Was hilft bei Reizdarm wirklich?
Das eine Wundermittel gibt es nicht, wohl aber gut belegte Bausteine. Welche davon passen, hängt vor allem vom Hauptsymptom ab.
Die kurze Antwort
Das eine Mittel gegen Reizdarm gibt es nicht. Die deutsche S3-Leitlinie setzt auf eine Kombination, die sich nach dem Hauptsymptom richtet. Gut belegt sind krampflösende Mittel und Pfefferminzöl gegen Schmerzen, lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen, eine begleitete Low-FODMAP-Ernährung, Bewegung und psychotherapeutische Verfahren. Zu Letzteren zählt ausdrücklich die darmgerichtete Hypnose. Am Anfang steht aber die sichere Diagnose: Erst wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind, lässt sich gezielt behandeln.
Nach Hauptsymptom sortiert
Bauchschmerzen und Krämpfe
Krampflösende Mittel (Spasmolytika) wie Butylscopolamin sollen laut Leitlinie empfohlen werden. Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln hat sich vor allem gegen Schmerzen und Blähungen als wirksam erwiesen und erhält den höchsten Empfehlungsgrad. Zur Langzeitanwendung fehlen allerdings Daten.
Blähungen und Durchfall
Hier sollte eine Low-FODMAP-Ernährung empfohlen werden, in drei Phasen: weglassen, Verträglichkeit austesten, dauerhaft angepasst essen. Eine begleitende Ernährungsberatung verhindert unnötig strenge Einschränkungen. Auch lösliche Ballaststoffe können bei Durchfall versucht werden.
Verstopfung
Ballaststoffe sollten eingesetzt werden, bevorzugt lösliche wie Flohsamenschalen. Unlösliche wie Weizenkleie waren in Studien nicht wirksam. Wichtig ist, ausreichend zu trinken.
Darmgerichtete Hypnose: in der Leitlinie genannt
Psychotherapeutische Verfahren sollen bei passender Indikation angeboten werden, das ist die stärkste Empfehlungsstufe. Die bauchgerichtete Hypnose gilt dabei als einziges organspezifisches Verfahren, Metaanalysen zeigen mittlere Effekte. In einer randomisierten Studie aus Australien wirkte sie auf die Darmbeschwerden ähnlich gut wie die Low-FODMAP-Diät und schnitt bei psychischen Werten besser ab. Laut Leitlinie lässt sie sich auch bei Menschen versuchen, die einer Psychotherapie skeptisch gegenüberstehen. Bei schweren psychischen Erkrankungen gilt sie dagegen als eher ungeeignet.
Zur Ehrlichkeit gehört: Entspannungsverfahren wie autogenes Training allein sind laut Leitlinie den Vergleichsbedingungen nicht überlegen und sollten nicht die einzige Therapie sein. Die untersuchte Darmhypnose ist ein strukturiertes Verfahren über mehrere Sitzungen. Ein Audio-Programm kann Anspannung begleitend senken, ersetzt dieses Verfahren aber nicht.
Was außerdem hilft
Sport und körperliche Aktivität sollten empfohlen werden. Ein Symptomtagebuch hilft, persönliche Auslöser wie bestimmte Speisen, Schlafmangel oder Stress zu erkennen. Ausgewählte Probiotika sollten laut Leitlinie ebenfalls eingesetzt werden, der Stamm richtet sich nach den Beschwerden. Präbiotika und Stuhltransplantation erhielten dagegen keine Empfehlung.
Wichtig ist auch das Verständnis der Erkrankung: Die Leitlinie empfiehlt, über den Zusammenhang zwischen Stress, Gefühlen und Bauchbeschwerden aufzuklären. Strategien zur Stressbewältigung sollten ergänzend empfohlen werden.
Warnzeichen
Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, Blutarmut oder stetig zunehmende Beschwerden passen nicht zum Reizdarm und gehören zeitnah ärztlich abgeklärt. Das gilt auch für Beschwerden, die erst seit wenigen Wochen bestehen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Reizdarm unterstützt dabei, die Anspannung zu senken, die den Darm zusätzlich reizt, begleitend zur ärztlichen Behandlung und nicht als Ersatz. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Wie lange dauert die Low-FODMAP-Ernährung?
Die strenge Phase ist nur vorübergehend gedacht. Danach werden Lebensmittel schrittweise wieder eingeführt, um die persönliche Verträglichkeit zu finden. Eine Ernährungsberatung hilft, Mangelernährung und unnötige Verbote zu vermeiden.
Wie wirksam ist Hypnose bei Reizdarm?
Metaanalysen zeigen mittlere Effekte auf die Beschwerden, in einer Vergleichsstudie war darmgerichtete Hypnose ähnlich wirksam wie die Low-FODMAP-Diät. Die Leitlinie nennt sie als geeignetes Verfahren, in Deutschland wird sie allerdings meist nur an spezialisierten Zentren angeboten.
Welche Ballaststoffe eignen sich bei Reizdarm?
Lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen, dazu reichlich Flüssigkeit. Unlösliche wie Weizenkleie waren in Studien nicht wirksam. Da Ballaststoffe anfangs Blähungen verstärken können, ist eine langsame Steigerung sinnvoll.
Hilft Pfefferminzöl wirklich gegen Reizdarm?
Ja, vor allem gegen Schmerzen und Blähungen. Die Leitlinie vergibt dafür den höchsten Empfehlungsgrad, eingesetzt wird es in magensaftresistenten Kapseln. Daten zur Langzeitanwendung fehlen noch.
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Quellen (Auswahl)
- Layer et al. (2021): Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie, Zeitschrift für Gastroenterologie 59(12), AWMF 021-016
- Peters et al. (2016): Randomised clinical trial: the efficacy of gut-directed hypnotherapy is similar to that of the low FODMAP diet for the treatment of irritable bowel syndrome, Alimentary Pharmacology & Therapeutics 44(5)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).