Neurodermitis: Warum die Haut nach dem Duschen juckt
Kaum aus der Dusche, spannt und juckt die Haut. Dauer, Temperatur, Reinigung und die Pflege danach machen dabei einen spürbaren Unterschied.
Die kurze Antwort
Bei Neurodermitis ist die Schutzbarriere der Haut geschwächt. Heißes Wasser, langes Duschen und Duschgel lösen zusätzlich Fett aus der Haut, und nach dem Abtrocknen verdunstet die Feuchtigkeit rasch. Die Haut spannt, brennt oder juckt dann oft schon wenige Minuten nach dem Duschen. Wer kurz und nicht zu heiß duscht, sanft abtupft und danach eincremt, kann das oft abmildern.
Was beim Duschen mit der Haut passiert
Eine kleine Studie aus den USA maß die Hautfeuchtigkeit nach verschiedenen Pflegeabläufen. Bei Kindern mit Neurodermitis war die Haut 90 Minuten nach einem Bad ohne anschließende Pflege etwas trockener als vorher. Mit Eincremen danach lag sie höher, aber nicht deutlich über dem Ausgangswert. Am feuchtesten war die Haut, wenn nur eingecremt und nicht gebadet wurde. Die Studie umfasste nur zehn Personen, sie zeigt aber: Wasser allein spendet der Haut keine Feuchtigkeit.
Hartes Wasser und Duschgel
Britische Forschende wuschen die Haut von 80 Menschen mit Natriumlaurylsulfat, einem verbreiteten Tensid, in unterschiedlich hartem Wasser. Bei hartem Wasser blieb mehr Tensid auf der Haut zurück. Das schwächte die Barriere und reizte die Haut, besonders bei Menschen mit Neurodermitis und einer bestimmten Erbanlage (Filaggrin-Mutation). Ob Wasserenthärter im Alltag helfen, ist damit nicht belegt. Fachgesellschaften empfehlen solche Produkte laut IQWiG nicht routinemäßig.
So wird das Duschen hautfreundlicher
- Kurz: Laut Gesundheitsinformation des IQWiG nicht länger als 5 bis 10 Minuten.
- Warm, nicht heiß: Heißes Wasser kann Juckreiz verstärken und die Haut reizen.
- Milde Reinigung: Wenig Produkt ohne Duft- und Reizstoffe, nur dort, wo es nötig ist. Vergleichende Studien zu Reinigungsmitteln gibt es bislang kaum.
- Gründlich abspülen: Reste von Duschgel und Shampoo nicht auf der Haut lassen.
- Abtupfen statt rubbeln: Das schont gereizte Stellen.
- Danach eincremen: Bald nach dem Abtrocknen, damit die aufgenommene Feuchtigkeit nicht wieder verdunstet.
Rückfettende Badezusätze brachten in einer großen britischen Studie mit Kindern zusätzlich zur üblichen Pflege keinen messbaren Vorteil. Die Basispflege mit Cremes bleibt der wichtigste Baustein, mindestens zweimal am Tag.
Wenn der Juckreiz vor allem nachts im Bett quält, erklärt ein eigener Beitrag die Gründe.
Wann ärztlich abklären
Nässen Stellen, bilden sich gelbliche Krusten oder schmerzhafte, gruppierte Bläschen, kann eine Infektion dahinterstecken. Bläschen zusammen mit Fieber und Krankheitsgefühl brauchen rasch ärztliche Hilfe. Auch wenn die übliche Pflege nicht mehr reicht oder die Haut auf neue Produkte reagiert, ist die hautärztliche Praxis die richtige Anlaufstelle. Hypnose kann begleitend helfen, gelassener mit Juckreiz und Anspannung umzugehen, sie ersetzt keine Behandlung.
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Häufige Fragen
Warum juckt die Haut direkt nach dem Duschen?
Warmes Wasser und Reinigungsmittel lösen Fett aus der ohnehin geschwächten Hautbarriere. Beim Abtrocknen verdunstet dann Feuchtigkeit, die Haut spannt und juckt. Kurzes, nicht zu heißes Duschen und eine Pflege danach mildern das bei vielen ab.
Wie schnell sollte man nach dem Duschen eincremen?
Das IQWiG rät, die Haut im Anschluss an das Duschen einzucremen, eine feste Minutenzahl ist aber nicht belegt. In einer kleinen Studie machte es nach 90 Minuten kaum einen Unterschied, ob sofort oder etwas später eingecremt wurde. Entscheidend ist, dass die Pflege überhaupt aufgetragen wird.
Warum brennt die Creme nach dem Duschen?
Auf entzündeter oder aufgekratzter Haut können manche Inhaltsstoffe brennen, Harnstoff zum Beispiel reizt bei Kindern häufig. Eine milde Pflege ohne Duftstoffe ist dann meist besser verträglich. Brennt jede Pflege anhaltend, sollte das Produkt in der hautärztlichen Praxis besprochen werden.
Ist tägliches Duschen bei Neurodermitis zu viel?
Eine feste Regel gibt es nicht. Viele kommen mit kurzem, lauwarmem Duschen und anschließender Pflege gut zurecht. Wird die Haut nach jedem Duschen schlechter, kann es helfen, seltener zu duschen oder an manchen Tagen nur einzelne Körperstellen zu waschen.
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Quellen (Auswahl)
- IQWiG, gesundheitsinformation.de (2021): Hautpflege bei Neurodermitis Quelle lesen →
- Chiang & Eichenfield (2009): Quantitative assessment of combination bathing and moisturizing regimens on skin hydration in atopic dermatitis, Pediatric Dermatology 26(3) Quelle lesen →
- Danby et al. (2018): The effect of water hardness on surfactant deposition after washing and subsequent skin irritation in atopic dermatitis patients and healthy control subjects, Journal of Investigative Dermatology 138(1) Quelle lesen →
- Santer et al. (2018): Emollient bath additives for the treatment of childhood eczema (BATHE): multicentre pragmatic parallel group randomised controlled trial, BMJ, k1332 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).