Sexsucht: Was hilft wirklich?
Reine Willenskraft scheitert oft. Welche Strategien belegt helfen, wie Sie mit Rückfällen umgehen und wo Sie Unterstützung finden.
Die kurze Antwort
Gegen Sexsucht hilft am besten eine Kombination: die eigenen Auslöser kennen, Gelegenheiten bewusst reduzieren, neue Wege finden, mit Stress und Leere umzugehen, und bei starkem Leidensdruck eine Psychotherapie. Gut untersucht sind kognitive Verhaltenstherapie und die Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Reine Willenskraft scheitert dagegen oft, weil das Verhalten meist eine Funktion erfüllt, etwa Spannung abzubauen.
Was Sexsucht ist
Fachlich heißt sie zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung und ist seit der ICD-11 der WHO als eigene Diagnose aufgeführt. Gemeint ist ein über mindestens sechs Monate anhaltendes Muster, in dem sexuelle Impulse nicht mehr kontrolliert werden können, obwohl Nachteile entstehen und Versuche zu reduzieren scheitern. Häufig geht es um Pornografie. Viel Lust allein ist keine Sucht. Entscheidend sind Kontrollverlust und Leidensdruck.
Was wirklich hilft
Auslöser erkennen
Typische Auslöser sind Langeweile, Einsamkeit, Stress, Müdigkeit und Ärger. Ein paar Wochen lang aufzuschreiben, wann der Drang kommt, zeigt meist ein klares Muster.
Gelegenheiten verringern
Filter auf Handy und Rechner, das Handy nachts außerhalb des Schlafzimmers, keine Bildschirme in kritischen Situationen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern kluge Planung.
Den Drang aushalten lernen
Ein Impuls steigt an, erreicht einen Höhepunkt und flaut wieder ab, meist innerhalb weniger Minuten. Wer ihn beobachtet, statt ihm zu folgen, erlebt, dass er vorbeigeht. Genau das trainiert die Akzeptanz- und Commitment-Therapie. In einer Studie von Crosby und Twohig sank der Pornokonsum der Teilnehmenden nach acht Sitzungen deutlich.
Die Lücke füllen
Wenn das Verhalten bisher gegen Stress oder Leere geholfen hat, braucht es Ersatz: Bewegung, Kontakt zu Menschen, Entspannungsübungen, Hobbys.
Nicht allein bleiben
Scham hält viele vom Reden ab. Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Sex- und Liebessüchtigen, Beratungsstellen und Psychotherapie bieten einen geschützten Rahmen.
Wenn eine Beziehung betroffen ist
Viele Betroffene suchen erst Hilfe, wenn der Partner etwas entdeckt hat. Für beide ist das ein Schock. Hilfreich ist, ehrlich über das Problem zu sprechen, ohne es kleinzureden, und die Verantwortung für die Veränderung selbst zu übernehmen. Paarberatung kann dabei helfen, verlorenes Vertrauen Schritt für Schritt wieder aufzubauen. Auch Partnerinnen und Partner dürfen sich eigene Unterstützung holen.
Rückfälle richtig einordnen
Ein Rückfall ist kein Beweis, dass alles umsonst war. Wichtiger als Perfektion ist, was danach passiert: den Auslöser analysieren, ohne sich zu verurteilen, und weitermachen. Starke Selbstverurteilung erhöht nachweislich den Druck und damit oft den nächsten Rückfall.
Mehr über die Hintergründe lesen Sie in unserem Ratgeber Sexsucht und Pornosucht: psychische Ursachen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Sexsucht unterstützt dabei, innere Anspannung abzubauen und Impulsen gelassener zu begegnen, als Teil der Selbsthilfe oder begleitend zur Therapie. Es ersetzt keine Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Was hilft gegen Sexsucht?
Auslöser erkennen, Gelegenheiten reduzieren, den Drang aushalten lernen und neue Wege gegen Stress und Leere finden. Bei starkem Leidensdruck helfen Psychotherapie, etwa Verhaltenstherapie oder Akzeptanz- und Commitment-Therapie, und Selbsthilfegruppen.
Ist Sexsucht eine anerkannte Krankheit?
Ja. In der ICD-11 der WHO ist sie als zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung aufgeführt. Entscheidend sind Kontrollverlust über mindestens sechs Monate und deutliche Nachteile, nicht die Häufigkeit von Sex.
Kann man Sexsucht allein überwinden?
Manche schaffen es mit konsequenter Selbsthilfe, viele brauchen Unterstützung. Wenn Versuche wiederholt scheitern oder Beziehung und Beruf leiden, ist eine Psychotherapie oder Beratung sinnvoll.
Wie lange dauert ein Pornoentzug?
Das ist individuell. Viele berichten, dass der Drang in den ersten Wochen am stärksten ist und dann nachlässt. Feste Fristen gibt es nicht, wichtiger ist ein Plan für Auslöser und Rückfälle.
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Quellen (Auswahl)
- WHO: ICD-11, 6C72 Compulsive sexual behaviour disorder
- Crosby & Twohig (2016): Acceptance and commitment therapy for problematic internet pornography use: a randomized trial, Behavior Therapy 47(3)
- Kraus, Voon & Potenza (2016): Should compulsive sexual behavior be considered an addiction?, Addiction 111(12)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).