Mein Partner nimmt immer mehr zu: Wie spreche ich das respektvoll an?
Die Hosen werden enger, und das Thema liegt unausgesprochen im Raum. Warum Gewichtszunahme in Beziehungen häufig ist, welche Gründe dahinterstecken können und wie ein Gespräch gelingt, das nicht beschämt.
Die kurze Antwort
Wenn der Partner immer mehr zunimmt, hilft ein Gespräch über Wohlbefinden und Gesundheit mehr als jede Bemerkung über das Aussehen. Hinweise auf die Kleidergröße, Vergleiche oder kontrollierende Blicke auf den Teller verletzen und machen Veränderungen eher schwerer. Sinnvoll ist, nach möglichen Gründen zu fragen, etwa Stress, Schlafmangel, neue Medikamente oder gesundheitliche Veränderungen, und Unterstützung anzubieten, ohne zu drängen.
Warum Zunehmen in Beziehungen häufig ist
The und Gordon-Larsen (2009) begleiteten junge Erwachsene in den USA über mehrere Jahre. Wer von einer lockeren Beziehung oder vom Single-Leben ins Zusammenleben oder in die Ehe wechselte, wurde häufiger adipös als Menschen, die in beiden Befragungen nur locker liiert waren. Paare, die verheiratet waren oder mindestens zwei Jahre zusammenlebten, ähnelten sich stärker in ungünstigen Gewohnheiten wie wenig Bewegung und viel Bildschirmzeit. Zunehmen ist also oft auch ein Thema des gemeinsamen Haushalts.
Mögliche Gründe im Blick
Die deutsche S3-Leitlinie zur Adipositas (2024) nennt viele mögliche Ursachen, darunter Bewegungsmangel, chronischen Stress, depressive Erkrankungen, Essstörungen, eine Schilddrüsenunterfunktion und bestimmte Medikamente, etwa einige Antidepressiva, Neuroleptika, Glukokortikoide oder Betablocker. Hat das Zunehmen nach einem neuen Medikament begonnen, gehört das in die verordnende Praxis, eigenmächtig absetzen ist keine gute Idee. Nimmt jemand in kurzer Zeit deutlich zu, etwa mit geschwollenen Beinen oder Atemnot, sollte das zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Warum Kritik nicht motiviert
Viele hoffen, ein deutlicher Hinweis könne den Anstoß geben. In einer großen US-Langzeitstudie von Sutin und Terracciano (2013) mit 6.157 Erwachsenen wurden Menschen, die Abwertung wegen ihres Gewichts erlebt hatten, etwa 2,5-mal häufiger adipös als andere. Wer bereits adipös war, blieb es etwa dreimal häufiger. Abwertung ging also nicht mit Abnehmen einher, sondern mit einem höheren Risiko. Die Studie bezog sich auf Abwertung allgemein, nicht speziell durch den Partner.
Wie das Gespräch gelingen kann
Ein ruhiger Moment ohne Essen auf dem Tisch eignet sich besser als ein Kommentar beim Nachschlag. Ich-Botschaften über die eigene Sorge helfen: „Du wirkst in letzter Zeit oft erschöpft, und ich mache mir Gedanken, wie es dir geht.“ Danach lohnt Zuhören, ob er selbst unzufrieden ist und was er sich wünscht. Will er nicht darüber reden, ist das seine Entscheidung, das Thema kann später wieder aufkommen.
Gemeinsam statt gegeneinander
In einer randomisierten Studie von Gorin und Kollegen (2018) mit 130 Paaren nahmen auch die Partner ab, die selbst an keinem Programm teilnahmen, während der andere versuchte abzunehmen, ob mit Programm oder nur mit einem Ratgeberblatt. Nach sechs Monaten hatte rund ein Drittel von ihnen mindestens 3 Prozent abgenommen. Gemeinsames Kochen, Spaziergänge oder weniger Snacks im Haus wirken eher als Einladung als ein Diätplan für den anderen. Ist Essen vor allem Trost bei Stress, beschreibt Emotionales Essen und Heißhunger die Hintergründe.
Das Audio-Programm beim Abnehmen richtet sich an Erwachsene, die selbst ihr Essverhalten verändern möchten, also an den Partner, wenn er sich dafür entscheidet. Für die eigene Belastung als Partnerin oder Partner passen Programme wie Stress, Schlafstörungen und Selbstwertgefühl: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Alle sind im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten. Begleitend gedacht, kein Ersatz für ärztliche Abklärung, Ernährungsberatung oder Behandlung.
Häufige Fragen
Darf ich meinem Partner sagen, dass er zugenommen hat?
Er weiß es in der Regel selbst. Hilfreicher als die Feststellung ist die Frage, wie es ihm geht und ob er selbst etwas verändern möchte. Sorge um Gesundheit und Wohlbefinden kommt besser an als jeder Kommentar zu Aussehen oder Kleidergröße.
Mein Partner nimmt zu und ich finde ihn weniger attraktiv: Was nun?
Solche Gefühle sind menschlich und kein Grund für Schuld. Es hilft, sie zuerst für sich zu sortieren: Geht es um das Aussehen oder eher um fehlende gemeinsame Zeit, Bewegung oder Nähe? Wünsche an die Beziehung lassen sich ansprechen, ohne den Körper des anderen zu bewerten.
Mein Partner nimmt seit einem neuen Medikament zu: Was tun?
Laut Adipositas-Leitlinie können einige Medikamente zur Gewichtszunahme beitragen, etwa bestimmte Antidepressiva, Neuroleptika, Kortison oder Betablocker. Das sollte mit der verordnenden Praxis besprochen werden, oft gibt es Alternativen oder begleitende Maßnahmen. Eigenmächtig absetzen sollte er das Medikament nicht.
Wie kann ich meinen Partner beim Abnehmen unterstützen, ohne zu kontrollieren?
Indem Veränderungen für beide gelten: gemeinsam kochen, weniger Süßes im Haus, zusammen spazieren gehen. Kommentare zu seinem Teller oder zur Waage wirken dagegen wie Kontrolle. Entscheidend ist, dass er selbst bestimmt, ob und wie er etwas ändern möchte.
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Quellen (Auswahl)
- The & Gordon-Larsen (2009): Entry into romantic partnership is associated with obesity, Obesity 17(7) Quelle lesen →
- Sutin & Terracciano (2013): Perceived weight discrimination and obesity, PLoS One 8(7) Quelle lesen →
- Gorin et al. (2018): Randomized controlled trial examining the ripple effect of a nationally available weight management program on untreated spouses, Obesity 26(3) Quelle lesen →
- DAG: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, Version 5.0 (2024), AWMF 050-001 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).