Depression nach der Geburt beim Mann: Anzeichen, Häufigkeit und Hilfe
Auch Väter können nach der Geburt eine Depression entwickeln, in Studien etwa 8 bis 10 Prozent. Sie kann sich auch durch Gereiztheit, Rückzug oder Flucht in die Arbeit zeigen. Erste Anlaufstellen sind Hausarztpraxis und Psychotherapie.
Die kurze Antwort
Ja, auch Väter können nach der Geburt eines Kindes eine Depression entwickeln. In großen Auswertungen betraf das etwa 8 bis 10 Prozent der Väter. Sie kann sich bei Männern auch durch Gereiztheit, Rückzug oder Flucht in die Arbeit zeigen. Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis, Psychotherapie oder Psychiatrie, in Krisen die TelefonSeelsorge.
Wie häufig das ist
Paulson und Bazemore (2010) werteten 43 Studien mit rund 28.000 Teilnehmenden aus und kamen auf etwa 10 Prozent depressive Väter zwischen Schwangerschaft und erstem Lebensjahr des Kindes. Am höchsten lag der Wert drei bis sechs Monate nach der Geburt. Eine neuere Meta-Analyse von Rao und Kollegen (2020) mit 47 Studien fand im ersten Jahr nach der Geburt knapp 9 Prozent. Ist die Mutter depressiv, ist häufiger auch der Vater betroffen.
Woran man es erkennen kann
Typisch sind über mindestens zwei Wochen gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Schuldgefühle und Schlafprobleme, die über das hinausgehen, was das Baby verursacht. Bei Männern stehen manchmal Reizbarkeit, Wutausbrüche, mehr Alkohol, viel Arbeit oder das Gefühl, als Vater nicht zu genügen, im Vordergrund. Viele schweigen, weil sie glauben, jetzt vor allem stark sein zu müssen.
Warum es auch das Kind betrifft
Ramchandani und Kollegen (2005) begleiteten in England über 8.000 Väter. Eine Depression des Vaters acht Wochen nach der Geburt ging mit mehr emotionalen und Verhaltensproblemen der Kinder im Alter von dreieinhalb Jahren einher, auch unabhängig von einer Depression der Mutter. Das ist kein Grund für Schuld, sondern ein Grund, sich früh Hilfe zu holen.
Schritt für Schritt
- Es aussprechen: Der Partnerin oder einer vertrauten Person sagen, wie es wirklich geht. Manche Paare merken erst dabei, dass beide erschöpft sind.
- Termin machen: Die Hausarztpraxis ist ein guter erster Schritt. Über die 116 117 lassen sich in Deutschland Termine für eine psychotherapeutische Sprechstunde vermitteln.
- Schlaf aufteilen: Feste Nächte oder Nachthälften vereinbaren, damit jeder Elternteil Erholungsphasen bekommt.
- Alkohol meiden: Er dämpft nur kurzfristig und verschlechtert Schlaf und Stimmung.
- Erfahrungen anderer nutzen: Die Selbsthilfeorganisation Schatten & Licht e. V. sammelt Informationen und Erfahrungsberichte zu psychischen Krisen rund um die Geburt, darunter auch von Vätern.
Wann es dringend ist
Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, oder der Angst, dem Kind etwas antun zu können, sofort Hilfe holen: Notruf 112, TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 116 123 (DE), Dargebotene Hand 143 (CH). Geht es nicht um den eigenen Zustand, sondern um einen älteren Vater mit Depressionen, passt Mein Vater hat Depressionen.
Wer als Vater nach der Geburt gedrückt und erschöpft ist und neben ärztlicher oder psychotherapeutischer Hilfe ruhige Auszeiten sucht, kann das Audio-Programm bei Depressionen nutzen: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon geschrieben und professionell eingesprochen, ohne KI. Am meisten Spielraum bietet das Jahresabo mit allen 115 Programmen, etwa zusammen mit Stress und Schlafstörungen. Begleitend gedacht, für eine Depression nach der Geburt wissenschaftlich nicht belegt und kein Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Depression nach der Geburt beim Mann?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt auch davon ab, wann eine Behandlung beginnt. In Studien traten depressive Beschwerden bei Vätern im gesamten ersten Jahr auf, besonders häufig drei bis sechs Monate nach der Geburt. Ohne Hilfe kann eine Depression lange anhalten, deshalb lohnt sich ein früher Termin.
Kann ein Mann eine Wochenbettdepression bekommen, obwohl er nicht entbunden hat?
Ja. Der Begriff Wochenbett passt zwar nicht, doch auch Väter erleben Schlafmangel, neue Verantwortung, eine veränderte Partnerschaft und manchmal finanzielle Sorgen. Fachleute sprechen deshalb von einer väterlichen postpartalen Depression.
Was kann ich als Partnerin tun, wenn mein Mann nach der Geburt depressiv wirkt?
Veränderungen ruhig und ohne Vorwurf ansprechen und anbieten, gemeinsam einen Termin in der Hausarztpraxis zu suchen. Wichtig ist, auch auf die eigene Belastung zu achten, denn Depressionen bei Müttern und Vätern treten oft zusammen auf. Bei Hinweisen auf Suizidgedanken sofort den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge einschalten.
Ist das nicht einfach Erschöpfung vom wenigen Schlaf?
Erschöpfung gehört zu den ersten Monaten dazu und bessert sich meist, wenn Schlaf nachgeholt wird. Bei einer Depression bleiben Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und Antriebslosigkeit über mindestens zwei Wochen bestehen, auch nach erholsameren Nächten. Im Zweifel klärt ein ärztliches Gespräch, worum es geht.
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Quellen (Auswahl)
- Paulson & Bazemore (2010): Prenatal and postpartum depression in fathers and its association with maternal depression: a meta-analysis, JAMA 303(19) Quelle lesen →
- Rao et al. (2020): Prevalence of prenatal and postpartum depression in fathers: a comprehensive meta-analysis of observational surveys, Journal of Affective Disorders 263 Quelle lesen →
- Ramchandani et al. (2005): Paternal depression in the postnatal period and child development: a prospective population study, The Lancet 365(9478) Quelle lesen →
- Schatten & Licht e. V.: Selbsthilfeorganisation zu peripartalen psychischen Erkrankungen Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).