Tinnitus und Kopfschmerzen: Hängt das zusammen?
Tinnitus und Kopfschmerzen treten auffällig oft gemeinsam auf. Meist löst das eine nicht das andere aus, doch beide verstärken sich gegenseitig.
Ein häufiges Paar
Ja, Tinnitus und Kopfschmerzen hängen oft zusammen, allerdings selten so, dass das Ohrgeräusch die Kopfschmerzen direkt auslöst. Viel häufiger treten beide nebeneinander auf und verstärken sich gegenseitig. Wer an Kopfschmerztagen einen lauteren Tinnitus bemerkt, beobachtet also etwas, das viele Betroffene kennen.
Was eine Regensburger Studie zeigt
Forschende des Tinnituszentrums Regensburg verglichen 193 Tinnitusbetroffene mit Kopfschmerzen und 765 ohne Kopfschmerzen. Die Gruppe mit beiden Beschwerden fühlte sich durch den Tinnitus stärker belastet und berichtete eine geringere Lebensqualität. Sie hatte zudem häufiger Schmerzen in Nacken und Kiefer, Schwindel, Schmerzempfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen und depressive Beschwerden. Besonders belastet waren Menschen mit Migräne oder Clusterkopfschmerz.
Die Autoren deuten das vor allem als Summe zweier Beschwerden, die sich addieren, nicht als Beweis für eine gemeinsame Ursache.
Mögliche Verbindungen
Nacken und Kiefer
Nerven aus Nacken und Kiefer sind im Hirnstamm mit der Hörbahn verbunden. Verspannungen können deshalb Spannungskopfschmerzen begünstigen und bei manchen Menschen zugleich das Ohrgeräusch verändern.
Migräne
Die S3-Leitlinie zum chronischen Tinnitus rät, bei begleitenden Kopfschmerzen auch an Migräne und verwandte Kopfschmerzformen zu denken. Während einer Attacke sind viele Menschen geräuschempfindlich, und das Ohrgeräusch kann stärker hervortreten.
Zähne pressen
Wer nachts mit den Zähnen knirscht oder tagsüber die Kiefer aufeinanderpresst, wacht oft mit Kopfschmerzen auf. Bei manchen ist dann auch der Tinnitus morgens lauter. Eine zahnärztliche Abklärung kann hier sinnvoll sein.
Stress und Schlaf
Anspannung und kurze Nächte senken die Reizschwelle. Kopf und Ohr reagieren dann empfindlicher, und beides wird stärker wahrgenommen.
Was im Alltag hilft
Ein Kopfschmerztagebuch zeigt, ob Tinnitus und Kopfschmerzen gemeinsam schwanken und was vorausgeht. Regelmäßiger Schlaf, Bewegung und Pausen vom Bildschirm entlasten Nacken und Nervensystem. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, Anspannung abzubauen und dem Ohrgeräusch gelassener zu begegnen.
Wer häufig Schmerzmittel braucht, sollte das ärztlich besprechen, denn zu viele Schmerzmittel können selbst Kopfschmerzen auslösen.
Was die Untersuchung klärt
In der HNO-Praxis gehören ein Hörtest und die Untersuchung der Ohren zur Basis. Bei Kopfschmerzen wird zusätzlich auf Hinweise für Migräne, Verspannungen oder einen erhöhten Blutdruck geachtet. Hilfreich ist, zum Termin aufzuschreiben, wann beide Beschwerden auftreten, wie lange sie dauern und was sie lindert.
Wann ärztlich abklären
Plötzlicher, sehr heftiger Kopfschmerz, Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen sind ein Notfall: sofort den Notruf 112 wählen. Zeitnah HNO-ärztlich abklären lassen sollte man einen plötzlichen Hörverlust (Hörsturz), einen neuen einseitigen Tinnitus, Schwindel oder ein pulsierendes Geräusch im Takt des Herzschlags.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Tinnitus setzt auf Entspannung und einen gelasseneren Umgang mit dem Ohrgeräusch, begleitend zur HNO-ärztlichen Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Kann Tinnitus Kopfschmerzen verursachen?
Direkt eher nicht. Die Belastung durch das Ohrgeräusch, schlechter Schlaf und Anspannung können aber Spannungskopfschmerzen begünstigen.
Warum ist der Tinnitus bei Migräne lauter?
Während einer Migräneattacke reagiert das Nervensystem empfindlicher auf Reize, viele sind zum Beispiel geräuschempfindlich. Das Ohrgeräusch kann dann stärker hervortreten und nach der Attacke wieder abklingen.
Was bedeutet Kopfdruck zusammen mit Tinnitus?
Häufig stecken Verspannungen, Stress oder eine Erkältung dahinter. Hält der Druck an, kommt eine Hörminderung oder Schwindel hinzu oder pulsiert das Geräusch, sollte ärztlich nachgesehen werden.
Welche Praxis ist die richtige Anlaufstelle?
Für das Ohrgeräusch ist die HNO-Praxis die erste Adresse. Bei häufigen oder ungewöhnlichen Kopfschmerzen kommt eine hausärztliche oder neurologische Abklärung hinzu.
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Quellen (Auswahl)
- Langguth, Hund, Landgrebe & Schecklmann (2017): Tinnitus patients with comorbid headaches: The influence of headache type and laterality on tinnitus characteristics, Frontiers in Neurology 8
- DGHNO-KHC: S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus, AWMF 017-064
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).