Angst beim Schwimmen als Erwachsener: Woher sie kommt und wie sie sich abbauen lässt
Sobald die Füße den Boden verlieren, wird der Atem flach und der Körper steif. Warum so viele Erwachsene Angst im Wasser haben, wie sie sich in kleinen Schritten abbauen lässt und welche Regeln Sicherheit geben.
Die kurze Antwort
Angst beim Schwimmen ist bei Erwachsenen häufiger, als viele denken, und sie lässt sich in den meisten Fällen abbauen. Am besten gelingt das in kleinen Schritten im flachen, warmen Wasser, mit einer Begleitung, der man vertraut, und ohne Zeitdruck. Ein Schwimmkurs für Erwachsene bietet dafür einen geschützten Rahmen. Wer aus Angst ganz auf das Wasser verzichtet, hält die Angst eher am Leben.
Warum Wasser Erwachsenen Angst machen kann
Laut einer forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG aus dem Jahr 2022 können 5 Prozent der Menschen ab 14 Jahren in Deutschland nicht schwimmen. Nur die Hälfte schätzt sich als gute oder sehr gute Schwimmer ein, bei den über 60-Jährigen sind es 37 Prozent. Viele Erwachsene sind also unsicher im Wasser, nur spricht kaum jemand darüber.
Graham und Gaffan (1997) befragten wasserängstliche Erwachsene zwischen 23 und 73 Jahren. Sie fanden keine klaren Hinweise darauf, dass diese vor Beginn ihrer Angst häufiger schlechte Erfahrungen im Wasser gemacht hatten als andere. Angst vor Wasser braucht also nicht immer ein besonderes Erlebnis als Auslöser.
Wie Angst das Schwimmen erschwert
Misimi und Kollegen (2020) entwickelten einen Fragebogen zur Wasserangst mit 2.074 Teilnehmenden. Sie beschreiben die Angst als wichtigsten Grund dafür, dass Menschen nicht oder nur schlecht schwimmen lernen. Wer angespannt ist, kann den Körper oft nicht genug lockern, um im Wasser zu treiben. Dann fühlt sich das Wasser noch weniger tragend an, und die Angst bestätigt sich scheinbar.
Schritt für Schritt ins Wasser
Im flachen Wasser beginnen
Hilfreich ist ein Bereich, in dem die Füße sicher stehen und der Beckenrand nah ist. Erste Schritte können sein: ins Wasser ausatmen, bis es blubbert, das Gesicht kurz eintauchen, sich am Rand festhalten und die Beine treiben lassen. Jeder Schritt wird so lange wiederholt, bis er sich langweilig anfühlt.
Warum kleine Schritte wirken
Eine Metaanalyse von Wolitzky-Taylor und Kollegen (2008) über 33 Studien zu spezifischen Ängsten fand große Effekte für Verfahren, bei denen sich Menschen ihrer Angst schrittweise stellen. Am Anfang wirkte die echte Begegnung mit dem Gefürchteten besser als die reine Vorstellung, und mehr Übungseinheiten brachten tendenziell mehr Fortschritt.
Sicherheit zuerst
Nie allein schwimmen, im Zweifel nah am Rand bleiben und das tiefe Wasser erst angehen, wenn das Treiben im flachen Bereich gelingt. Kurse für Erwachsene bieten vielerorts Schwimmvereine, Bäder, Volkshochschulen oder Ortsgruppen der DLRG an. Kommt die Angst beim Schwimmstart im Wettkampf, beschreibt Panik beim Schwimmstart im Triathlon die besonderen Auslöser. Treten Panikattacken auch außerhalb des Wassers auf oder liegt ein Beinahe-Ertrinken zurück, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll.
Das Audio-Programm Leistungssteigerung Schwimmen richtet sich an Sie, wenn Sie im Wasser ruhiger und gelassener werden möchten, ob im Schwimmkurs, beim Bahnenziehen oder vor dem Wettkampf: zehn aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach der Bestellung verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Hören Sie die Aufnahmen nur in Ruhe an Land, nie im oder am Wasser. Das Programm ist im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten. Begleitend gedacht, kein Ersatz für einen Schwimmkurs, für Aufsicht im Wasser oder für psychotherapeutische Hilfe.
Häufige Fragen
Kann ich als Erwachsener trotz großer Angst noch schwimmen lernen?
Ja, Schwimmen lässt sich in jedem Alter lernen, auch mit Angst. Kurse speziell für Erwachsene arbeiten meist in kleinen Gruppen, im flachen Wasser und in einem ruhigen Tempo. Hilfreich ist, der Kursleitung die Angst gleich zu Beginn offen zu sagen.
Warum bekomme ich Angst, sobald ich im Wasser nicht mehr stehen kann?
Der fehlende Boden unter den Füßen nimmt das Gefühl von Kontrolle, und der Körper reagiert mit Anspannung und schnellerem Atem. Gerade diese Anspannung erschwert das Treiben. Wer zuerst im flachen Wasser übt, sich tragen zu lassen, erlebt das tiefe Wasser später meist weniger bedrohlich.
Ich traue mich nicht, das Gesicht ins Wasser zu tauchen: Was hilft?
Ein guter Anfang ist, am Beckenrand stehend ins Wasser auszuatmen, zuerst nur mit dem Mund, später mit Mund und Nase. Eine Schwimmbrille nimmt vielen das unangenehme Gefühl in den Augen. Jeder Schritt darf so oft wiederholt werden, bis er sich sicher anfühlt.
Seit ich als Kind fast ertrunken wäre, meide ich Wasser: Brauche ich Hilfe?
Das kann sinnvoll sein, vor allem wenn Bilder der Situation ungewollt wiederkehren oder schon der Gedanke an Wasser starke Angst auslöst. Eine Psychotherapie kann helfen, das Erlebte zu verarbeiten, bevor der Schwimmkurs beginnt. Erste Anlaufstelle kann die Hausarztpraxis sein.
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Quellen (Auswahl)
- DLRG / forsa (2023): Pressemitteilung zur Befragung „Schwimmfähigkeit der Bevölkerung 2022“, 2.000 Befragte ab 14 Jahren Quelle lesen →
- Graham & Gaffan (1997): Fear of water in children and adults: etiology and familial effects, Behaviour Research and Therapy 35(2) Quelle lesen →
- Misimi et al. (2020): Development and validity of the Fear of Water Assessment Questionnaire, Frontiers in Psychology 11 Quelle lesen →
- Wolitzky-Taylor et al. (2008): Psychological approaches in the treatment of specific phobias: a meta-analysis, Clinical Psychology Review 28(6) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).