Warum sind Borderliner so anziehend?
Der Anfang fühlt sich oft an wie nie zuvor. Hinter der Intensität stecken meist echte Gefühle und eine tiefe Angst vor dem Verlassenwerden, keine Berechnung.
Die kurze Antwort
Viele Menschen erleben den Beginn einer Beziehung mit einem Menschen mit Borderline als ungewöhnlich intensiv: viel Nähe, große Gefühle, das Gefühl, endlich wirklich gesehen zu werden. Diese Anziehung hat meist nichts mit Berechnung zu tun, sondern mit sehr starken, schnell wechselnden Gefühlen in nahen Beziehungen. Das macht den Anfang oft berauschend und den weiteren Weg oft schwierig.
Was die Anziehung ausmacht
Idealisierung
Zu den beschriebenen Merkmalen der Borderline-Persönlichkeitsstörung gehören intensive, instabile Beziehungen, die zwischen Idealisierung und Abwertung schwanken. In der Phase der Idealisierung fühlt sich das Gegenüber besonders, verstanden und bewundert. Wer sich lange nicht gesehen gefühlt hat, erlebt das als sehr stark.
Intensität
Menschen mit Borderline erleben Gefühle oft heftiger und schneller als andere. Freude, Begeisterung und Zuneigung werden offen gezeigt. Das wirkt lebendig, spontan und ehrlich, und häufig ist es das auch.
Schnelle Nähe
Nähe entsteht in kurzer Zeit: lange Gespräche, tägliche Nachrichten, früh große Worte. Von außen erinnert das an Love Bombing. Der Unterschied: Hinter der schnellen Nähe steht meist keine Absicht zu manipulieren, sondern eine tiefe Angst, verlassen zu werden, und der Wunsch nach Halt.
Gebraucht werden
Manche fühlen sich gerade von der Verletzlichkeit angezogen. Gebraucht zu werden kann Sinn geben, aber auch dazu führen, eigene Bedürfnisse dauerhaft zurückzustellen. Wer selbst gern rettet und tröstet, gerät leicht in eine Rolle, in der die Beziehung vor allem aus Sorge um den anderen besteht.
Warum die Intensität kippen kann
Dieselbe Empfindsamkeit, die am Anfang verbindet, macht später verletzlich. Eine kleine Zurückweisung kann als Verlassenwerden erlebt werden, und Idealisierung schlägt in Enttäuschung oder Wut um. Wie solche Beziehungen oft verlaufen, beschreibt die Seite zu den Phasen einer Borderline-Beziehung.
Eine Diagnose, kein Urteil
Borderline beschreibt ein Leiden, keinen schlechten Charakter. Ob die Diagnose zutrifft, kann nur eine Fachperson beurteilen. Die S3-Leitlinie empfiehlt spezifische Psychotherapien, etwa die Dialektisch-Behaviorale Therapie, und viele Betroffene stabilisieren sich damit deutlich. Äußert jemand Suizidgedanken, ist professionelle Hilfe wichtig, rund um die Uhr erreichbar ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Für sich selbst sorgen
Wer sich von dieser Intensität angezogen fühlt, kann sich fragen, was er oder sie darin sucht. Eigene Freundschaften, klare Absprachen und Zeiten für sich helfen, in der Beziehung nicht unterzugehen. Auch Angehörige können sich beraten lassen, etwa in einer psychotherapeutischen Praxis. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, starke Gefühle zu beruhigen, ersetzen aber keine Psychotherapie.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Borderline unterstützt dabei, innere Anspannung und starke Gefühle zu beruhigen, begleitend zur psychotherapeutischen Behandlung und nicht als Ersatz. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Sind die Gefühle am Anfang echt?
In aller Regel ja. Die starken Gefühle sind echt, sie sind nur oft nicht stabil. Gerade das Schwanken zwischen Idealisierung und Enttäuschung macht solche Beziehungen so anstrengend.
Ist das dasselbe wie Love Bombing?
Von außen kann es ähnlich aussehen. Beim Love Bombing wird Zuwendung gezielt eingesetzt, um Kontrolle zu gewinnen. Bei Borderline steckt hinter der schnellen Nähe meist die Angst, verlassen zu werden.
Warum fühle ich mich immer wieder zu solchen Menschen hingezogen?
Manche Menschen kennen intensive, schwankende Beziehungen aus ihrer eigenen Geschichte und empfinden ruhige Beziehungen als weniger lebendig. Wer dieses Muster bei sich bemerkt, kann es in einer Beratung oder Psychotherapie genauer anschauen.
Kann eine Beziehung mit einem Menschen mit Borderline gut gehen?
Ja, das ist möglich. Viele Betroffene stabilisieren sich mit der Zeit, besonders mit spezifischer Psychotherapie. Verlässlichkeit, klare Absprachen und Grenzen auf beiden Seiten helfen.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- DGPPN: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, AWMF 038-015 (2022)
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).