Wie lernt man am besten?
Am besten lernt, wer sich selbst abfragt und den Stoff über mehrere Tage verteilt. Das fühlt sich oft mühsamer an als Wiederlesen, bringt aber deutlich mehr.
Die kurze Antwort
Am besten lernt man, indem man den Stoff aktiv aus dem Gedächtnis holt, statt ihn nur noch einmal anzusehen, und indem man die Lernzeit über mehrere Tage verteilt. Zu diesem Schluss kam eine große Übersichtsarbeit, in der ein Forschungsteam um John Dunlosky zehn verbreitete Lerntechniken bewertete. Nur Selbstabfragen und verteiltes Lernen erhielten die Bestnote. Markieren und Wiederlesen schnitten schwach ab.
Warum sich wirksames Lernen falsch anfühlt
Das Tückische: Die wirksamen Methoden fühlen sich im Moment mühsamer an. In einem bekannten Experiment von Henry Roediger und Jeffrey Karpicke lasen Studierende einen Text entweder mehrmals oder schrieben nach dem Lesen auf, was sie noch wussten. Nach fünf Minuten lag die Wiederlese-Gruppe vorn. Nach einer Woche behielt die Abruf-Gruppe deutlich mehr, obwohl wiederholtes Lesen das Gefühl gab, den Stoff sicherer zu können.
Ähnlich beim Mischen. Nate Kornell und Robert Bjork ließen Versuchspersonen die Malstile unbekannter Künstler lernen. Wer die Bilder verschiedener Künstler gemischt sah, ordnete später neue Bilder besser zu. Die meisten hielten trotzdem das geblockte Lernen für wirksamer, sogar nach ihrem eigenen Test.
So sieht das im Alltag aus
Abfragen statt wiederlesen
Nach jedem Abschnitt das Buch schließen und aufschreiben oder laut erklären, was hängen geblieben ist. Erst danach nachsehen. Karteikarten, Übungsfragen und alte Klausuren erfüllen denselben Zweck.
Verteilen statt pauken
Dieselbe Lernzeit auf mehrere kurze Einheiten an verschiedenen Tagen legen, statt alles am Vorabend zu lernen. Je länger das Wissen halten soll, desto größer dürfen die Abstände zwischen den Wiederholungen werden.
Mischen statt blocken
Verschiedene Aufgabentypen abwechseln, statt zwanzig gleiche hintereinander zu lösen. So übt man genau das, was in der Prüfung verlangt wird: zu erkennen, welcher Lösungsweg gefragt ist.
Erklären statt nicken
Bei jedem Punkt fragen: Warum ist das so, und wie hängt es mit dem zusammen, was ich schon weiß? Die Übersicht von Dunlosky bewertete solches Nachfragen und Selbsterklären immerhin mit mittlerem Nutzen.
Was die Methode nicht ersetzt
Ausreichend Schlaf und ungestörte Lernzeit sind keine Nebensache, sondern Voraussetzung dafür, dass Gelerntes aufgenommen und gefestigt wird. Wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz regelmäßiger Übung deutlich schwerfallen oder die Konzentration seit der Kindheit durchgehend fehlt, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.
Wenn Anspannung das Lernen blockiert
Wer vor lauter Druck nicht anfangen kann oder in Prüfungen einen leeren Kopf bekommt, hat oft kein Methodenproblem, sondern ein Anspannungsproblem. Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, diese Anspannung zu senken, begleitend zum eigentlichen Üben. Den Stoff selbst bringt kein Audio-Programm in den Kopf.
Das Audio-Hypnose-Programm für Schule und Studium setzt an Anspannung und Prüfungsdruck an, begleitend zum eigentlichen Üben und nicht als Ersatz dafür. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Wie oft sollte man Lernstoff wiederholen?
Mehrere kurze Wiederholungen an verschiedenen Tagen bringen mehr als eine lange Sitzung. Je länger das Wissen halten soll, desto größer dürfen die Abstände zwischen den Wiederholungen werden.
Bringt Markieren mit dem Textmarker etwas?
Wenig. In der großen Übersicht von Dunlosky und Kollegen erhielt das Markieren nur einen geringen Nutzen. Es kann beim ersten Lesen Orientierung geben, ersetzt aber nicht das Abfragen.
Warum vergesse ich trotz vielen Lesens so viel?
Wiederholtes Lesen erzeugt ein Gefühl von Vertrautheit, das leicht mit Können verwechselt wird. Ob etwas sitzt, zeigt sich erst, wenn man es ohne Vorlage abrufen muss. Genau diese Anstrengung beim Abrufen festigt das Wissen.
Hilft Hypnose beim Lernen?
Hypnose bringt keinen Stoff ins Gedächtnis, das leisten nur Abfragen und Wiederholen. Als Entspannungsverfahren kann sie aber helfen, Anspannung und Prüfungsdruck zu senken, die das Lernen und das Abrufen erschweren.
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Quellen (Auswahl)
- Dunlosky et al. (2013): Improving students’ learning with effective learning techniques: promising directions from cognitive and educational psychology, Psychological Science in the Public Interest 14(1)
- Roediger & Karpicke (2006): Test-enhanced learning: taking memory tests improves long-term retention, Psychological Science 17(3)
- Kornell & Bjork (2008): Learning concepts and categories: is spacing the „enemy of induction“?, Psychological Science 19(6)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).