Genitalherpes: Muss der Partner mitbehandelt werden?
Die Diagnose ist gestellt, und sofort kommt die Frage: Braucht der Partner jetzt auch Tabletten? Was die Leitlinien dazu sagen und welche Schritte für das Paar wirklich sinnvoll sind.
Die kurze Antwort
Nein, eine vorsorgliche Behandlung des Partners ohne Beschwerden ist bei Genitalherpes nicht vorgesehen. Anders als bei vielen bakteriellen Geschlechtskrankheiten gibt es kein Medikament, das eine Ansteckung beim gesunden Partner verhindern soll. Sinnvoll sind stattdessen ein offenes Gespräch, bei Bedarf ein Bluttest beim Partner und, je nach Lage, eine Behandlung der Person mit Herpes, die das Übertragungsrisiko senkt.
Was die Leitlinien sagen
Die US-Gesundheitsbehörde CDC schreibt in ihren Leitlinien von 2021: Partner mit Beschwerden sollen wie Erkrankte untersucht und behandelt werden. Partner ohne Beschwerden sollen nach früheren Symptomen gefragt werden, ihnen kann ein typspezifischer Antikörpertest auf HSV-2 angeboten werden. Für eine vorbeugende Einnahme antiviraler Medikamente durch den gesunden Partner gibt es keine Datengrundlage, sie soll nicht als Schutz angeboten werden.
Die europäische Leitlinie von 2024 (Patel und Kollegen) nennt Partner, die sich um eine Ansteckung sorgen, als eine Gruppe, für die ein solcher Test nützlich sein kann. Im Einzelfall kann es helfen, den Partner zur Beratung in die Praxis mitzunehmen.
Was ein Test beim Partner zeigen kann
Viele Menschen tragen das Herpesvirus, ohne es zu wissen. Zeigt der Test, dass der Partner bereits Antikörper gegen denselben Virustyp hat, verändert das die Beratung deutlich. Ist er nicht infiziert, lohnt es sich, gemeinsam über Schutz zu sprechen. Ein positiver Befund verrät allerdings nicht, wer wen angesteckt hat oder wann. Laut europäischer Leitlinie kann eine Übertragung auch erst nach Jahren in einer festen Beziehung geschehen, weil das Virus ohne sichtbare Bläschen ausgeschieden werden kann.
Was die Ansteckung beim Partner verringert
Behandelt wird die Person mit Herpes, nicht der gesunde Partner. In einer Studie von Corey und Kollegen (2004) mit 1.484 Paaren nahm der Partner mit HSV-2 acht Monate lang täglich Valaciclovir oder ein Scheinmedikament. Mit dem Medikament steckten sich 1,9 Prozent der gesunden Partner an, mit Placebo 3,6 Prozent. Kondome senken das Risiko zusätzlich. Weil das Virus auch ohne Beschwerden übertragen werden kann, reicht es laut Leitlinie nicht, nur bei sichtbaren Bläschen auf Sex zu verzichten. Ob eine Dauertherapie passt, wird ärztlich entschieden. Ihre volle Wirkung erreicht sie laut europäischer Leitlinie meist erst nach etwa fünf Tagen.
Abgrenzung
Wie hoch das Risiko einer Übertragung im Alltag ist, beschreibt der Ratgeber Angst, den Partner mit Herpes anzustecken. Hat ein Partner Herpes und der andere keinen Befund, erklärt Genitalherpes: Woher, wenn der Partner keinen hat? mögliche Gründe. Ansprechpartner für Test und Behandlung sind hausärztliche, gynäkologische, urologische und dermatologische Praxen.
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Häufige Fragen
Soll mein Partner Tabletten nehmen, damit er sich nicht ansteckt?
Nein, eine vorbeugende Einnahme durch den gesunden Partner wird nicht empfohlen, weil es dafür keine belastbaren Daten gibt. Untersucht wurde dagegen die tägliche Behandlung der Person mit Herpes, die in einer großen Studie die Ansteckungen fast halbiert hat. Welche Lösung passt, klärt die ärztliche Praxis.
Muss mein Partner zum Arzt, obwohl er keine Beschwerden hat?
Eine Pflicht gibt es nicht. Ein Gespräch in der Praxis und ein Bluttest auf Herpes-Antikörper können aber sinnvoll sein, besonders wenn die Sorge vor einer Ansteckung groß ist. Hat der Partner Bläschen, Brennen oder Schmerzen im Genitalbereich, sollte er sich untersuchen lassen.
Was bedeutet es, wenn der Bluttest beim Partner positiv ist?
Dann trägt der Partner das Virus ebenfalls, oft schon länger und ohne es bemerkt zu haben. Der Befund sagt nicht, wer wen angesteckt hat oder seit wann die Infektion besteht. Die genaue Einordnung, auch welcher Virustyp betroffen ist, gehört in die ärztliche Beratung.
Brauchen wir trotz Dauertherapie noch Kondome?
Die europäische Leitlinie rät bei Sorge vor Ansteckung zu Kondomen, auch wenn die Person mit Herpes eine Dauertherapie nimmt. Beide Maßnahmen senken das Risiko, keine schließt es ganz aus. Wie vorsichtig ein Paar sein möchte, kann es gemeinsam und mit ärztlichem Rat entscheiden.
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Quellen (Auswahl)
- Workowski et al. (2021): Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021, MMWR Recommendations and Reports 70(4) Quelle lesen →
- Patel et al. (2025): 2024 European guidelines for the management of genital herpes, Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 39(4) Quelle lesen →
- Corey et al. (2004): Once-daily valacyclovir to reduce the risk of transmission of genital herpes, New England Journal of Medicine 350(1) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).