010): Intrusive images in psychological disorders: characteristics, neural mechanisms, and treatment implications, Psychological Review 117(1)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).