Intervallfasten bei Schilddrüsenunterfunktion, geht das?
Ein pauschales Verbot gibt es nicht. Zwei Punkte sind aber zu beachten, und der wichtigste betrifft nicht das Fasten, sondern die medikamentöse Einstellung.
Was bei Schilddrüsenunterfunktion anders ist
Intervallfasten wird breit empfohlen, gerade Menschen mit Gewichtsproblemen hören oft, sie sollten es probieren. Bei Schilddrüsenunterfunktion gibt es dabei zwei Punkte, die eine Rolle spielen. Ein pauschales Verbot ist daraus aber nicht abzuleiten.
Der praktische Punkt: die Tabletteneinnahme
L-Thyroxin wird deutlich schlechter aufgenommen, wenn gleichzeitig gegessen wird. Deshalb die Standardempfehlung: morgens nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück.
Wer nach dem 16:8-Schema fastet und erst mittags isst, hat hier zunächst kein Problem, die Einnahme fällt ohnehin in die Fastenphase. Schwieriger wird es, wenn das Einnahmefenster durch wechselnde Essenszeiten unregelmäßig wird. Gleichmäßigkeit ist bei L-Thyroxin wichtiger als der genaue Zeitpunkt.
Auch zu beachten: Kaffee kann die Aufnahme beeinträchtigen. Eisen-, Kalzium- und Magnesiumpräparate gehören mit mehreren Stunden Abstand eingenommen.
Der physiologische Punkt: T3 sinkt beim Fasten
Bei längerem Energiemangel senkt der Körper die Umwandlung von T4 in das aktive T3 und produziert stattdessen mehr inaktives reverses T3. Das ist eine sinnvolle Energiesparreaktion und passiert bei allen Menschen.
Bei Schilddrüsenunterfunktion wird diskutiert, ob sich das stärker auswirkt, weil die Regulationsreserve bereits eingeschränkt ist. Die Datenlage dazu ist begrenzt. Was Betroffene berichten, wenn sie streng fasten: mehr Müdigkeit, Frieren, Konzentrationsprobleme, also genau die Beschwerden, die eine Unterfunktion ohnehin macht.
Warum Abnehmen bei Unterfunktion schwerer ist
Das ist real und kein Ausrede-Argument: Bei Unterfunktion ist der Grundumsatz gesenkt, oft um einige hundert Kilokalorien. Wer dieselbe Diät macht wie jemand mit normaler Schilddrüsenfunktion, nimmt langsamer ab.
Entscheidend ist deshalb zuerst die medikamentöse Einstellung. Bei gut eingestellter Funktion normalisiert sich der Grundumsatz weitgehend. Eine Diät bei schlecht eingestellter Unterfunktion arbeitet gegen einen Stoffwechsel, der auf Sparbetrieb läuft.
Was sinnvoll ist
- Zuerst die Einstellung prüfen: TSH und, je nach Befund, die freien Werte kontrollieren lassen, bevor eine Ernährungsumstellung startet.
- Einnahmezeit stabil halten: Ein fester Zeitpunkt mit Abstand zum Essen, egal welches Essmuster gewählt wird.
- Moderate Fastenfenster: Falls Intervallfasten gewünscht ist, ist 14:10 oder 16:8 verträglicher als lange Fastentage.
- Auf Signale achten: Zunehmende Müdigkeit, Frieren oder Leistungsabfall sprechen dafür, das Fenster zu verkürzen und ärztlich Rücksprache zu halten.
- Nicht in Selbstregie umstellen: Änderungen bei Hashimoto, in der Schwangerschaft oder bei Herzerkrankungen gehören ärztlich begleitet.
Was oft übersehen wird
Viele Betroffene führen jedes Gewichtsproblem auf die Schilddrüse zurück und übersehen dabei andere Faktoren: Schlafmangel, anhaltende Belastung, Bewegungsmangel, emotionales Essen. Bei gut eingestellter Funktion sind das meist die größeren Hebel.
Wo Entspannungsverfahren ansetzen
Sie beeinflussen die Schilddrüsenfunktion nicht. Sie können dort ansetzen, wo Belastung das Essverhalten steuert und wo Druck und Frustration eine Umstellung erschweren, als Ergänzung zur ärztlichen Einstellung, nicht als Ersatz.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Schilddrüsenunterfunktion setzt an Anspannung, Essverhalten und Krankheitsbelastung an, ergänzend zur ärztlichen Einstellung, nie als Ersatz. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).