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Stottern · Kinder
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Warum stottern Kinder plötzlich?

Gestern noch flüssig, heute bleibt das Kind an Silben hängen. Ein plötzlicher Beginn ist bei Kinderstottern häufig, und bei den meisten Kindern verschwindet es wieder von selbst.

Stand: Redaktioneller Beitrag · quellenbasiert Redaktionell geprüft
40 bis 50 %beginnen plötzlich
70 bis 80 %verlieren es bis zur Pubertät
6 bis 12 Monatebeobachten, dann handeln
Erziehungist nicht die Ursache

Ein plötzlicher Beginn ist häufig

Gestern noch flüssig, heute „I-i-ich will auch“: Viele Eltern erleben, dass ihr Kind scheinbar über Nacht zu stottern beginnt. Das ist kein seltener Verlauf. Nach der deutschen S3-Leitlinie zu Redeflussstörungen setzt Stottern bei etwa 40 bis 50 Prozent der betroffenen Kinder plötzlich ein, innerhalb von ein bis drei Tagen. Meist geschieht das zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr.

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Woher es kommt

Stottern hat eine starke erbliche Komponente. Die Leitlinie stellt klar: Der Erziehungsstil der Eltern ist weder Ursache noch Mitursache. Auch ein Umzug, ein Geschwisterkind oder ein Schreck erklären den Beginn in aller Regel nicht. Solche zeitlichen Zufälle werden laut Leitlinie oft fälschlich als Auslöser gedeutet.

Person auf einem Steg an einem stillen Bergsee

Normale Unflüssigkeit oder Stottern?

Unflüssigkeiten gehören zum normalen Sprechen, bei Kindern wie bei Erwachsenen. Den früher üblichen Begriff „Entwicklungsstottern“ hält die Leitlinie für irreführend, denn stottertypische Symptome sind kein Teil der normalen Sprachentwicklung.

Eher unbedenklich

  • Pausen und Füllwörter wie „ähm“
  • Wiederholung ganzer Wörter oder Satzteile („Kann ich, kann ich das haben?“)
  • abgebrochene Wörter und Korrekturen

Typisch für Stottern

  • Wiederholung von Lauten und Silben („Ba-ba-ball“)
  • Dehnungen („Mmmmama“)
  • Blockaden: Das Wort steckt fest, oft mit sichtbarer Anstrengung

Wächst sich das aus?

Häufig ja. Bis zur Pubertät verschwindet das Stottern bei etwa 70 bis 80 Prozent der Kinder von selbst, meist in den ersten Jahren nach Beginn. Die Chancen sind geringer bei Jungen, bei einem Beginn nach dem dritten Geburtstag, wenn Verwandte bis heute stottern oder die Symptome im ersten Jahr zunehmen.

Wann zur Logopädie?

Für Kinder von drei bis sechs Jahren empfiehlt die Leitlinie, den Verlauf sechs bis zwölf Monate ab Beginn zu beobachten und zu behandeln, wenn das Stottern anhält. Sofort behandelt werden soll, wenn Risikofaktoren vorliegen, das Kind sich beim Sprechen sichtbar anstrengen muss oder Kind oder Eltern stark belastet sind.

Erste Anlaufstelle ist die Kinderarztpraxis. Für Vorschulkinder empfiehlt die Leitlinie unter anderem das Lidcombe-Programm, bei dem Eltern unter logopädischer Anleitung mitarbeiten.

Was Eltern tun können

Ruhig zuhören, ausreden lassen, Blickkontakt halten und auf den Inhalt antworten statt auf die Form. Ermahnungen wie „Sprich langsam!“ oder „Hol erst mal Luft!“ helfen nicht. Die Leitlinie weist darauf hin, dass sie Kinder verunsichern und die Ausprägung des Stotterns beeinflussen können.

Wichtig: Hypnose und Entspannungsverfahren sind keine Stottertherapie. Die Leitlinie rät davon ab, Hypnose zur Behandlung einzusetzen, und warnt, dass unwirksame Verfahren eine wirksame Therapie nicht verzögern dürfen. Stotternde Kinder gehören in logopädische Hände.

Für Jugendliche und Erwachsene

Das Audio-Hypnose-Programm richtet sich an Jugendliche und Erwachsene, die Entspannung beim Sprechen suchen. Es ist keine Stottertherapie, nicht für Kinder gedacht und ersetzt keine Logopädie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.

Allgemeine Stimmprobe – kein Ausschnitt des konkreten Programms:
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Häufige Fragen

Kann Stress oder ein Schreck Stottern auslösen?

Nach der deutschen S3-Leitlinie in aller Regel nicht. Stottern hat eine starke erbliche Komponente, und Ereignisse, die zufällig mit dem Beginn zusammenfallen, werden oft fälschlich als Ursache gedeutet. Die Stärke des Stotterns kann allerdings in Phasen deutlich schwanken.

Wie lange sollte man bei Kinderstottern abwarten?

Die Leitlinie empfiehlt bei Kindern von drei bis sechs Jahren, den Verlauf sechs bis zwölf Monate ab Beginn zu beobachten. Muss sich das Kind beim Sprechen sichtbar anstrengen, leidet es darunter oder gibt es Risikofaktoren, soll sofort eine Therapie beginnen.

Ist mein Kind schuld oder habe ich etwas falsch gemacht?

Nein. Die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass der Erziehungsstil weder Ursache noch Mitursache von Stottern ist. Eltern können aber viel dazu beitragen, dass ihr Kind entspannt weiterspricht, etwa durch geduldiges Zuhören ohne Ermahnungen.

Hilft Hypnose gegen Stottern bei Kindern?

Nein, dafür gibt es keinen belastbaren Wirksamkeitsnachweis, und die Leitlinie rät davon ab, Hypnose als Stottertherapie einzusetzen. Empfohlen sind strukturierte logopädische Verfahren wie das Lidcombe-Programm für Vorschulkinder.

Unibee-Redaktion

Redaktioneller Beitrag auf Basis veröffentlichter Fachliteratur (siehe Quellen). Die genannten Audio-Hypnose-Programme sind methodisch konzipiert von Ingo Michael Simon, Diplom-Pädagoge (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie, Hypnosetherapeut, über 30 Jahre Praxiserfahrung.

Quellen (Auswahl)

  • Neumann et al. (2016): S3-Leitlinie Pathogenese, Diagnostik und Behandlung von Redeflussstörungen, AWMF 049-013 (derzeit in Überarbeitung)
  • Yairi & Ambrose (2013): Epidemiology of stuttering: 21st century advances, Journal of Fluency Disorders 38(2)

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).