Ständige Angst vor einem Herzinfarkt: Was hilft?
Pulsmessen, Hineinhorchen, wieder ein EKG: Herzangst folgt einem Kreislauf, der sich mit jeder Kontrolle weiterdreht. Er lässt sich gezielt unterbrechen.
Wenn das Herz gesund ist, die Angst aber bleibt
Ist das Herz ärztlich untersucht und unauffällig, die Angst vor einem Herzinfarkt aber ständig da, sprechen Fachleute von Herzangst oder Kardiophobie. Sie ist eine Form der Krankheitsangst. Am besten untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie setzt am Kreislauf aus Aufmerksamkeit, Kontrolle und Vermeidung an, der die Angst am Leben hält.
Wie Herzangst sich zeigt
- häufiges Pulsmessen oder Hineinhorchen in den Herzschlag
- Angst bei jedem Stolpern, Stechen oder schnellen Puls
- Meiden von Sport, Treppen oder Aufregung, um das Herz zu „schonen“
- wiederholte Arztbesuche, EKGs oder Suche im Internet
- Erleichterung nach einem guten Befund, die nur kurz anhält
Manchmal beginnt sie nach einer Panikattacke, nach dem Herzinfarkt eines nahestehenden Menschen oder nach einer eigenen Herzerkrankung.
Der Kreislauf der Herzangst
Der Psychologe Georg Eifert beschrieb Anfang der 1990er Jahre ein Modell der Kardiophobie: Wer Angst um sein Herz hat, achtet ständig darauf und bemerkt harmlose Schwankungen, etwa einzelne Extraschläge. Sie werden als Gefahr gedeutet, die Angst beschleunigt den Puls, und das scheint die Befürchtung zu bestätigen. Kontrollieren und Schonen bringen kurz Erleichterung, halten die Angst aber aufrecht. Wer sich dauerhaft schont, verliert zudem Kondition, sodass der Puls bei Belastung schneller steigt.
Was hilft
Einmal gründlich abklären
Eine sorgfältige Untersuchung von Herz und Kreislauf ist wichtig. Hilfreich ist, die Ergebnisse ausführlich mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen und alle Fragen offen zu stellen. Wiederholte Tests ohne neuen Anlass beruhigen jedoch meist nur kurz und können die Angst auf Dauer verstärken.
Kognitive Verhaltenstherapie
In einer großen britischen Studie mit Patientinnen und Patienten aus der Kardiologie und anderen Fachambulanzen senkte eine kognitive Verhaltenstherapie die Krankheitsangst deutlicher als die übliche Versorgung. Dazu gehört, Kontrollverhalten schrittweise abzubauen und Befürchtungen zu überprüfen. Mehr zum Umgang mit Krankheitsangst allgemein steht im Beitrag Wie wird man Hypochondrie los?
Bewegung zurückerobern
Nach ärztlicher Freigabe hilft es, körperliche Aktivität schrittweise wieder aufzunehmen. So erlebt man, dass ein schneller Herzschlag bei Belastung normal ist.
Entspannung
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, die Grundanspannung zu senken. Speziell bei Herzangst ist ihre Wirkung wenig untersucht. Sie eignen sich als Ergänzung, nicht als Ersatz für eine Therapie.
Wann trotzdem der Notruf richtig ist
Herzangst schützt nicht vor echten Herzproblemen. Bei neuem, starkem Brustschmerz, der länger als einige Minuten anhält, in Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlt oder mit Atemnot, Kaltschweiß oder Übelkeit einhergeht, gilt: sofort 112, in der Schweiz 144. Die Unterschiede erklärt der Beitrag Panikattacke oder Herzinfarkt.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Angst vor Krankheiten setzt auf Entspannung und einen gelasseneren Umgang mit Körpersignalen, begleitend zur ärztlichen Abklärung und Psychotherapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Krankheitsangst → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
Was ist eine Herzneurose?
Herzneurose ist ein älterer Begriff für Herzangst. Heute spricht man eher von Kardiophobie oder Krankheitsangst mit Bezug auf das Herz. Gemeint ist eine anhaltende Angst vor einer Herzerkrankung, obwohl ärztliche Untersuchungen keinen passenden Befund zeigen.
Sind Herzstolperer gefährlich?
Einzelne Extraschläge kommen bei vielen gesunden Menschen vor und sind meist harmlos. Neue, gehäufte oder mit Schwindel und Ohnmacht verbundene Herzrhythmusstörungen sollten jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Darf ich mit Herzangst Sport machen?
Wenn das Herz ärztlich untersucht und gesund ist, ja, und oft ist es sogar hilfreich. Ein schrittweiser Wiedereinstieg zeigt dem Körper, dass ein schneller Herzschlag bei Belastung normal ist.
Hilft es, immer wieder ein EKG machen zu lassen?
Meist nur für kurze Zeit. Ohne neuen Anlass führen wiederholte Untersuchungen oft dazu, dass die Angst rasch zurückkehrt. Sinnvoller sind feste Kontrolltermine nach ärztlicher Absprache und eine Behandlung der Angst selbst.
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Quellen (Auswahl)
- Eifert (1992): Cardiophobia: a paradigmatic behavioural model of heart-focused anxiety and non-anginal chest pain, Behaviour Research and Therapy 30(4)
- Tyrer et al. (2014): Clinical and cost-effectiveness of cognitive behaviour therapy for health anxiety in medical patients: a multicentre randomised controlled trial, The Lancet 383(9913)
- WHO (2019): ICD-11, 6B23 Hypochondriasis
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).