Warum kann ich nicht loslassen?
Loslassen ist kein Entschluss, sondern ein Prozess. Warum er so schwer fällt und wie Sie ihn Schritt für Schritt unterstützen.
Die kurze Antwort
Wenn Sie jemanden nicht loslassen können, ist das kein Zeichen von Schwäche. Das Gehirn reagiert auf den Verlust eines geliebten Menschen ähnlich wie auf einen Entzug: Die Sehnsucht ist stark, die Gedanken kreisen. Dazu kommen Hoffnung, offene Fragen und manchmal die Angst, ohne diesen Menschen nicht vollständig zu sein. Loslassen ist deshalb kein Entschluss, sondern ein Prozess, den man aktiv unterstützen kann.
Warum Loslassen so schwer fällt
Das Gehirn sehnt sich
Helen Fisher und Kollegen fanden, dass bei frisch Verlassenen beim Anblick des Ex-Partners Belohnungs- und Suchtareale aktiv werden. Die Sehnsucht ist also auch biologisch erklärbar.
Hoffnung hält fest
Solange ein Funken Hoffnung bleibt, etwa durch gelegentlichen Kontakt, bleibt auch die Bindung bestehen. Unklare Verhältnisse sind schwerer zu verarbeiten als klare.
Grübeln verstärkt den Schmerz
Die Psychologin Susan Nolen-Hoeksema hat gezeigt, dass wiederholtes Grübeln Traurigkeit verlängert. Je öfter Sie Erinnerungen durchgehen, desto fester werden sie.
Ein Stück Identität geht verloren
Gemeinsame Pläne, Gewohnheiten und Freunde machen einen Teil des eigenen Lebens aus. Loslassen heißt auch, sich neu zu sortieren.
Viele fragen sich nach einer langen Beziehung zum ersten Mal wieder, was sie selbst eigentlich mögen, wie sie ihre Abende verbringen wollen und wer sie ohne den anderen sind.Alte Verlustangst
Wer früh erlebt hat, dass Nähe unsicher ist, klammert sich später oft stärker. Dann geht es nicht nur um diesen Menschen, sondern um eine alte Wunde.
Was beim Loslassen hilft
- Kontakt begrenzen: Funkstille, Stummschalten in sozialen Medien und keine Erinnerungsstücke im Blickfeld.
- Grübelzeit festlegen: Täglich eine feste Viertelstunde, in der Gedanken erlaubt sind. Außerhalb davon bewusst ablenken.
- Die Beziehung realistisch sehen: Eine Liste mit Dingen, die nicht gut waren, hilft gegen die Verklärung.
- Abschied gestalten: Ein Brief, den Sie nicht abschicken, kann einen inneren Schlusspunkt setzen.
- Neues einladen: Kleine neue Erfahrungen, Kontakte und Routinen füllen die Lücke allmählich.
Rückschläge gehören dazu. Ein Lied, ein Ort oder ein Jahrestag kann die Gefühle plötzlich zurückbringen. Das bedeutet nicht, dass Sie wieder am Anfang stehen. Mit der Zeit werden solche Momente seltener und weniger heftig, auch wenn sich das am Anfang kaum vorstellen lässt.
Wenn Sie vor allem den Ex-Partner vermissen, lesen Sie auch den Ratgeber Warum vermisse ich meinen Ex? Hält der Schmerz über viele Monate unvermindert an oder rauben die Gedanken Ihnen Schlaf und Kraft, kann eine Psychotherapie helfen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Liebeskummer hilft, das Gedankenkarussell zu beruhigen, Abschied zu nehmen und sich wieder dem eigenen Leben zuzuwenden. Es ersetzt keine Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Warum kann ich nicht loslassen?
Das Gehirn reagiert auf den Verlust ähnlich wie auf einen Entzug. Dazu kommen Hoffnung, Grübeln, der Verlust gemeinsamer Pläne und manchmal alte Verlustängste. Loslassen ist deshalb ein Prozess, kein Entschluss.
Wie kann ich lernen loszulassen?
Kontakt begrenzen, Grübelzeit begrenzen, die Beziehung realistisch betrachten, bewusst Abschied nehmen und Neues ins Leben lassen. Kleine Schritte wirken besser als ein großer Entschluss.
Wie lange dauert es, einen Menschen loszulassen?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei den meisten lässt der Schmerz nach einigen Wochen bis Monaten deutlich nach. Hält er unvermindert über viele Monate an, ist Unterstützung sinnvoll.
Warum kann ich Menschen allgemein schlecht loslassen?
Häufig steckt eine Verlustangst dahinter, die aus frühen Erfahrungen mit unsicherer Nähe stammt. In der Psychotherapie lässt sich daran gut arbeiten.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Fisher et al. (2010): Reward, addiction, and emotion regulation systems associated with rejection in love, Journal of Neurophysiology 104(1)
- Nolen-Hoeksema, Wisco & Lyubomirsky (2008): Rethinking rumination, Perspectives on Psychological Science 3(5)
- Sbarra & Emery (2005): The emotional sequelae of nonmarital relationship dissolution, Personal Relationships 12(2)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).