Warum bekommt man Gürtelrose nach Windpocken?
Gürtelrose ist keine Neuansteckung, sondern das Wiedererwachen eines Virus, das seit der Windpockenerkrankung im Körper ruht. Entscheidend ist, was die Immunkontrolle schwächt.
Gürtelrose entsteht nicht durch Ansteckung
Eine Gürtelrose bekommt nur, wer früher Windpocken hatte. Das Virus – Varizella-Zoster – verschwindet nach der Windpockenerkrankung nicht aus dem Körper, sondern zieht sich in die Nervenknoten entlang der Wirbelsäule zurück.
Dort verbleibt es lebenslang in einem Ruhezustand. Eine Gürtelrose ist die Reaktivierung dieses ruhenden Virus, keine Neuansteckung.
Warum das Virus wieder aktiv wird
Die Immunkontrolle lässt nach
Solange das Immunsystem das Virus in Schach hält, bleibt es ruhig. Diese Kontrolle wird von spezialisierten Abwehrzellen geleistet – und deren Leistungsfähigkeit nimmt mit dem Alter ab.
Deshalb steigt das Risiko ab etwa 50 Jahren deutlich. Etwa jeder Dritte erkrankt im Lauf des Lebens einmal an Gürtelrose.
Vorübergehende Immunschwächung
Auch kurzfristige Schwächungen können ausreichen: schwere Infekte, Operationen, bestimmte Medikamente, andere Erkrankungen. Bei deutlich jüngeren Menschen mit Gürtelrose sollte deshalb nach einer Ursache gesucht werden.
Anhaltende Belastung
Psychische Belastung beeinflusst die zelluläre Immunabwehr – genau jenen Teil, der das Virus kontrolliert. Studien beschreiben einen Zusammenhang zwischen belastenden Lebensereignissen und dem Auftreten einer Gürtelrose.
Das bedeutet nicht, dass Belastung allein sie auslöst. Sie ist ein Faktor unter mehreren, bei dem das Alter die größte Rolle spielt.
Warum der Ausschlag einem Streifen folgt
Das typische Bild – ein einseitiges Band aus Bläschen – erklärt sich aus dem Weg des Virus: Es wandert vom Nervenknoten entlang genau des Nervs zur Haut, in dem es geruht hat. Das Versorgungsgebiet dieses Nervs bildet den Streifen.
Deshalb überschreitet eine Gürtelrose in aller Regel nicht die Körpermitte.
Warum schnelles Handeln zählt
Antivirale Medikamente wirken am besten, wenn sie innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Ausschlags begonnen werden. Sie verkürzen den Verlauf und senken das Risiko der wichtigsten Komplikation.
Diese Komplikation ist die postzosterische Neuralgie: anhaltende Nervenschmerzen, die Monate bis Jahre nach Abheilen der Haut bestehen bleiben können. Das Risiko steigt mit dem Alter erheblich.
Sofort ärztlich: Gürtelrose im Gesicht, besonders bei Beteiligung von Auge oder Ohr. Hier drohen Seh- und Hörschäden.
Ansteckung – was gilt
Gürtelrose selbst ist nicht ansteckend im Sinne einer Übertragung von Gürtelrose. Der Bläscheninhalt enthält jedoch Viren: Menschen ohne Windpocken-Immunität können sich anstecken und dann Windpocken bekommen – nicht Gürtelrose.
Deshalb sollten Kontakte zu Schwangeren ohne Immunität, Neugeborenen und immungeschwächten Personen vermieden werden, solange Bläschen nässen.
Vorbeugung
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung mit dem Totimpfstoff für alle ab 60 Jahren sowie ab 50 Jahren bei erhöhtem Risiko durch Grunderkrankungen. Sie senkt Erkrankungsrisiko und Risiko der Nervenschmerzen deutlich.
Wo Entspannungsverfahren ansetzen
Gürtelrose ist eine Viruserkrankung und wird medizinisch behandelt – rasch und mit antiviralen Medikamenten. Entspannungsverfahren ersetzen das nicht. Sie können bei der Stressbelastung ansetzen, die als Faktor gilt, und beim Umgang mit anhaltenden Nervenschmerzen nach der Erkrankung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Gürtelrose richtet sich an Stressbelastung und den Umgang mit anhaltenden Nervenschmerzen – ergänzend zur ärztlichen Behandlung, die zuerst kommt. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).