Warum brauche ich ständig Bestätigung?
Die Beruhigung hält nur kurz, dann kommt die nächste Frage. Was hinter dem Bedürfnis nach Bestätigung steckt und wie mehr innere Sicherheit entsteht.
Die kurze Antwort
„Liebst du mich noch?“, „Bist du sauer?“, „War das in Ordnung so?“: Wer ständig Bestätigung braucht, sucht meist nicht nach Information, sondern nach Beruhigung. Dahinter steckt oft ein Selbstwertgefühl, das allein nicht genug Halt gibt, und eine Angst vor Zurückweisung. Die Beruhigung wirkt kurz, doch der Zweifel kommt zurück, und mit ihm das Bedürfnis nach der nächsten Bestätigung.
Selbstwert als inneres Messgerät
Der Psychologe Mark Leary beschreibt das Selbstwertgefühl als eine Art Messgerät, das anzeigt, wie sehr man von anderen angenommen wird. In seinen Studien sank das Selbstwertgefühl, wenn Menschen aus persönlichen Gründen ausgeschlossen wurden. Bei manchen ist dieses Messgerät besonders empfindlich eingestellt. Schon kleine Zeichen von Distanz lösen dann Alarm aus.
Woher das starke Bedürfnis kommt
Ängstliche Bindung
Ein Forschungsteam um Phillip Shaver begleitete Paare mit täglichen Tagebüchern. Übermäßiges Rückversicherungsbedürfnis hing eng mit ängstlicher Bindung zusammen, also mit der Sorge, nicht genug geliebt zu werden oder verlassen zu werden.
Frühe Erfahrungen
Wer als Kind Zuwendung vor allem für Leistung oder Wohlverhalten bekam, kann lernen, dass der eigene Wert von außen bestätigt werden muss.
Ein strenger innerer Kritiker
Wenn die innere Stimme vor allem abwertet, wird das Lob anderer zur einzigen Quelle von Sicherheit. Eigene Erfolge zählen dann kaum, weil sie sofort kleingeredet werden.
Warum mehr Bestätigung nicht hilft
Rückversicherung wirkt wie ein kurzfristiges Beruhigungsmittel. Sie senkt die Angst für den Moment, bestärkt aber zugleich die Annahme, allein nicht damit umgehen zu können. Eine Übersichtsarbeit über 38 Studien fand einen deutlichen Zusammenhang zwischen übermäßigem Rückversicherungsbedürfnis und depressiver Stimmung. Der Zusammenhang mit Zurückweisung durch andere war schwächer, aber ebenfalls vorhanden.
Was hilft
- Den Impuls bemerken: Bevor die Frage gestellt wird, kurz innehalten und benennen, welche Angst gerade da ist.
- Aufschieben statt verbieten: Die Frage zehn Minuten später stellen. Oft ist der Drang bis dahin schwächer geworden.
- Selbst antworten: Was würde ein wohlwollender Freund jetzt sagen? Diese Antwort aufschreiben.
- Eigene Maßstäbe stärken: Abends notieren, was gelungen ist, unabhängig davon, ob es jemand gesehen hat.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, die Grundanspannung zu senken. Wissenschaftlich belegt ist ihr Nutzen speziell für dieses Muster nicht.
Wann Hilfe wichtig ist
Geht das Bedürfnis nach Bestätigung mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Gefühlen von Wertlosigkeit oder Rückzug einher, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll. In akuten Krisen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Das Audio-Hypnose-Programm für mehr Selbstwertgefühl unterstützt dabei, sich weniger vom Urteil anderer abhängig zu fühlen, begleitend und nicht als Ersatz für eine Psychotherapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Ist es normal, Bestätigung zu brauchen?
Ja, jeder Mensch braucht Anerkennung und Zuwendung. Schwierig wird es, wenn die Beruhigung nur kurz hält, dieselben Fragen ständig wiederkehren und das eigene Wohlbefinden fast ganz vom Urteil anderer abhängt.
Warum hält die Beruhigung nicht lange an?
Rückversicherung senkt die Angst nur für den Moment. Sie bestärkt zugleich die Annahme, allein keine Sicherheit finden zu können, deshalb meldet sich der Zweifel bald wieder.
Kann ständige Rückversicherung eine Beziehung belasten?
Sie kann es. Partner bemerken das Muster, und Studien zeigen einen, wenn auch schwächeren, Zusammenhang mit Zurückweisung. Hilfreicher ist es, über die zugrunde liegende Angst zu sprechen.
Wie werde ich unabhängiger von Bestätigung?
Kleine Schritte helfen: den Impuls bemerken, die Frage aufschieben und eigene Erfolge bewusst festhalten. Bei tieferen Selbstwertproblemen kann eine Psychotherapie unterstützen.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Shaver, Schachner & Mikulincer (2005): Attachment style, excessive reassurance seeking, relationship processes, and depression, Personality and Social Psychology Bulletin 31(3)
- Starr & Davila (2008): Excessive reassurance seeking, depression, and interpersonal rejection: a meta-analytic review, Journal of Abnormal Psychology 117(4)
- Leary, Tambor, Terdal & Downs (1995): Self-esteem as an interpersonal monitor: the sociometer hypothesis, Journal of Personality and Social Psychology 68(3)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).