Warum entsteht eine PTBS?
Ob aus einem Trauma eine PTBS wird, hängt stark davon ab, was danach passiert. Warum Unterstützung einer der wichtigsten Schutzfaktoren ist.
Die kurze Antwort
Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht nach einem extrem belastenden Erlebnis, etwa einem Unfall, Gewalt, sexuellen Übergriffen, Krieg oder dem plötzlichen Tod eines nahestehenden Menschen. Nicht jeder, der so etwas erlebt, entwickelt eine PTBS. Ob es dazu kommt, hängt davon ab, wie schwer das Erlebnis war, wie verletzlich man vorher war und vor allem davon, wie viel Unterstützung man danach bekommt.
Was im Gehirn passiert
Während eines Traumas schaltet das Gehirn in den Überlebensmodus. Die Erinnerung wird dabei oft nicht wie ein normales Erlebnis als Geschichte mit Anfang und Ende abgespeichert, sondern in Bruchstücken aus Bildern, Geräuschen, Gerüchen und Körpergefühlen. Solche Fragmente können später durch kleine Auslöser abgerufen werden. Dann fühlt es sich an, als passiere das Trauma gerade wieder. Gleichzeitig bleibt das Alarmsystem überempfindlich.
Welche Faktoren das Risiko erhöhen
Eine große Metaanalyse von Chris Brewin und Kollegen hat Risikofaktoren untersucht. Ein wichtiges Ergebnis: Faktoren während und nach dem Trauma wirkten etwas stärker als Faktoren davor.
Während und nach dem Trauma
- Schwere und Dauer des Erlebnisses
- fehlende soziale Unterstützung danach
- zusätzliche Belastungen im Leben
Vor dem Trauma
- frühere psychische Erkrankungen
- Belastungen und Misshandlung in der Kindheit
- psychische Erkrankungen in der Familie
Was ein Trauma von einem schlimmen Erlebnis unterscheidet
Nicht jedes belastende Ereignis ist im fachlichen Sinn ein Trauma. Gemeint sind Erlebnisse, bei denen das eigene Leben oder die körperliche Unversehrtheit bedroht war oder man solche Situationen bei anderen miterlebt hat. Auch wiederholte Belastungen über lange Zeit, etwa Gewalt in der Kindheit, können tiefe Spuren hinterlassen. In diesem Fall sprechen Fachleute von einer komplexen PTBS.
Wann eine PTBS beginnt
Die meisten Beschwerden beginnen in den ersten Wochen nach dem Erlebnis. Unmittelbar danach sind starke Reaktionen wie Schock, Albträume oder Schreckhaftigkeit normal und klingen bei vielen von selbst ab. Halten sie länger als etwa einen Monat an und schränken den Alltag ein, kann eine PTBS vorliegen. Manchmal setzen die Beschwerden auch erst Monate oder Jahre später ein, etwa wenn eine neue Belastung hinzukommt.
Typische Beschwerden
- ungewolltes Wiedererleben in Form von Erinnerungen, Albträumen oder Flashbacks
- Vermeidung von allem, was an das Erlebnis erinnert
- Daueranspannung, Schreckhaftigkeit, Schlafprobleme
- negative Gedanken über sich und die Welt, Gefühlstaubheit
Was hilft
Die S3-Leitlinie empfiehlt traumafokussierte Psychotherapien als erste Wahl. Sie gelten als gut wirksam. Ebenso wichtig ist Unterstützung durch nahe Menschen. Ergänzend können Entspannungsverfahren und Hypnose helfen, die Grundanspannung zu senken, sie ersetzen aber keine Traumatherapie. Bei Suizidgedanken hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Das Audio-Hypnose-Programm bei posttraumatischer Belastungsstörung setzt auf Tiefenentspannung und innere Sicherheit, begleitend zur Traumatherapie, nicht als Ersatz. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Warum entsteht eine PTBS?
Nach einem extrem belastenden Erlebnis wird die Erinnerung oft bruchstückhaft gespeichert, und das Alarmsystem bleibt überempfindlich. Ob eine PTBS entsteht, hängt von der Schwere des Erlebnisses, der Vorgeschichte und vor allem von der Unterstützung danach ab.
Bekommt jeder nach einem Trauma eine PTBS?
Nein. Die meisten Menschen erholen sich nach einem Trauma, auch wenn es anfangs starke Reaktionen gibt. Nur ein Teil entwickelt eine anhaltende PTBS.
Wann beginnt eine PTBS nach einem Trauma?
Meist in den ersten Wochen. Halten starke Beschwerden länger als etwa einen Monat an und schränken den Alltag ein, kann eine PTBS vorliegen. Manchmal beginnen sie auch erst Monate oder Jahre später.
Was schützt vor einer PTBS?
Gute soziale Unterstützung nach dem Erlebnis gehört zu den wichtigsten Schutzfaktoren. Auch das frühe Gespräch mit Fachleuten kann helfen, wenn die Beschwerden nicht nachlassen.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Brewin, Andrews & Valentine (2000): Meta-analysis of risk factors for posttraumatic stress disorder in trauma-exposed adults, Journal of Consulting and Clinical Psychology 68(5)
- DeGPT: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, AWMF 155-001 (2019)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).