Zu früh kommen beim ersten Mal: Ist das normal?
Beim ersten Mal zu früh zu kommen, ist sehr häufig und noch keine Störung. Was dahintersteckt und was beim nächsten Mal hilft.
Die kurze Antwort
Ja, das ist sehr häufig und allein noch kein Zeichen für einen vorzeitigen Samenerguss als Störung. Beim ersten Mal oder mit einer neuen Partnerin kommen hohe Erregung, Aufregung und oft eine längere Pause seit dem letzten Sex zusammen. Zum Vergleich: In einer Studie mit 500 Paaren aus fünf Ländern (Waldinger u. a. 2005) vergingen vom Eindringen bis zum Samenerguss im Median 5,4 Minuten, mit einer sehr großen Spanne von unter einer Minute bis über 40 Minuten. Von einer Störung sprechen Fachleute erst, wenn der Erguss dauerhaft fast immer innerhalb von etwa einer Minute kommt (bei der später erworbenen Form innerhalb von etwa drei Minuten), sich kaum hinauszögern lässt und das belastet.
Warum es beim ersten Mal so schnell geht
- Hohe Erregung: Neues, Ungewohntes und lange Vorfreude steigern die Erregung stark.
- Nervosität: Anspannung beschleunigt den Samenerguss eher, als dass sie ihn bremst. Siehe Zu früh kommen: Ist das Kopfsache?
- Lange Pause: Wer länger keinen Sex oder Samenerguss hatte, kommt oft schneller.
- Druck, gut zu sein: Wer sich beobachtet und bewertet, verliert leichter das Gefühl für den eigenen Erregungsverlauf. Siehe Versagensangst im Bett.
Wann ist es ein vorzeitiger Samenerguss?
Ein einzelnes oder auch mehrere schnelle Male in einer neuen Situation sind keine Diagnose. Fachgesellschaften wie die International Society for Sexual Medicine (Serefoglu u. a. 2014) sprechen von einem lebenslangen vorzeitigen Samenerguss, wenn er seit den ersten sexuellen Erfahrungen fast immer innerhalb von etwa einer Minute nach dem Eindringen kommt. Bei der erworbenen Form verkürzt sich die Zeit deutlich auf etwa drei Minuten oder weniger. In beiden Fällen gehören fehlende Kontrolle und Leidensdruck dazu. Mehr dazu unter Vorzeitiger Samenerguss: Ab wann spricht man davon?
Was beim nächsten Mal hilft
- Nicht als Versagen werten: Ein lockerer Satz wie „Ich war wohl ziemlich aufgeregt“ nimmt beiden den Druck, statt das Thema zu verschweigen.
- Zweite Runde: Nach dem ersten Erguss und einer Pause dauert es beim nächsten Mal oft deutlich länger.
- Mehr Zeit für das Vorspiel: Sex besteht nicht nur aus Eindringen. Hände, Mund und Nähe sind genauso Teil davon. Siehe Vorzeitiger Samenerguss: Was kann die Frau tun?
- Tempo und Atem: Langsamer werden, tief in den Bauch atmen und bei steigender Erregung kurz innehalten.
- Kontrolle üben: Die Start-Stopp-Technik und Beckenbodentraining lassen sich auch allein üben. Siehe Zu früh kommen abtrainieren.
- Entspannung üben: Regelmäßige Entspannung, etwa mit Audio-Hypnose, kann helfen, die Aufregung vor dem Sex zu senken. Siehe Was hilft gegen vorzeitigen Samenerguss?
Bleibt das Problem über viele Male bestehen und belastet Sie oder die Beziehung, ist ein Gespräch in der Urologie- oder Hausarztpraxis sinnvoll. Es gibt wirksame Behandlungen.
Das Audio-Hypnose-Programm Vorzeitige Ejakulation richtet sich an Männer, die mit regelmäßiger Entspannung Aufregung und Druck begegnen möchten. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Online im Browser, diskret zu Hause.
Häufige Fragen
Ist es normal, beim ersten Mal zu früh zu kommen?
Ja, das ist sehr häufig. Hohe Erregung, Nervosität und eine längere Pause seit dem letzten Samenerguss lassen ihn schneller kommen. Eine Störung liegt erst vor, wenn es dauerhaft fast immer innerhalb von etwa einer Minute passiert und belastet.
Wie lange dauert Sex im Durchschnitt?
In einer Studie mit 500 Paaren aus fünf Ländern vergingen vom Eindringen bis zum Samenerguss im Median 5,4 Minuten. Die Spanne war sehr groß, von unter einer Minute bis über 40 Minuten.
Was kann ich tun, damit ich beim nächsten Mal länger kann?
Den Druck herausnehmen, dem Vorspiel mehr Zeit geben, langsamer werden und tief atmen. Oft dauert es bei einer zweiten Runde länger. Mit der Start-Stopp-Technik lässt sich die Kontrolle auch gezielt üben.
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Quellen (Auswahl)
- Waldinger u. a. (2005): A multinational population survey of intravaginal ejaculation latency time, Journal of Sexual Medicine 2(4), 492-497
- Serefoglu u. a. (2014): An evidence-based unified definition of lifelong and acquired premature ejaculation: report of the second International Society for Sexual Medicine Ad Hoc Committee, Journal of Sexual Medicine 11(6), 1423-1441
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wenden Sie sich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).