Neurodermitis im Winter: Was Händen und Gesicht jetzt hilft
Kälte draußen und trockene Heizungsluft drinnen schwächen die Hautbarriere zusätzlich, Hände und Gesicht trifft es am stärksten. Reichhaltigere Pflege, Schutz vor Kälte und weniger Reibung sind jetzt die wichtigsten Schritte.
Die kurze Antwort
Im Winter verschlechtert sich Neurodermitis bei vielen, weil Kälte draußen und trockene Heizungsluft drinnen die ohnehin geschwächte Hautbarriere zusätzlich belasten. Besonders betroffen sind Hände und Gesicht, die Kälte, Wind und häufigem Waschen ungeschützt ausgesetzt sind. Häufigeres und reichhaltigeres Eincremen sowie Schutz vor Kälte sind die wichtigsten Schritte.
Was Studien zum Winter zeigen
Engebretsen und Kollegen (2016) werteten die Forschung zu Klima und Haut aus. Niedrige Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperaturen schwächen danach die Barrierefunktion der Haut, sie reagiert empfindlicher auf Reizstoffe und Allergene. Kaltes, trockenes Wetter erhöht das Risiko für Schübe. Räisänen und Kollegen (2025) untersuchten Hausarztbesuche in Helsinki von 2018 bis 2023. Die meisten Neurodermitis-Diagnosen fielen auf November bis März, die wenigsten auf Juli und August. Je kälter es war und je weniger UV-Strahlung, desto mehr Patientinnen und Patienten kamen. Mit der Luftfeuchtigkeit draußen fand sich dagegen kein Zusammenhang.
Hände und Gesicht
Hände: Im Winter wird oft häufiger gewaschen und desinfiziert, dazu kommen Kälte und raue Handschuhe. Die Haut an Fingern und Handrücken reißt dann schnell ein. Wer beruflich viel mit Wasser oder Schutzhandschuhen arbeitet, etwa in Pflege, Küche oder Friseurhandwerk, ist zusätzlich belastet.
Gesicht: Wangen, Lider und Lippen sind Wind und Kälte direkt ausgesetzt. Der Wechsel zwischen eisiger Luft und warmen Räumen kann Rötung und Juckreiz verstärken. Bei Schnupfen kommt oft gerötete, rissige Haut rund um die Nasenflügel hinzu.
Was im Winter konkret hilft
- Pflege umstellen: Statt leichter Lotion eine fetthaltigere Creme oder Salbe verwenden und mindestens zweimal täglich auftragen. Die regelmäßige Basispflege ist laut S3-Leitlinie Grundlage jeder Behandlung.
- Hände nach jedem Waschen eincremen: Lauwarmes Wasser und eine milde Waschlotion nutzen, gut abtrocknen, eine kleine Tube in Jacke und Tasche bereithalten.
- Gesicht vor dem Rausgehen schützen: Eine wasserarme Fettcreme einige Minuten vorher auftragen, dazu Schal und Lippenpflege.
- Wolle nicht direkt auf die Haut: Unter Wollpullover und Handschuhen eine Schicht aus Baumwolle oder Seide tragen.
- Räume nicht überheizen: Ein kühleres Schlafzimmer lindert bei vielen den nächtlichen Juckreiz.
Wie heißes Duschen die Haut austrocknet, erklärt Neurodermitis nach dem Duschen. Wer eher im Sommer Probleme hat, findet die Gründe unter Neurodermitis im Sommer.
Wann ärztlicher Rat nötig ist
Reicht konsequente Pflege nicht aus, ist eine entzündungshemmende Behandlung nötig, die hautärztlich festgelegt wird. Plötzlich nässende, gelb verkrustete oder schmerzende Stellen, Bläschen oder Fieber können auf eine Infektion hinweisen und sollten am selben Tag ärztlich angesehen werden. Auch wenn der Juckreiz über mehrere Nächte den Schlaf raubt, lohnt ein baldiger Termin.
Wer im Winter gegen Juckreiz und das Kratzen am Abend ankämpft, kann mit dem Audio-Programm bei Neurodermitis üben, zur Ruhe zu kommen und Anspannung zu lösen: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon geschrieben und professionell eingesprochen, ohne KI. Am meisten Spielraum bietet das Jahresabo mit allen 115 Programmen, etwa zusammen mit Stress und Schlafstörungen. Begleitend gedacht, für Neurodermitis im Winter wissenschaftlich nicht belegt und kein Ersatz für Hautpflege und hautärztliche Behandlung.
Häufige Fragen
Warum sind meine Hände im Winter besonders betroffen?
An den Händen treffen im Winter mehrere Belastungen zusammen: Kälte draußen, trockene Heizungsluft, häufiges Waschen und Desinfizieren. Jedes Waschen entzieht der Haut Fett, und ohne Nachcremen reißt sie leichter ein. Eincremen nach jedem Waschen und warme, innen glatte Handschuhe helfen am meisten.
Welche Creme eignet sich im Winter für das Gesicht?
Draußen bewährt sich eine wasserarme, fetthaltige Creme, die einige Minuten vor dem Rausgehen aufgetragen wird. Duftstoffe und viele Inhaltsstoffe sind bei empfindlicher Gesichtshaut eher ungünstig. Für Lider und stark gerötete Stellen ist ärztlicher Rat sinnvoll, weil dort nicht jede Salbe geeignet ist.
Hilft ein Luftbefeuchter bei Neurodermitis im Winter?
Gut untersucht ist das nicht. Trockene Luft schwächt die Hautbarriere zwar, eine finnische Studie fand aber keinen Zusammenhang zwischen der Feuchtigkeit draußen und der Zahl der Arztbesuche. Wer einen Befeuchter nutzt, sollte ihn regelmäßig reinigen, damit sich keine Keime ansammeln.
Wann reicht Eincremen im Winter nicht mehr aus?
Wenn trotz täglicher Pflege Rötung, Juckreiz und Schlafprobleme über mehrere Tage zunehmen, braucht die Haut meist eine entzündungshemmende Behandlung. Diese wird hautärztlich verordnet und oft nur für einige Tage eingesetzt. Danach hält die Basispflege den Zustand möglichst stabil.
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Quellen (Auswahl)
- Engebretsen et al. (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis, Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 30(2) Quelle lesen →
- Räisänen, Remitz & Salava (2025): Seasonal variation of the burden of atopic dermatitis in Finnish primary care: a database study on effects of weather and air quality, Acta Dermato-Venereologica 105 Quelle lesen →
- DDG u.a.: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis, AWMF 013-027 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).