Angst vor einem Rückfall nach Krebs: Was hilft
Die Angst, dass der Krebs zurückkommt, ist verständlich und weit verbreitet. Sie muss das Leben aber nicht bestimmen, und es gibt gezielte Unterstützung.
Die kurze Antwort
Die Angst, dass der Krebs zurückkommt, ist eine der häufigsten Belastungen nach einer Krebserkrankung. In der Fachsprache heißt sie Progredienzangst oder Rezidivangst. Sie ist eine nachvollziehbare Reaktion auf eine reale Bedrohung und kein Zeichen von Schwäche. Behandlungsbedürftig wird sie, wenn sie das Leben dauerhaft bestimmt.
Wie häufig ist die Angst?
Eine systematische Übersicht über zahlreiche Studien beschreibt die Angst vor einem Rückfall als eines der am häufigsten genannten Probleme von Menschen nach Krebs. Auffällig: Angehörige berichteten teilweise sogar mehr Angst als die Erkrankten selbst. Die Angst betrifft also oft die ganze Familie.
Wann sie besonders stark ist
- vor Nachsorgeterminen und beim Warten auf Befunde
- bei neuen Schmerzen oder ungewohnten Körpersignalen
- an Jahrestagen der Diagnose
- wenn Bekannte erkranken oder über Krebs berichtet wird
Normale Sorge oder belastende Angst?
Gelegentliche Sorgen, besonders vor Kontrollen, sind normal. Hinweise auf eine belastende Progredienzangst sind:
- Die Gedanken kreisen täglich um einen möglichen Rückfall.
- Der Körper wird ständig abgetastet und kontrolliert.
- Arztbesuche werden aus Angst gemieden oder sehr häufig gesucht.
- Schlaf, Arbeit und Beziehungen leiden.
- Pläne für die Zukunft werden nicht mehr gemacht.
Was hilft
Die S3-Leitlinie Psychoonkologie sieht vor, dass Krebspatientinnen und Krebspatienten regelmäßig nach psychischen Belastungen gefragt werden und bei Bedarf psychoonkologische Unterstützung erhalten. Für die Progredienzangst gibt es eigene Gruppen- und Einzelangebote, meist auf Basis der Verhaltenstherapie. Sie helfen, die Angst als Signal zu verstehen, Grübeln zu begrenzen und Kontrollverhalten abzubauen.
Ergänzend können Entspannungsverfahren wie Atemübungen, Progressive Muskelentspannung, Achtsamkeit oder Hypnose die Grundanspannung senken. Sie ersetzen keine medizinische Nachsorge und keine psychoonkologische Begleitung.
Was im Alltag entlasten kann
- Mit dem Nachsorgeteam sprechen: Fragen, welche Beschwerden wirklich ein Warnzeichen wären und welche nicht. Klare Kriterien nehmen viel Unsicherheit.
- Eine feste Sorgenzeit: Grübeln auf eine bestimmte Viertelstunde am Tag verschieben, statt es den ganzen Tag laufen zu lassen.
- Kontrollen begrenzen: Den Körper nicht ständig abtasten, sondern zu vereinbarten Zeiten.
- Darüber reden: Mit Angehörigen, in Selbsthilfegruppen oder mit Fachleuten. Viele erleben Erleichterung, wenn sie merken, dass andere dieselbe Angst kennen.
Wo es Unterstützung gibt
In Deutschland beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Fragen kostenlos unter 0800 420 30 40, täglich von 8 bis 20 Uhr. Krebsberatungsstellen gibt es in vielen Städten. In der Schweiz erreicht man die KrebsInfo der Krebsliga kostenlos unter 0800 11 88 11. Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Das Audio-Hypnose-Programm in der Psychoonkologie setzt auf Tiefenentspannung, Zuversicht und einen ruhigeren Umgang mit Sorgen, begleitend zu Nachsorge und psychoonkologischer Betreuung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm Psychoonkologie → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
Ist es normal, nach Krebs ständig Angst vor einem Rückfall zu haben?
Die Angst ist sehr verbreitet und nachvollziehbar. Wenn sie aber täglich das Denken bestimmt, den Schlaf raubt oder zu ständiger Kontrolle des Körpers führt, ist sie so belastend, dass Unterstützung sinnvoll ist.
Was ist Progredienzangst?
Progredienzangst bezeichnet die Angst, dass eine Erkrankung fortschreitet oder zurückkehrt. Sie ist keine psychische Störung im engeren Sinn, sondern eine Reaktion auf eine reale Bedrohung, die aber sehr belastend werden kann.
Wer hilft bei Angst nach einer Krebserkrankung?
Psychoonkologinnen und Psychoonkologen in Kliniken und Krebsberatungsstellen, ambulante Psychotherapie sowie der Krebsinformationsdienst unter 0800 420 30 40. In der Schweiz bietet die Krebsliga Beratung unter 0800 11 88 11.
Haben auch Angehörige Angst vor einem Rückfall?
Ja, und manchmal sogar stärker als die Erkrankten selbst. Auch Angehörige können sich an Krebsberatungsstellen wenden, viele Angebote richten sich ausdrücklich an sie.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatient*innen, AWMF 032-051OL, Version 2.1 (2023)
- Simard et al. (2013): Fear of cancer recurrence in adult cancer survivors: a systematic review of quantitative studies, Journal of Cancer Survivorship 7(3)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).