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Fremdsprache · Sprechangst

Warum traue ich mich nicht, eine Fremdsprache zu sprechen?

Die Hemmung, eine Fremdsprache zu sprechen, ist so verbreitet, dass die Forschung ihr einen eigenen Namen gegeben hat. Mit fehlendem Talent hat sie wenig zu tun.

Stand: Redaktioneller Beitrag · quellenbasiert Redaktionell geprüft
1986Fremdsprachenangst erstmals beschrieben
3 AnteileMitteilen, Prüfung, Bewertung
Perfektionismusbei ängstlichen Lernenden stärker
1.700+Lernende in der Studie zu Freude und Angst

Eine eigene Form von Angst

Die Vokabeln sitzen, die Grammatik ist verstanden, und trotzdem kommt im Gespräch kein Wort heraus. Das ist kein Zeichen von Unfähigkeit. Die Sprachforscherin Elaine Horwitz und ihr Team beschrieben 1986 die Fremdsprachenangst als eigenes Phänomen. Sie betrifft auch Menschen, die in anderen Bereichen gut lernen, motiviert sind und die Sprache mögen.

Warum gerade das Sprechen so schwerfällt

Man wirkt kleiner, als man ist

In der Muttersprache kann man witzig, genau und differenziert sein. In der Fremdsprache klingt man mit einfachen Sätzen wie eine vereinfachte Version seiner selbst. Horwitz beschrieb genau das: Jeder Satz in der neuen Sprache stellt das Selbstbild als kompetenter Gesprächspartner infrage, und das eigene Auftreten fühlt sich weniger echt an.

Die Angst vor Bewertung

Die Forschung unterscheidet drei Anteile: die Angst, sich mitzuteilen, die Angst vor Prüfungssituationen und die Angst, von anderen negativ beurteilt zu werden. Im Gespräch kommen oft alle drei zusammen. Man spricht, wird gehört und fühlt sich geprüft.

Leicht entsteht daraus ein Kreislauf: Wer aus Angst weniger spricht, sammelt weniger Erfahrung, bleibt dadurch unsicher und meidet das Sprechen beim nächsten Mal noch mehr.

Perfektionismus

Tammy Gregersen und Elaine Horwitz ließen Lernende ihre eigene aufgezeichnete Sprechleistung beurteilen. Die ängstlichen unter ihnen legten höhere Maßstäbe an, sorgten sich stärker um Fehler und um das Urteil anderer und schoben häufiger auf. Wer nur fehlerfreie Sätze sagen will, sagt am Ende kaum welche.

Was hilft

  • Kleine Sprechanlässe: ein Satz beim Bäcker im Urlaub, eine Sprachnachricht an eine Tandempartnerin, ein kurzes Gespräch im Kurs. Mit jeder bewältigten Situation wird die nächste leichter.
  • Den Maßstab ändern: Ziel ist Verständigung, nicht Fehlerfreiheit. Wer das bewusst festlegt, nimmt dem Perfektionismus einen Teil seiner Grundlage.
  • Vorbereiten: typische Sätze für wiederkehrende Situationen vorab laut üben, dazu einen Rettungssatz wie „Einen Moment, ich suche das Wort“.
  • Freude suchen: Jean-Marc Dewaele und Peter MacIntyre befragten über 1.700 Lernende weltweit. Freude und Angst waren keine zwei Enden derselben Skala, sondern weitgehend eigenständige Gefühle. Situationen, die Spaß machen, lohnen sich also auch dann, wenn die Angst noch da ist.

Wann mehr dahintersteckt

Betrifft die Angst nicht nur die Fremdsprache, sondern fast jedes Sprechen vor anderen, kann eine soziale Angststörung dahinterstehen. Das gilt auch, wenn Herzrasen, Zittern oder Erröten so stark werden, dass Gespräche ganz vermieden werden. Dann ist vor allem kognitive Verhaltenstherapie wirksam. Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, die Anspannung vor Gesprächen zu senken, begleitend zum Üben, das sie nicht ersetzen.

Entspannter ins Gespräch gehen

Das Audio-Hypnose-Programm zum Fremdsprachenlernen setzt an Anspannung und Sprechhemmung an, begleitend zum regelmäßigen Üben, das es nicht ersetzt. Konzipiert von Ingo Michael Simon.

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Häufige Fragen

Ist Angst beim Sprechen einer Fremdsprache normal?

Ja, sie ist weit verbreitet und in der Sprachlernforschung gut beschrieben. Sie tritt auch bei Menschen auf, die sonst gut lernen und motiviert sind. Mit fehlendem Talent hat sie wenig zu tun.

Warum verstehe ich viel, kann aber kaum sprechen?

Verstehen und Sprechen sind unterschiedliche Fähigkeiten. Beim Sprechen muss man Wörter selbst abrufen und Sätze in Echtzeit bilden, und genau dort setzt die Angst vor Fehlern an. Sprechfähigkeit entsteht deshalb vor allem durch Sprechen.

Was tun, wenn im Gespräch der Kopf leer ist?

Kurz durchatmen, um Wiederholung bitten oder einfacher formulieren. Ein vorbereiteter Satz in der Fremdsprache, etwa „Einen Moment, ich suche das Wort“, verschafft Zeit und nimmt Druck.

Hilft Hypnose beim Sprachenlernen?

Vokabeln oder Grammatik lassen sich per Hypnose nicht einspielen, dafür gibt es keine Belege. Als Entspannungsverfahren kann sie aber helfen, die Anspannung vor dem Sprechen zu senken, begleitend zum regelmäßigen Üben.

Unibee-Redaktion

Redaktioneller Beitrag auf Basis veröffentlichter Fachliteratur (siehe Quellen). Die genannten Audio-Hypnose-Programme sind methodisch konzipiert von Ingo Michael Simon, Diplom-Pädagoge (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie, Hypnosetherapeut, über 30 Jahre Praxiserfahrung.

Quellen (Auswahl)

  • Horwitz, Horwitz & Cope (1986): Foreign language classroom anxiety, The Modern Language Journal 70(2)
  • Gregersen & Horwitz (2002): Language learning and perfectionism: anxious and non-anxious language learners’ reactions to their own oral performance, The Modern Language Journal 86(4)
  • Dewaele & MacIntyre (2014): The two faces of Janus? Anxiety and enjoyment in the foreign language classroom, Studies in Second Language Learning and Teaching 4(2)

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).

Ingo Simon
Ingo Simon
Diplom-Pädagoge univ. · Heilpraktiker für Psychotherapie · 30 Jahre Erfahrung
Ingo Simon ist Gründer des Unibee Instituts und Autor von 349 Fachbüchern. Er ist mit eigener Praxis im Saarland und in der Schweiz tätig, seine Audio-Hypnose-Programme sind im gesamten deutschsprachigen Raum erhältlich. Alle Audio-Hypnosen werden von ihm persönlich entwickelt und von einem professionellen deutschen Sprecher eingesprochen.
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